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Schleswiger Nachrichten

18. Dezember 2017 | 18:24 Uhr

Schleswig : Schulen streiten um die Oberstufe

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Abitur an der Bruno-Lorenzen-Schule? Das wollen die Rektorinnen der beiden anderen Gemeinschaftsschulen verhindern. Auch die Leiter der Schleswiger Gymnasien sind skeptisch.

von
erstellt am 17.Feb.2014 | 07:45 Uhr

Der Konkurrenzdruck unter den Schleswiger Schulen wächst – und sorgt für mehr Konfliktstoff. So haben sich die schon länger schwelenden Meinungsverschiedenheiten zwischen der Bruno-Lorenzen-Schule auf der einen Seite und den beiden anderen Gemeinschaftsschulen auf der anderen Seite jetzt hinter den Kulissen zu einem Streit entwickelt. Es geht darum, dass die Bruno-Lorenzen-Schule an ihrem Ziel festhalten will, eine eigene gymnasiale Oberstufe einzurichten. Das aber wollen die kleinere Dannewerk- und die noch kleinere Gallberg-Gemeinschaftsschule erklärtermaßen nicht. Deren Schulleiterinnen operieren daher gemeinsam gegen ein Vorpreschen der „großen Schwester“. Und die beiden benachbarten Gymnasien Dom- und Lornsenschule vertreten die Position: Ihre bisherigen Oberstufen-Plätze sowie die im BBZ seien ausreichend.

Und was sagt die Stadt als Schulträgerin? Schleswigs Bürgermeister Arthur Christiansen, der während seiner vorherigen Amtszeit in Handewitt für eine Oberstufe an der dortigen Gemeinschaftsschule gesorgt hatte, will sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht festlegen zum Vorhaben der Bruno-Lorenzen-Schule. Vermeiden möchte er indes „eine Art Kannibalismus“ unter den konkurrierenden Schulen in Schleswig, erklärt er auf SN-Nachfrage. Im Grundsatz befürworte er das zweigliedrige Schulsystem mit G8-Gymnasien einerseits und den Gemeinschaftsschulen andererseits, wo ein gemeinsames Lernen in allen Schularten bis zum Mittleren Abschluss und gegebenenfalls bis zum Abitur möglich ist.

Wie aber geht es jetzt weiter? Als erstes will Bürgermeister Christiansen einen Meinungsbildungsprozess mit allen Schulleitungen in Schleswig ansteuern. Dazu möchte er deren Vertreter bis Mitte März an einen runden Tisch einladen. Christiansen: „Die atmosphärischen Störungen müssen beseitigt und vernünftige Absprachen getroffen werden.“ Er bedauert die Vorkommnisse aus den vergangenen Wochen und bewertet sie als „unglücklich“ im Umgang unter den Schulen.

Zu den Minen im Störfeld gehört offenbar ein Vorstoß von Dannewerk-Schulleiterin Andrea Schönberg und ihrer Gallberg-Kollegin Anja Moeskes. Zum Hintergrund: Im Januar gab es ein Gespräch mit allen Gemeinschaftsschulleitungen und dem BBZ. Darüber hatte Moeskes ein Protokoll angefertigt, das folgendes Zitat von Rektorin Schönberg enthielt: „Die Voraussetzung für die Unterzeichnung von Kooperationsvereinbarungen ist, dass keine Gemeinschaftsschule eine eigene gymnasiale Oberstufe anstrebt.“ Die Bruno-Lorenzen-Schule weigerte sich nach eigenen Angaben, dieses Protokoll zu autorisieren. Kurze Zeit später folgte ein Nachschlag, wie Bruno-Lorenzen-Schulleiter Siegfried Puschmann mit „einiger Empörung“ feststellt. Nämlich ein Entwurf zu einem Schreiben, das Andrea Schönberg an den Schulausschuss richten wollte. Inhalt: „Wir bitten die Stadt Schleswig, von künftigen Oberstufen an Gemeinschaftsschulen verbindlich abzusehen und stattdessen die Kooperationsbemühungen zwischen den Gemeinschaftsschulen und den Gymnasien sowie dem Berufsbildungszentrum zu unterstützen.“ Puschmann wollte auch dieses Schreiben nicht unterzeichnen. Man lasse sich nicht „die Pistole auf die Brust setzen“, hieß es.

Dannewerk-Rektorin Schönberg gab auf SN-Nachfrage keinen Kommentar zu ihrer Vorgehensweise selbst ab. Sie verwies darauf, initiativ geworden zu sein, weil „auf längere Sicht nicht genügend Schüler für eine zusätzliche Oberstufe in Schleswig zur Verfügung stehen werden“. Die Dannewerkschule wolle daher mit allen Schleswiger Schulen kooperieren: „Das wäre im Sinne unserer Schüler“, sagte sie. Gallbergschulleiterin Anja Moeskes war nicht vor Ort und deshalb für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Bei den Gymnasien äußern Lornsenschulleiterin Erdmut Fox und Domschulleiter Georg Reußner „vollstes Verständnis“ für das Bemühen der Bruno-Lorenzen-Schule, halten aber eine zusätzliche Oberstufe dort für nicht erforderlich. Im Gegenzug wollen sie stärker „im Rahmen von Kooperationen vorbereitende Wege für Gemeinschaftsschüler bahnen“.

Warum strebt die Bruno-Lorenzen-Schule eine eigene Oberstufe an? „Wir möchten für unsere Gemeinschaftsschüler mehr Barrieren auf dem Weg zum Abitur abbauen“, erklärt Puschmann. Das gelinge am besten an der eigenen Schule. Angedacht sei für eine Oberstufe etwa ein Sportprofil, Gesellschaftswissenschaften oder ein Sprachprofil, bei dem Dänisch eine große Rolle spiele. Selbstverständlich werde man mit den anderen Schulen kooperieren, insbesondere mit dem BBZ. „Doch unser Ziel werden wir nicht aus dem Auge verlieren“, betont Puschmann.

Zudem sei es von der Landesregierung gewollt, dass mehr Gemeinschaftsschulen Oberstufen erhalten, damit dort alle drei Abschlüsse möglich sind. In dieser Hinsicht stelle der Kreis Schleswig-Flensburg – Handewitt ausgenommen – noch einen weißen Fleck dar. Er verweist auf zwölf neu entstandene Oberstufen-Einrichtungen im Lande, etwa in Büdelsdorf oder in Tönning. „Bei denen ist die Situation ähnlich wie bei uns – Gymnasium und BBZ liegen nicht weit entfernt.“

Konrektor Bernd Nissen kündigt an, dass man „auf den neuen Bürgermeister Christiansen gewartet“ habe und baldmöglichst einen Antrag auf Genehmigung einer Oberstufe an den Schulträger stellen werde. Unterstützt werde man vom Elternbeirat. Nissen: „Und es kann doch nicht sein, dass die beiden kleineren Gemeinschaftsschulen in der Stadt, die zusammen die gleiche Anzahl an Fünftklässlern haben wie wir allein, dies verhindern wollen.“ Das letzte Wort hat indes das Bildungsministerium in Kiel.

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