„Schulden sind nicht sexy“

Finanzberater Jörg Bauch gibt Schleswiger Berufsschülern Tipps zum sorgfältigen Umgang mit Geld

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22. Januar 2015, 15:31 Uhr

Man sieht es ihm an, er hat Spaß. Jörg Bauch, selbstständiger Vermögensberater bei der Deutschen Vermögensberatung, hat die Einladung für das Projekt „Zeitung in der Schule“ (Zisch) des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages (sh:z) gern angenommen.

„Surfbretter zu verkaufen ist geil“, eröffnet er mit Elan seinen Vortrag. Ähh, was hat das jetzt Vermögensberatung zu tun? Diese Frage steht den Mädchen und Jungs der Berufsfachschule für Gesundheit und Ernährung am BBZ auf der Stirn geschrieben. Erwartet wurde an diesem Vormittag ein sachlicher und vielleicht ein wenig trockener Vortrag über Sparbeträge und Rentenversicherungen. Doch falsch gedacht, Jörg Bauch versteht es, mit Humor über zwei Unterrichtsstunden hinweg die Aufmerksamkeit der Klasse für ein Thema zu gewinnen, das alle angeht. „Wenn man sich zu einhundert Prozent für eine Sache engagiert, kann man alles erreichen“, meint Jörg Bauch (47) und ergänzt damit seinen Eröffnungssatz.

Seit Jahren berät der Vermögensberater Menschen, wenn es um deren Fragen zu Absicherung und Vermögen geht. „Ich arbeite wie ein Hausarzt für Finanzen.“ Doch was hat Vermögensberatung mit Schulabgängern zu tun? Eine ganze Menge, wie sich bald feststellen lässt. „Wenn ihr demnächst in euer Berufsleben startet, macht euch Gedanken, was ihr wirklich zum Leben benötigt! Geld verdienen heißt auch Geld verwalten“ sagt Jörg Bauch. Jeder private Haushalt sei wie eine kleine Firma. Man benötigt ein Girokonto, Versicherungen und einiges mehr. Der Finanzexperte weiter: „Doch bevor ihr einen Vertrag unterschreibt, denkt immer daran, dass das mit Kosten verbunden ist. Seht euch genau an, mit wem ihr den Vertrag macht und lest ihn richtig.“

Ob Zaster, Pinke oder Kohle – für Jörg Bauch gilt immer das Motto „Ohne Moos, nichts los.“ Denn das teuerste Produkt, das man kaufen könne, sei ein überzogenes Konto. Mit Nachdruck legt er seinen jungen Zuhörern nahe, dass immer mehr reinkommen muss, als rausgeht. „Fangt an Rücklagen zu bilden, egal wie klein der Sparbetrag auch ist“ rät der Vermögensberater aus Schleswig.

Warum ein Girokonto wichtig ist, das weiß der 16-jährige Lars Rohrberg: „Wir bekommen Gehalt und müssen Rechnungen begleichen.“ Jörg Bauch erklärt, was ein Schufa-Abruf ist, ohne den man beispielsweise unter Umständen keine Wohnung bekommt. Mit Nachdruck macht der Redner den 16 Schülerinnen und Schülern klar, dass sie nie mehr Geld ausgeben dürfen als sie haben. „Schulden sind nicht sexy“, sagt er.

Auch beim Stichwort „Ratenkauf“ hebt sich die Stimme des Redners. „Denkt gut nach und passt höllisch auf, denn auf Pump zu kaufen, ist Rückwärtssparen.“ Den Berufsanfängern in spe rät er deshalb, von Anfang an ein Haushaltsbuch zu führen oder sich eine Haushalts-App aufs Smartphone zu laden. „Gebt euch selbst Taschengeld und nehmt das wörtlich. Wenn es verbraucht ist, dann kauft auch nichts mehr.“

Durchschnittlich ist jeder Deutsche mit 30  000 Euro verschuldet. „Befolgt ein paar wichtige Grundregeln, dann kommt ihr nicht in finanzielle Schwierigkeiten“, so Jörg Bauch. Wenn das Einkommen nicht reicht, dann helfe ein Nebenjob. „Es ist genügend Arbeit da“, sagt der Vermögensberater. „Ihr müsst nur nach rechts und links sehen“. Kurz schneidet der Finanzexperte auch das Thema demografischer Wandel an und zeigt, wie wichtig es ist, dass soziale Systeme funktionieren. „Demografie ist wie ein Döner-Spieß. Die alten Menschen machen den großen Teil oben aus, die jüngeren den dünneren Teil unten.“

Vieles mehr sollen die Jugendlichen an diesem Vormittag noch über Vermögen und Unvermögen erfahren. Für Christoph Wahnemühl stand vor allem die Mobilität im Vordergrund. „Autofahren kostet einfach viel zu viel“, weiß er. Elena Berg möchte wissen, ob es Sinn macht sich schon als Schüler beraten zu lassen. „Informieren ist immer gut“, antwortet Jörg Bauch. „Mir hat der Vortrag heute zu denken gegeben und ich werde mir sicher vieles davon zu Herzen nehmen“, schließt Fenja Hansen den Kreis.

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