Schleswig : Schüler lernen Demokratie

Speed-Dating: Die CDU-Bundestagsabgeordnete Petra Nicolaisen stellte sich gestern den Fragen der Jugendlichen.
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Speed-Dating: Die CDU-Bundestagsabgeordnete Petra Nicolaisen stellte sich gestern den Fragen der Jugendlichen.

Abschluss des Projekts „Demokratie. Verstehen, was uns betrifft“: Schüler ziehen ein durchweg positives Fazit

shz.de von
20. September 2018, 18:32 Uhr

„Politik ist von uns – und für uns.“ So fasste die 17-jährige Nour zusammen, was sie durch das Projekt „Demokratie. Verstehen, was uns betrifft“ gelernt hat. Gestern fand in der Domschule die Abschlussveranstaltung statt, bei der sich Politiker aus Stadt, Kreis und Land den Fragen der Jugendlichen stellten.

Seit April hatten Schüler von Gallberg- und Domschule sowie Berufsbildungszentrum (BBZ) die demokratischen Strukturen von der kommunalen bis zur EU-Ebene kennengelernt. Sie besuchten Schleswigs Bürgermeister Arthur Christiansen, Landrat Wolfgang Buschmann, das Landeshaus und den Bundestag. Das vom Kreis Schleswig-Flensburg initiierte Projekt soll insbesondere jugendlichen Migranten ein demokratisches Grundverständnis vermitteln.

Doch nicht nur die Syrerin Nour, die in einer Diktatur groß geworden und vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen ist, hat viel gelernt. Ihr deutscher Mitschüler Jools (18) beschrieb, ihm sei bewusst geworden, dass „Probleme vielschichtig sind und man sie aus der eigenen Position gar nicht ermessen kann“. Dass in einer Demokratie länger diskutiert werde, ehe eine Entscheidung falle, verstehe er nun viel besser.

„Politiker sind Menschen wie wir, man muss nicht ehrfürchtig sein“, meinte Domschüler Mads. Es sei gut gewesen, dass sie Fragen an die verschiedenen politischen Ebenen richten konnten. Die Antworten seien persönlich auf sie zugeschnitten worden, freute sich Zehntklässlerin Carlotta von der Gallbergschule.

Oft würden Politiker eine Sprache sprechen, von der man 70 Prozent nicht verstehe, meinte der 15-jährige Tom. „Das war hier das komplette Gegenteil. Ich hatte viel Spaß.“ Tom wollte nach eigener Aussage sein politisches Wissen vertiefen, da seine schulische Leistung in dem Bereich schwanke.

„Ich weiß jetzt, wie Politik in Deutschland läuft“, sagte der Afghane Mobin (17) vom BBZ. Einige Mitschüler hätten aber Probleme gehabt, da ihre Deutschkenntnisse nicht gut genug gewesen seien, berichtete er.

Dennoch fiel das Fazit durchweg positiv aus. „Das Projekt ist toll“, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Andreas Hein. Viele Schüler hätten so viele interessante Fragen gestellt, „dass man gar nicht alle beantworten konnte“.

Durch die Zusammenarbeit der drei Schulen sei der einzelne „aus seinem Dunstkreis gekommen“, meinte Jette Waldinger-Thiering, Landtagsabgeordnete vom SSW. Niclas Herbst, CDU-Kandidat für die Europawahl, hatte zudem die Schüler gefragt, was sie in die Politik einbringen würden.

Der direkte Kontakt mit Mandatsträgern trage zur realitätsnahen Demokratie-Erziehung bei, sagte David Werner, Wipo-Lehrer an der Domschule. Ziel sei es, die Jugendlichen zum aktiven politischen Handeln und kritischen Denken anzuregen – als „Immunisierung gegenüber Demagogen und Populisten“.

Bei Jools ist die Botschaft angekommen: „Für die Demokratie muss man sich einsetzen. Angesichts der rechten Bewegungen sieht man, was man verlieren kann.“ Syrer, Iraker und Deutsche hätten an einem Tisch gesessen, sich respektiert und verstanden, betonte Nour: „Es würde mich freuen, wenn das auch in der Gesellschaft funktioniert.“

Koordinator Klaus-Peter Katzer kündigte an, dass das Projekt 2019 mit BBZ, Lornsen- und Bruno-Lorenzen-Schule fortgesetzt werde.

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