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Schleswig : Schreib-Training für die grauen Zellen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Stenografenverein bietet Kurzschrift-Kurse gegen Vergesslichkeit an – die Teilnehmer sind begeistert.

Im Grunde sei es mit dem Gehirn so wie mit dem Rest des Körpers, sagt Gundula Schulz. „Wenn man keinen Sport macht, bilden sich die Muskeln zurück. Und wenn man seinen Kopf nicht anstrengt, lässt das Gedächtnis nach.“ So weit aber soll es nicht kommen. Nicht bei ihr selbst und auch nicht bei ihren Schülern. Deswegen sind auch alle ernsthaft und gewissenhaft bei der Sache, wenn Schulz sie alle zwei Wochen zum Kurs „Steno gegen Vergesslichkeit“ begrüßt.

Das Angebot des Schleswiger Stenografenvereins gibt es bereits seit vielen Jahren, und längst hat sich ein harter Kern von Teilnehmern, allesamt im Rentenalter, gebildet. Viele von ihnen nutzten die Kurzschrift beruflich, andere hatte sie vor Jahrzehnten als Schüler gelernt. Es gibt aber immer wieder auch Neulinge, wie etwa Eva und Andrew Lee. „Ich habe erst vor ein paar Jahren, da war ich schon 75, angefangen. Und mein Mann hat jetzt im Januar mit dem Anfängerkurs begonnen“, sagt Eva Lee, die längst vom Steno-Fieber gepackt wurde. Das gilt auch für ihren Mann, der aus England stammt. „Es macht richtig viel Spaß“, sagt er, „auch wenn man ordentlich üben muss.“

Das allerdings ist der Sinn der Sache. Üben, üben, üben. Nur so könne man Stenografie beherrschen, sagt Gundula Schulz. Und nur so gebe man dem Gehirn Futter. Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass Schreiben in Kurzschrift gut für den Kopf sei. Denn der müsse dabei ordentlich etwas leisten. „Die Verbindung aus Motorik und Denkarbeit ist perfekt dafür“, sagt die Lehrerin, die bei der Generalstaatsanwaltschaft in Schleswig arbeitet und dort täglich stenografiert.

Das hat Renate Strauß auch mal gemacht. Allerdings ist das über 50 Jahre her, wie sie sagt. Seit drei Jahren nimmt sie nun an dem Gedächtnis-Kurs teil und ist bis heute begeistert. „Es hat mich anfangs geschockt, wie viel inzwischen verschüttgegangen ist. Aber es kommt nach und nach zurück“, sagt sie. Auch könne sie sich inzwischen generell wieder besser konzentrieren. „Das sagen auch meine Kinder.“ Dazu trägt nicht nur das Trainieren während der Übungsstunden bei, sondern auch das Erledigen der Hausaufgaben. Und die haben es oft in sich. Lesen, Schreiben, Übersetzen: Von allem ist etwas dabei. „Da wird man ganz schön gefordert“, sagt Renate Strauß, die sich oft mit Eva Lee trifft, um die Hausaufgaben gemeinsam zu machen. Zuletzt sollten sie einen Einkaufszettel komplett in Kurzschrift verfassen.

Dass all das hilft gegen Vergesslichkeit, hat auch Marie-Luise Manke, die genau deshalb vor ein paar Jahren mit Steno angefangen hat, längst an sich entdeckt. „Man muss im Alter etwas für den Kopf tun, und das hier hilft“, sagt sie. Das geht auch ihrer Mitstreiterin Irma Hansen so. Sie sei mit den Jahren etwas schlusig geworden, sagt sie. Die Stenografie helfe ihr aber, dagegen anzukämpfen. „Man muss ständig üben und wiederholen. Das hält das Gedächtnis auf Trab.“ Charlotte Thomsen betont indes einen weiteren Vorteil, den das Kurzschrift-Training mit sich bringt: „Es ist sehr gut für die Feinmotorik, denn man muss sauber schreiben.“ Und Karin Schleiffer, die schon als junge Schülerin Stenografie und Tastschreiben gelernt hat, sagt schlicht und einfach: „Es gibt nichts Besseres für den Kopf.“

Wer das selbst einmal ausprobieren möchte, ist beim Stenografenverein (Tel. 04621/21232) jederzeit willkommen. „Das gilt auch für Anfänger“, sagt Gundula Schulz, die gleichzeitig beruhigt: „Uns geht es nicht um Schnelligkeit, sondern um das sichere und genaue Schreiben. Wer daran Interesse hat, ist hier genau richtig.“

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erstellt am 08.Jun.2017 | 06:45 Uhr

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