zur Navigation springen

Volkskundemuseum : Schrauber wollen nicht nach Molfsee

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Arbeitskreis Historische Technik möchte seinen Vereinssitz auf dem Hesterberg behalten – die Landesmuseen aber haben andere Pläne.

von
erstellt am 24.Mai.2014 | 08:06 Uhr

Der Termin ist ihnen heilig. Deshalb muss man Erwin Bartels, Hans Wiesner und ihren Kollegen donnerstags ab 14 Uhr mit Kaffeeklatsch oder Einkaufsplänen gar nicht erst kommen. Denn dann wird geschraubt, poliert und zur Ölkanne gegriffen. Oder es wird einfach nur gemeinsam gefachsimpelt. Hauptsache, man trifft sich. Auf dem Hesterberg. Im Volkskundemuseum. Dort ist der Arbeitskreis Historische Technik – so lautet der Name des Vereins, in dem sie sich zusammengeschlossen haben – inzwischen seit zwölf Jahren zu Hause. Aber nach der Schließung des Museums und dem bevorstehenden Umzug nach Molfsee heißt es wohl auch für diesen Männer-Club bald Abschied nehmen aus Schleswig.

Glücklich sind die meisten der rund 20 Vereinsmitglieder darüber nicht. Im Gegenteil: „Wir wollen nicht nach Molfsee“, bringt es Hans Koch kurz und bündig auf den Punkt. Die Aussicht auf die weite Anreise an den Kieler Stadtrand, aber auch das Aufgeben lieb gewordener Routine macht den Clubmitgliedern sichtlich zu schaffen. Die meisten der Herren wohnen in Schleswig und den Nachbardörfern, andere kommen sogar aus dem Flensburger Umland. „Wenn wir in Zukunft von hier aus mit zehn Mann jeweils eine Stunde hin und zurück im Auto sitzen, gehen allein 20 Arbeitsstunden verloren. Von den Fahrtkosten ganz zu schweigen“, rechnet Hans Wiesner vor. „Wir machen das ja alles ehrenamtlich“, fügt der 77-jährige ehemalige TÜV-Sachverständige an.

Das wiederum weiß auch Wolfgang Rüther, Direktor des Freilichtmuseums Molfsee. „Uns ist klar, dass nicht alle Vereinsmitglieder zufrieden sind. Wir bemühen uns aber nach Kräften, eine gute Lösung zu finden“, sagt er. Diese wiederum solle auf jeden Fall in Molfsee liegen. Denn dort sei Bedarf. Schließlich seien die Arbeit und das Fachwissen der Männer unverzichtbar für den Erhalt und die Pflege alter Maschinen. Rüther ist sich deshalb der Bedeutung der älteren Herren für den Bestand auch eines künftigen Volkskundemuseums durchaus bewusst – und ist aus diesem Grund auch bereit, etwas zu tun, „was ich gar nicht mehr machen wollte“. Denn eigentlich habe er im Freilichtmuseum keine neuen Häuser mehr aufbauen wollen: Die Unterhaltungskosten seien schon jetzt enorm. Für den Arbeitskreis plant Rüther nun aber, ein Gebäude aus Angeln oder Schwansen aus dem 19. Jahrhundert („Wir haben schon eines im Auge“) neben die bereits in Molfsee stehende Angeliter Meierei zu setzen. „Dort hätte der Verein dann ein ganz neues Forum, könnte sinnvoll und gleichzeitig öffentlichkeitswirksam arbeiten“, sagt der Museums-Chef, der sich auf diesem Wege auch erhofft, neue Mitglieder zu werben.

Clubmitglied Hans Wiesner hat allerdings eine etwas andere Sicht auf die Dinge, „auch wenn ich durchaus zu schätzen weiß, dass uns Herr Rüther wohlgesonnen ist“. Er wisse aber auch, dass die Landesmuseen „heiß sind auf das Know-How von uns alten Schraubern“. Deshalb würde er es begrüßen, wenn in Molfsee eine neue Gruppe entstünde, er und seine Mitstreiter aber weiterhin von Schleswig aus arbeiten könnten. Guntram Turkowski, Leiter des Volkskundemuseums und gleichzeitig Vorsitzender des Arbeitskreises, wiederum hat für solche Ansichten „seiner Jungs“, wie er liebevoll sagt, zwar Verständnis, sagt aber auch: „Wenn die Maschinen in Molfsee sind und der Verein hier, geht das für mich nicht zusammen. Wir können die Maschinen ja nicht immer hin und her transportieren, das wäre zu teuer.“

In den kommenden Wochen nun muss der Verein erst einmal seine langjährige Werkstatt und den Aufenthaltsraum räumen. Sie liegen in einer Baracke, die im Zuge der Umbauarbeiten des Hesterbergs zum Zentralmagazin der Landesmuseen abgerissen wird. Danach können die Männer in einer kleineren Metallwerkstatt weiterarbeiten, auch ihre Maschinenhalle dürfen sie weiter nutzen. Irgendwann aber werden in Schleswig auf absehbare Zeit für den Verein die Lichter ausgehen. „Für die nächsten zwei Jahre sehe ich erst einmal kein Problem“, sagt Turkowski.

Erwin Bartels, mit 86 Jahren das älteste Mitglied, wird definitiv nicht nach Molfsee umziehen. „Das ist nichts mehr für mich.“ Auch Hans Koch und Hans Wiesner sind dann wohl nicht mit von der Partie. „Wir hätten viele Sachen ohne den Einsatz der Männer nicht machen können. Wir können nicht ohne sie, sie aber auch nicht ohne uns“, betont Turkowski. Vielleicht gibt es ja genau deshalb am Ende doch noch eine Lösung, mit der beide Seiten gut leben können.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen