Oldtimer-Treffen in Jübek : Schrauber-Geschichten

Schwelgten gerne in Erinnerungen: Gerhard Lorenzen (links) und Dieter Hinrichsen.
Schwelgten gerne in Erinnerungen: Gerhard Lorenzen (links) und Dieter Hinrichsen.

1000 Oldtimerfreunde trafen sich in Jübek, um ihre Maschinen zu präsentieren und zu fachsimpeln.

shz.de von
19. Juli 2018, 14:00 Uhr

Gerechnet hatte Friedrich Knudsen mit 300 bis 400 Gästen, die sich zum öffentlichen Grillabend der Oldtimerfreunde bei der Gaststätte Goos in Jübek einfinden würden. Am Ende waren es Dienstagabend sogar rund 1000 Besucher, wie der Gebietsrepräsentant des Veteranen-Fahrzeug-Verbandes (VFV) hochzufrieden feststellte.

Sie kamen mit oder ohne historische Fahrzeuge, aber in jedem Fall mit viel Liebe für die alten Weggefährten. „Das ist klasse, wie das hier läuft“, meinte Knudsen, der zwischen all den Fahrzeugen immer wieder Zeit fand für einen kleinen Plausch mit den Besuchern und Teilnehmern der viertägigen „Internationalen Schleswig-Holstein ADAC Country Tour“, die der 69-jährige federführend plante.

Während sich bei bestem Wetter auf den Parkplätzen des Jübeker Hotels immer mehr Oldtimer einfanden, waren sich Gerhard Lorenzen (78) sowie Dieter Hinrichsen (74) beim Anblick der „DKW 500“ schnell einig, dass es zu Jugendzeiten nichts Besseres gab. „Es war das rentabelste und günstigste Motorrad zu der Zeit“, meinte Lorenzen, der als 19-Jähriger das gleiche Modell hatte und gemeinsam mit seinen Freunden zur Arbeit oder auf „Brautschau“ fuhr.

Beeindruckt waren die beiden Friedrichsauer zudem von der Eigenkonstruktion des Kfz-Mechanikers Dieter Jakubzik, der vor zwölf Jahren den Rahmen einer „Moto Guzzi 850GT“ verwendete, um anschließend bei der „NSU 1200TT“ Motor, Getriebe und Schaltwerk entsprechend angepasst einzubauen. „Eine Augenweide“, „Einfach nur schick“ oder „Das ist ein Sahnestück“, fanden zahlreiche Begutachter, die sich immer wieder um das über 400 Kilo schwere, blau-silberne Motorrad mit dem ausgebauten Beiwagen versammelten. Sie wollten bis ins Detail wissen, wie der 82-Jährige es geschafft habe, das 100 PS-starke Zweirad fahrtüchtig aufzubereiten. „Dabei ist die Endgeschwindigkeit noch nicht mal ausgefahren“, betonte der Konstrukteur aus Bad Bramstedt stolz, während er den tiefen sonoren Klang der Maschine über den Platz schallen ließ. Er hält sich mit Rock ’n’ Roll-Musik und Motorradfahren jung.

Sie waren überall zu hören – die „Schrauber-Gespräche“ und Geschichten über die lieb gewonnenen Zwei- und Vierräder. Knudsen begrüßte holländische, österreichische, dänische und norwegische Gleichgesinnte neben Lokalmatadoren wie Paul Brinkmann, der mit seiner „Mammut“, Baujahr 1972 am Ende sogar prämiert wurde. Viele kennen sich aus der Motorradszene auf der Jübeker Sandbahn, haben Preise gewonnen oder knapp verpasst. „Das war ne geile Zeit“, erinnerte sich der 69-Jährige Brinkmann.

Er besitzt eine von den 480 produzierten Ausgaben der „Münch TTS 1200“. „Wieviele davon noch auf der Straße fahren, weiß ich gar nicht“, erzählte der Rallyefahrer. Für sein sehr gut erhaltenes und restauriertes Moped „Zündapp KS50 Sport“, Baujahr 1966, erhielt auch Matthias Speck aus Börm eine Urkunde sowie einen Verzehr-Gutschein.

Doch nicht nur Zweiräder konnten glänzen. Auch Autos waren für die unabhängigen Juroren Herbert Petersen sowie Günther Weilbye heraushebenswert. Erschwinglich und für Familie oder Handwerker geeignet war damals der „Lloyd LP 600 Alexander“. Sonnengelb aus dem Jahre 1957 war er der „Kleinwagen der breiten Masse“. Hans Wolfs (83) Exemplar aus Langstedt war das dritte prämierte Oldtimer-Fahrzeug.

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