FAhrradwerkstatt der Flüchtlingshilfe : Schrauben als Selbsthilfe

Die Fahrradschrauber (v.li.) Alfred Eberling, Ammar Omar, Holger Groth, Ebrahim Achmadi, Morteza Mousawi und Jürgen Hofeldt mit Peter Schröder von der Jugendeinrichtung „Perspektive Zukunft“.
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Die Fahrradschrauber (v.li.) Alfred Eberling, Ammar Omar, Holger Groth, Ebrahim Achmadi, Morteza Mousawi und Jürgen Hofeldt mit Peter Schröder von der Jugendeinrichtung „Perspektive Zukunft“.

Die Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge hat ihre neuen Räume präsentiert – und plant eine Zusammenarbeit mit der Awo.

shz.de von
21. Januar 2018, 08:43 Uhr

Insgesamt drei Wochen dauerten die Umbauarbeiten, seit Anfang Januar wird wieder repariert. Nachdem die Fahrradwerkstatt „Hilfe zur Selbsthilfe“ für Flüchtlinge ihre Räumlichkeiten am Ilensee aufgeben musste, wurde gestern die neue Werkstatt in der Flensburger Straße 74 offiziell eröffnet. „Nach intensiver Suche haben wir die Räume gefunden, und sie sind ideal“, sagt Alfred Ebeling, Vorsitzender des Radsportvereins Schleswig. Die Stadt zahlt die Miete in Höhe von 300 Euro im Monat.

Jürgen Hofeldt, Holger Groth und Alfred Eberling hatten das Projekt 2015 auf Anfrage der Stadt ins Leben gerufen und arbeiten seitdem mit Flüchtlingen zusammen, um alte oder kaputte Fahrräder wieder fahrtauglich und verkehrssicher zu machen. „Bereifung, Beleuchtung und Bremsen sind die häufigsten Arbeiten, mit denen wir es zu tun bekommen“, erklärt Eberling. Sechs Flüchtlinge kommen regelmäßig in die Werkstatt und packen mit an, teilweise arbeiten sie mit zwölf Leuten: „Da schafft man ordentlich was weg.“ Die fertigen Fahrräder werden für Preise um die 15 Euro an Flüchtlinge verkauft. Das Geld deckt ausschließlich die Materialkosten. Die kaputten Fahrräder werden vom Fundbüro, der Abfallwirtschaft Schleswig-Flensburg (ASF), aber auch von Privatleuten gespendet.

Doch in der Werkstatt wird nicht nur gearbeitet. Viel mehr hat sie sich im Laufe der Jahre zu einer Begegnungsstätte entwickelt, hier treffen die Flüchtlinge sich und tauschen Erfahrungen aus. „Einige haben mittlerweile eine Lehrstelle und dienen denjenigen, die noch auf der Suche sind, als Ansprechpartner“, sagt Ebeling. Einige sind schon seit 2015 dabei – sie lernen die Neuen an. Darüber hinaus arbeitet die Fahrradwerkstatt mit Jugendeinrichtungen zusammen, die sich um unbegleitete Jugendliche kümmern.

Langfristig plant die Werkstatt, die preisgünstigen Fahrräder auch für einheimische Familien anzubieten, die wenig Geld zur Verfügung haben. „Die Stadt wird sich langsam zurückziehen, und wir werden in Zukunft mit der Awo zusammenarbeiten“, sagt Eberling. Ende des Jahres soll es losgehen.


> Die Werkstatt in der Flensburger Straße 74 ist montags und donnerstags von 13 bis 17 Uhr geöffnet.

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