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Schleswig : Schoofs will kaputte Straßen sanieren - Bauamt sperrt sich

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Stadt hält Umweltdienste für nicht kompetent genug / Werkausschuss reagiert mit Unverständnis

shz.de von
erstellt am 09.Aug.2013 | 04:59 Uhr

Schleswig | Schlaglöcher und Risse zeichnen das 112 Kilometer lange Schleswiger Straßennetz aus. Umweltdienste-Chef Wolfgang Schoofs wollte gegensteuern. Sein Plan: Innerhalb von sechs Jahren sollten nahezu alle sanierungsbedürftigen Straßen mit einer neuen Asphaltschicht versehen werden. Doch Schoofs wurde vom Bauamt ausgebremst. Leiterin Manja Havenstein hält die Umweltdienste für nicht kompetent genug. Die Zuständigkeiten seien klar geregelt, antwortete Havenstein gestern auf eine SN-Anfrage. Die Umweltdienste seien für die Beseitigung der Winterschäden zuständig. Alle darüber hinausgehenden Straßen-Unterhaltungsmaßnahmen erforderten weitergehendes fachtechnisches Wissen und würden daher vom Bauamt beauftragt und begleitet.

Im Werkausschuss kochte der Konflikt am Mittwochabend hoch. Schoofs machte seinen Unmut über die Haltung des Bauamtes deutlich. Die Mitarbeiter der Umweltdienste hätten sich in die Oberflächensanierung der Straßen hineingekniet, alle Fahrbahnen seien nach dem Schulnotenprinzip bewertet worden, man sei sogar bereit gewesen, entsprechende Straßenbaumaschinen zu kaufen, um zumindest einen Teil der Arbeiten selbst auszuführen - und jetzt spreche man ihnen die Kompetenz ab. Schoofs erläuterte, dass die bisherige Schlagloch-Flickschusterei im Gegensatz zu einer Oberflächensanierung wenig nachhaltig sei. Deswegen wollte man künftig großflächiger sanieren. "Aber ich habe jetzt alles gestoppt. Ich sehe keine Möglichkeit, mit dem Bauamt einen Konsens zu erzielen", sagte er.

Dabei hätte die Strategie der Umweltdienste dem Bauamt die nötige Zeit verschafft, um sich grundsätzliche Gedanken über das Straßennetz zu machen. Aber auch die Umweltdienste hätten profitiert. Sanierte Straßenoberflächen bieten wenig Angriffsflächen für Schnee und Eis. Allein der Kalt-Asphalt für das Verfüllen der Schlaglöcher nach dem letzten Winter hat den städtischen Eigenbetrieb über 50 000 Euro gekostet. Schoofs verwies auf das Beispiel südliche Flensburger Straße. Die Deckschicht der ehemals berüchtigsten Schlaglochpiste der Stadt hatten die Umweltdienste vor fünf Jahren in eigener Regie saniert. Schoofs: "Seitdem haben wir nichts daran machen müssen."

Die Politiker von SPD, CDU und SSW zeigten sich unzufrieden damit, dass das Bauamt bei der Straßensanierung die alleinige Federführung beanspruche. Helge Lehmkuhl (CDU) konnte sich nicht vorstellen, dass die Behörde diese Aufgabe ähnlich souverän wie die Umweltdienste bewältigen könnte: "Frau Havenstein erzählt uns in jeder Sitzung, wie überlastet das Bauamt ist." Die Umweltdienste seien flexibler und schneller: "Ich finde es traurig, dass die Stadt dieses Potenzial nicht nutzt." Harry Heide (SSW) kritisierte, dass das Bauamt in diesem Jahr lediglich die Husumer Straße repariert habe, obwohl die vom Rat bewilligten Gelder über 350 000 Euro für deutlich mehr Straßen reichten.

Bauamtschefin Havenstein betonte gegenüber unserer Zeitung, dass eine nachhaltige Straßenunterhaltung von hoher Bedeutung sei. Für jeden Schadensfall müsse die technisch richtige und wirtschaftlichste Lösung gefunden werden. Die Deckschicht abzufräsen und neu zu asphaltieren, sei nur eine von mehreren Möglichkeiten. Um eine Grundlage für eine seriöse Straßenunterhaltung zu bekommen, benötige man ein von Ingenieuren erarbeitetes Straßenkataster - die von den Umweltdiensten vorgenommene Bewertung reiche nicht aus.

Das Straßenkataster des Bauamtes soll Ende 2014 vorliegen.

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