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Dreister Diebstahl auf dem Friedhof : Schock am Grab der Tochter

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Unbekannte brachen in Moldenit einen Bronze-Teddy aus dem Grabstein eines verstorbenen Mädchens – ein „moralischer Knock-out“ für die Mutter.

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erstellt am 13.Mai.2016 | 07:25 Uhr

Es war der Moment, in dem der ganze Schmerz der vergangenen Jahre Silvia Kaufmann (Name von der Redaktion geändert) wieder mit voller Kraft einholte: Nach den Oster-Feiertagen besuchte die Mutter aus Schaalby das Grab ihrer Kinder auf dem Friedhof Moldenit. Dort ist Solve bestattet, die 1998 im Alter von neun Monaten während einer Operation an einem angeborenen Herzfehler verstarb, und auch Momme. Der kleine Junge kam 2001 tot zur Welt. „Ich weiß selbst nicht genau, wie ich das überleben konnte“, sagt die Mutter einer inzwischen 22 Jahre alten Tochter. „Aber ich dachte, ich hätte das alles zum größten Teil verarbeitet oder zumindest verdrängt.“ Was sie dann aber auf dem Friedhof sah, versetzte ihr einen „moralischen Knock-Out“, wie sie selbst sagt: Von Solves Grabstein hatten Unbekannte einen etwa 25 Zentimeter großen, fest verankerten Messing-Teddy mit Gewalt herausgebrochen.

„Ich war sprachlos und völlig erschüttert“, sagt Silvia Kaufmann, die sofort ihren Mann zur Hilfe holte. Zusammen suchten sie den abgelegenen Friedhof ab – vergeblich. Der Teddy, den die Eltern ihrer Tochter aufs Grab gestellt hatten, weil sie ein ähnliches Kuscheltier besaß, blieb verschwunden. Silvia Kaufmann ist immer noch fassungslos und kann ihre Emotionen kaum zügeln, wenn sie über den Täter und seine Motive nachdenkt: „Da hat jemand meinem Kind den Teddy geklaut. Wer tut so etwas? Und warum?“ Sie selbst hat keine Antworten auf diese Fragen. Sie vermutet lediglich, dass die Figur jemandem gefallen hat – und derjenige sie dann einfach mitgenommen hat.

Die Eltern zeigten den Vorfall bei der Polizei an. Die Beamten sprachen von einem schweren Diebstahl, machten aber wenig Hoffnung, dass die Tat aufgeklärt wird. „Es geht mir gar nicht um den materiellen Wert der kleinen Skulptur“, sagt die Mutter, „und auch nicht darum, dass der Täter bestraft wird. Es geht mir nur um den Teddy, damit ich den Glauben an die Menschheit zurückbekomme.“ Und der ist zurzeit mächtig erschüttert. So sehr, dass sie zurzeit nur noch mit einem Gefühl der Beklemmung an das liebevoll gepflegte Grab ihrer Kinder geht, das für sie so etwas wie das neue Kinderzimmer ist. „Jedes Mal hoffe ich, dass der Teddy wieder da ist. Dass der Täter Gewissensbisse bekommen oder eingesehen hat, was er mir angetan hat. Aber da passiert gar nichts.“

Unterstützung bekommen die Eltern von Pastorin Dörte Boysen. „Wo leben wir eigentlich, wenn das Andenken an verstorbene Kinder so gestört wird? Das ist seelische Grausamkeit an den Eltern“, sagt die Theologin. Sie würde gern als Vermittlerin auftreten und verweist auf ihre Schweigepflicht. „Es gilt das Beichtgeheimnis. Wenn jemand die Figur zurückgeben möchte, kann er sicher sein, dass seine Anonymität gewahrt bleibt. Es ist auch möglich, den Teddy am Pastorat abzustellen“, sagt Boysen, „Hauptsache, er kommt zurück.“ Dem schließt sich Silvia Kaufmann an: „Dann könnte ich vergeben. Jetzt geht das noch nicht.“

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