Umstrittene Wohnanlage am Stadthafen : Schmid-Villa: Schleswig verordnet sich Denkpause

Hinter dem Tor zum Grundstück Plessenstraße 1b wird sich auch in den kommenden Monaten nichts bewegen.
Hinter dem Tor zum Grundstück Plessenstraße 1b wird sich auch in den kommenden Monaten nichts bewegen.

Was passiert mit der Schmid-Villa in Schleswig? Bürger sollen an einem Rahmenplan für das Gelände am Hafen beteiligt werden.

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25. Juni 2015, 12:15 Uhr

„Einfahrt freihalten“ steht handschriftlich auf einem Zettel am großen Gittertor vor der Schmid-Villa in der Plessenstraße. Dass tatsächlich ein Auto auf das Grundstück fährt, das in diesem Winter die Stadt in Atem hielt, kommt selten vor. Aber man weiß ja nie.

Das Haus gehört nach wie vor den Stadtwerken. Aber dass der städtische Energieversorger es – wie geplant – demnächst an den Busdorfer Investor Uwe Hahn verkauft und die Villa einer mehrstöckigen Wohnanlage weicht, das wird immer unwahrscheinlicher.

Hinter dem Tor zum Grundstück Plessenstraße 1b wird sich auch in den kommenden Monaten nichts bewegen.
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Hinter dem Tor zum Grundstück Plessenstraße 1b wird sich auch in den kommenden Monaten nichts bewegen.

In dieser Woche hat sich der Bauausschuss mit dem Thema beschäftigt – und sich erst einmal bis nach den Sommerferien vertagt. Von dem ursprünglichen Vorhaben, noch in diesem Halbjahr einen neuen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan zu fassen, sprach niemand mehr. Das neue Stichwort heißt nun „Rahmenplan“.

Unterschiedliche Vorstellungen gibt es allerdings noch davon, was unter diesem Stichwort zu verstehen ist. Bauamtsleiterin Britta Gutknecht regte an, ein Nutzungskonzept für das gesamte Areal von den Königswiesen bis zum Stadthafen zu entwickeln. Der Bauausschuss-Vorsitzende Klaus Bosholm (SPD) empfand dies als eine Nummer zu groß. Er wollte sich lieber auf das Grundstück der seit Jahren leer stehenden Villa beschränken. Einig waren sich beide, dass die Bürger an der Ausgestaltung des Plans in irgendeiner Form beteiligt werden sollen.

Die Eindrücke von der Einwohnerversammlung Ende Mai waren bei den Ausschuss-Mitgliedern offensichtlich noch sehr präsent. Auf der Veranstaltung in der A.P.-Møller-Schule war die Idee eines Rahmensplans bereits diskutiert worden – und die Teilnehmer hatten sich mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen. In einem solchen Plan legt die Stadt Entwicklungsmöglichkeiten für ein begrenztes Gebiet in groben Zügen fest.

Gutknecht erinnerte nun daran, dass bereits einen Rahmenplan für das Hafengebiet existiert. Er stammt aus dem Jahr 1994. Und weil praktisch niemand mehr ihn kennt, versprach Bürgermeister Arthur Christiansen, ihn demnächst auf den Internetseiten der Stadt Schleswig zu veröffentlichen. Bis zur nächsten Bauausschuss-Sitzung im September haben dann Kommunalpolitiker und interessierte Bürger die Möglichkeit, ihn sich anzuschauen und sich zu überlegen, ob er Grundlage sein könnte für einen neuen Rahmenplan. Erst dann wird entschieden, wie es weitergeht. „Das heißt natürlich, wir verlieren Zeit“, sagte Christiansen. Ihm sei es aber wichtig, nach dem erfolgreichen Bürgerbegehren gegen die Pläne für eine Wohnanlage die Bürgerbeteiligung auf eine solide Basis zu stellen, „damit nicht der Eindruck entsteht, wir würden bloß irgendein Gefälligkeits-Tüdelüt veranstalten“.

Momme Thiesen (CDU) stellte die Frage in den Raum, ob es aktuell überhaupt noch Investoren gebe, die sich für das Grundstück der Schmid-Villa interessieren. Dem entgegnete Bosholm: „Wir machen den Rahmenplan unabhängig von Investoren-Interessen. Erst wenn wir selber wissen, was wir uns für dieses Grundstück vorstellen können, stellt sich die Frage, ob es jemanden gibt, der das umsetzen möchte.“ Genau diesen städteplanerischen Mut zum eigenen Gestaltungswillen hatten drei auswärtige Architekten angemahnt, die als Experten zur Einwohnerversammlung im Mai eingeladen waren.

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