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Spielzeug-Händler in Schleswig : Schluss mit lustig bei „Spiel und Spaß“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Online-Shopping als übermächtige Konkurrenz: Zum Jahresende gibt Wolfgang Tries sein Spielzeug-Geschäft in Schleswig auf. Der Räumungsverkauf beginnt.

Schwarz und Gelb: Seit heute hängen die Banner mit diesen Signalfarben an der Fassade von „Spiel und Spaß Tries“ in der Königstraße 13 in Schleswig. Sie kündigen an, dass der Unternehmer Wolfgang Tries sein Einzelhandelsgeschäft, 2007 eröffnet und mittlerweile eines der größten dieser Branche im Lande, zum Ende des Jahres aufgibt. „Räumungsverkauf“ heißt jetzt die Devise, am Donnerstag beginnt die Schlussrunde mit Rabatten von 20 Prozent auch auf bereits reduzierte Ware.

Geschäftsaufgaben gibt es in der Schleswiger Innenstadt viele, zu viele. Doch dieser Rückzug ist spektakulär. Und das gleich auf mehrfache Weise. Spektakulär, weil kaum jemand bis dahin geahnt hat, was jetzt vollzogen wird. Tries ist es gelungen, seine Planung für sich zu behalten. Erst in dieser Woche wurden die Mitarbeiter von ihrem Chef informiert.

Spektakulär ist aber auch die Form des Rückzugs. Denn „Spiel und Spaß“ hat keine Pleite, keine Insolvenz, hingelegt. Auch haben die Banken, die das Geschäft von Tries begleitet haben, nicht etwa „den Hahn zugedreht“. Tries selber ist vielmehr – seit dem Sommer dieses Jahres – zu der Überzeugung gelangt: „Ich kann nicht erkennen, dass ich nicht weiteres Geld verliere, wenn ich weiter mache.“

Seine Entscheidung, daraufhin den Laden zu schließen, bezeichnet er als „originär unternehmerisch“. Denn zu der Verantwortung eines Unternehmers gehöre auch, „den Markt sorgfältig abzuprüfen, die Risiken abzuwägen und, falls diese zu hoch sind, schmerzliche Konsequenzen zu ziehen“.

Mit dem Aus für „Spiel und Spaß“ reflektiert er einen Wandel, dem der Einzelhandel ganz generell immer stärker ausgesetzt ist. Stichwort ist die Konkurrenz durch den zunehmenden Online-Einkauf der Kunden. Amazon heißt der übermächtige Gegner vieler ambitionierter Einzelhändler. Im Internet kann man 24 Stunden lang shoppen, man erhält die Ware ins Haus geliefert und manchmal ist auch der Preis günstiger. Dass der Käufer bei Tries sachverständig beraten wurde und man die Ware in Augenschein nehmen konnte, war dagegen „nicht ausschlaggebend“.

Tries selber hatte versucht, mit einem eigenen Portal gegenzuhalten. Doch, so seine Erkenntnis, „damit waren wir wohl zu spät dran“. Zudem, das ist allgemein bekannt, bleiben Verkäufe über das Netz ja nicht unbeobachtet; bei entsprechender Nachfrage kann Amazon mit Bordmitteln reagieren – ein Zirkel, der kaum zu durchbrechen ist.

Hinzukommt ein Problem, dem man sich ebenfalls nicht entziehen kann: Der Markt mit Artikeln für Kinder schrumpft, seit die demografische Entwicklung Fahrt aufgenommen hat und immer weniger Kinder geboren werden. Auch diesen Trend hat der Spielwarenhändler zu spüren bekommen. „Ich habe dagegen gekämpft“, sagt Tries ohne Wehmut, „aber leider ohne Erfolg“.

Noch im letzten Jahr hatten die Zeichen bei ihm sogar auf Expansion gestanden. Im zweiten Halbjahr 2012 eröffnete er in Wennigstedt auf Sylt und in Risum-Lindholm kleinere Läden mit einem spezifischen Sortiment. Er wollte „den Markt abklopfen“. Doch das ging gründlich schief. Sylt jedenfalls hat „eine sehr spezielle Nachfragesituation“ und im übrigen auch „ganze Zeiten ohne Geschäft“. Da konnte der Schleswiger Unternehmer nicht gegenhalten.

Inzwischen ist dieses nicht unmutige Abenteuer schon fast vergessen. Das Ende in der Königstraße will gemanagt werden. Das ist betrüblich. Trotzdem muss man sich Wolfgang Tries auch als erleichtert wirkenden Menschen vorstellen. Bald schon: Kein frühes Aufstehen mehr, weniger Verantwortung und eine Neusortierung der beruflichen Interessen. Tries ist „offen“ für Angebote im Angestelltendasein, schließt aber auch eine unternehmerische Tätigkeit nicht aus. Er selber dürfte einstweilen in Schleswig wohnen bleiben. Die Immobilie in der Königstraße wird „verkauft oder vermietet“. Darüber „gibt es derzeit Gespräche“.

Eine Sorge allerdings treibt ihn um: Wie wird es mit den rund 15 Angestellten (darunter vier Auszubildende) weitergehen? „Natürlich waren die ziemlich bestürzt“, als ihr Chef ihnen kürzlich die finale Mitteilung machte. Die Azubis sieht er bereits auf gutem Weg in neue Hände. Und um die Vermittlung der anderen Mitarbeiter kümmert er sich persönlich. Bis Ende Dezember ist ihr Geld jedenfalls sicher.

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erstellt am 16.Okt.2013 | 15:00 Uhr

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