Rekonstruktion im Jahr 2007 : Schloss Gottorf feiert zehn Jahre Barock-Garten

Der historische Terrassengarten aus der Luft.
Der historische Terrassengarten aus der Luft.

Am Freitag können sich Besucher des Barockgartens in Tänzen der damaligen Zeit versuchen oder durch die Anlage Lustwandeln.

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07. September 2017, 12:22 Uhr

Schleswig | Jahrhunderte lang lag der Barockgarten von Schloss Gottorf im Dornröschenschlaf: Vergessen, verwildert, von den Preußen als Reitplatz genutzt. 2007 wurde die Rekonstruktion eines der ältesten Barockgärten in Deutschland fertiggestellt. Ein zentrales Element ist das neue Haus mit dem nachgebauten, begehbaren Riesen-Globus. Zum zehnjährigen Jubiläum veranstaltet die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen am Freitag ein großes Gartenfest mit Musik, Steckenpferderennen und barocken Tänzen.

Wenige Tage vor der Jubiläumsfest wird noch überall gewerkelt. Gärtner gehen die Hecken entlang, säubern die Wasserspiele. In der Saison sind sechs Gärtner damit beschäftigt, den Garten in Schuss zu halten. Und jetzt, zum großen Gartenfest am Freitag, soll alles besonders prächtig und akkurat aussehen. Die Hinterlassenschaft eines Vogels auf einer Skulptur muss noch weg, findet die Direktorin des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte, Kirsten Baumann. Das kleine Häufchen eines Igels auf einem weiteren Kunstwerk ebenfalls.

Terrassen des Gartens.
dpa
Terrassen des Gartens.
 

Baumann steht gemeinsam mit dem Leiter des Barockgartens, Ulrich Schneider, auf einer der unteren Terrassen des Gartens und begutachtet, was hier in den vergangenen Jahren entstanden ist. Vollendet ist der Park noch nicht. „Wir stehen am Anfang der künstlerischen Erweiterung“, sagte Baumann.

Vor zwei Jahren wurde ein Ideenwettbewerb für die Weiterentwicklung ausgelobt, gewonnen hat ihn der Hamburger Joachim Jacob. Jetzt wird der Garten peu à peu mit Skulpturen ergänzt. Es soll kein klassisches barockes Programm sein, sondern etwas zeitgemäßes.

Also steht im Garten jetzt eine moderne, zweiteilige Variante einer Sonnenuhr und Skulpturen, die nur entfernt an menschliche Figuren erinnern. Weitere Skulpturen sollen in den kommenden Jahren folgen, auch ein adäquater Abschlusspunkt am Ende der obersten Terrasse soll irgendwann kommen, so der Wunsch Schneiders und Baumanns.

Der über mehrere Terrassen angelegte Barockgarten mit zahlreichen Heckenornamenten und -einfriedungen erlebte seine größte Prachtentfaltung Ende des 17. Jahrhunderts. Herzog Friedrich III. ließ ab 1637 den Garten anlegen, der im Laufe der nächsten Jahrzehnte mit Pavillons, Lusthäusern und weiteren Terrassen immer mehr ausgebaut wurde. Schneider gerät fast etwas ins Schwärmen, wenn er vom Garten erzählt, wie er in der Zeit des 30-Jährigen Krieges erschaffen wird. In einer Zeit, wo anderswo Parks und Gärten zerstört werden.

Das Luftbild zeigt einen Teil des Barockgartens am Schloss Gottorf in Schleswig.
dpa
Das Luftbild zeigt einen Teil des Barockgartens am Schloss Gottorf in Schleswig.
 

Die Pflanzenvielfalt dieses noch kleinen Gartens sei bereits Mitte des 17. Jahrhundert bekannt gewesen, sagte Schneider. Herzog Christian Albrecht (1659 bis 1694) lässt die Anlage bis 1694 nach Norden hin erweitern. Schon vor dessen Vollendung kurz vor 1700 gilt das „Neue Werk“, so der Name, als einer der bedeutendsten Gärten Nordeuropas. Mitte des 17. Jahrhunderts entsteht im „Neuen Werk“ ein Lusthaus, in dem der begehbare Gottorfer Globus Platz findet.

Wenige Jahre später wird die Blütezeit des Gartens jäh beendet. Nach der Niederlage der Gottorfer in den Auseinandersetzungen mit der dänischen Krone wurde der berühmte Globus im Jahr 1713 dem russischen Zaren geschenkt und nach St. Petersburg abtransportiert. Danach erlosch Gottorfs Glanz und der Niedergang des Gartens begann.

Umliegende Häuser werden abgerissen und der bereits weitgehend zerstörte Garten wird zu einem öffentlichen Park. 1864 übernimmt das Preußische Militär die Schlossinsel und ebnet den Garten zu einem Reitplatz ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Areal aufgeforstet worden, vom Garten blieben nur noch Terrassenstufen übrig - bis der zerstörte Garten seit 2001 für mehrere Millionen Euro rekonstruiert wurde.

Grundlage hierfür waren Erkenntnisse archäologischer Grabungen und historische Dokumente aus dem frühen 18. Jahrhundert. Für die Rekonstruktion konnten sogar einige der ursprünglichen und erhaltenen Pflanzen herangezogen werden. Trotz 350 Jahren ohne Pflege hatten sich auf dem Gelände rund 20 Arten erhalten.

Andere Pflanzen sind da nicht ganz so widerstandsfähig. Einige Jahre nach der Eröffnung des wiederaufgebauten Gartens befiel der Pilz Cylindrocladium buxicola die Buchshecken, die eine Binnengliederung des Schlossgartens darstellen. Die Gärtner experimentierten mit verschiedenen Ersatzpflanzen - seit einiger Zeit stellen sich erste Erfolge ein. Dennoch lautet ein Motto für die kommenden zehn Jahre „Weitersuchen“, sagten Schneider und Baumann. Nach passenden Skulpturen und Buchsersatz.

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