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Schiedsmann Herbert Hetebrüg : Schlichter zwischen Zaun und Hecke

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der 76-jährige Herbert Hetebrüg aus Treia kümmert sich als ehrenamtlicher Schiedsmann um Nachbarschaftsstreitigkeiten

shz.de von
erstellt am 10.Jan.2016 | 08:27 Uhr

Dass ihm sein Amt Spaß machen würde – nein, das kann Herbert Hetebrüg nicht behaupten. Aber interessant sei es und „man stellt auch fest, wie tief menschliche Abgründe sind und worüber gestritten wird, was man mit einem Lächeln lösen könnte“, sagt er. Der 76-jährige Rentner aus Treia ist seit 2007 als ehrenamtlicher Schiedsmann im Amt Arensharde tätig.

Ebenso wie seine kreisweit 40 Kollegen versucht er, Streitereien unter Nachbarn zu schlichten. In solchen Fällen gebe es kein öffentliches Interesse und dann seien nicht zuerst teure Rechtsanwälte und Gerichte, sondern das Schiedsamt am Wohnort des Beschuldigten die richtige Anlaufstelle, betont er. An einem neutralen Ort versucht er dann, mit beiden Konfliktparteien eine einvernehmliche Lösung zu finden. Denn der Grundsatz der Schiedsleute lautet: „Schlichten statt richten.“ Letzteres dürfe er auch gar nicht, ergänzt Herbert Hetebrüg. Das ist den Gerichten überlassen – dann, wenn die Schlichtung erfolglos war.

Der Diplom-Ingenieur für Schiffsbetriebs- und Schweißtechnik ist eher aus Zufall zu dem Amt gekommen, „beworben habe ich mich nicht“. So habe im Jahr 2006 der damalige Bürgermeister von Treia, Carsten Görrissen, den Posten des stellvertretenden Schiedsmanns an ihn herangetragen. Schließlich gab Hetebrüg sein „Okay“, sagt aber auch: „Von Juristerei hatte ich keine Ahnung – außer im internationalen Seerecht, das hatte ich zwei Semester lang.“ Wenig später wurde er von den Bürgermeistern und Fraktionsvorsitzenden der neun Amtsgemeinden zunächst für fünf Jahre gewählt sowie 2007 im Amtsgericht Schleswig vereidigt, dem er unterstellt ist – seit 2013 als Hauptschiedsmann. Dementsprechend nennt er Amtsrichter Jörg Smoydzin auch „meinen Erziehungsberechtigten“. Dieser bestimmt, ob der Schiedsmann im Falle einer Gerichtsverhandlung als Zeuge aussagen darf. „Das ist mir bisher aber noch nicht passiert“, so Hetebrüg.

Das fehlende juristische Fachwissen hat er sich übrigens längst angeeignet. So besuchte er Seminare über Mediation, Nachbarrecht sowie Straf- und Zivilrecht, zudem habe er sich durch das Bürgerliche Gesetzbuch und die Schiedsordnung durchgeackert. „Anfangs war das ein riesiger Berg“, meint er, „heute ist es mein Handwerkszeug“. Am schlimmsten seien die Verwaltungsvorschriften. Darin sei etwa festgelegt, dass er ein Kassenbuch führen muss. Bis zu 110 Euro könne er für seine Leistung verlangen – „aber es ist ein Ehrenamt und ich will nur so viel haben, wie ich ausgebe“, betont der Rentner. Zudem muss er über jeden Fall Protokoll führen. Die Anzahl der Konflikte schwankt – letztes Jahr hat er fünf Fälle erfolgreich geschlichtet, 2014 immerhin neun von zehn.

Oft gehe es dabei um zu hohe Hecken und Zäune oder Lärmbelästigung. Hierbei bleiben Kuriositäten nicht aus, erinnert sich der 76-Jährige an einen Fall aus der Vorweihnachtszeit, wo es zwischen zwei Nachbarn erst zum Streit und daraufhin zum Schlichtungsgespräch gekommen war. „Beide hatten ihre Anwälte mitgeschickt“, sagt er. Streitpunkt war ein Zaun, den der Beklagte angeblich widerrechtlich auf dem Nachbargrundstück errichtet hatte. Bei einer Ortsbegehung stellte sich dann aber heraus: Der Zaun existierte gar nicht. Auf die Frage der Anwälte, was nun zu tun sei, habe er nur „Frohe Weihnachten“ gewünscht, erinnert sich Herbert Hetebrüg und schmunzelt.

Andere Konflikte dagegen lösen sich nicht so einfach in Luft auf. Dann seien mitunter auch mal deutliche Worte nötig, meint er. So wie bei zwei Nachbarn, die sich über eine zu hohe Hecke stritten. Als man sich schließlich mithilfe des Schiedsmannes auf eine Höhe geeinigt hatte, kam wenig später erneut ein Anruf. „Die Tochter der Klägerin erklärte mir, die Hecke sei zwei Zentimeter zu hoch“, sagt Hetebrüg. Was er daraufhin gemacht habe? „Ich habe gesagt, dass sie weiter dagegen angehen könne, damit aber nirgendwo Erfolg haben werde.“ Danach habe er nie wieder von dem Fall gehört.

Überzeugungskraft gehört zu seiner Arbeit ebenso wie Einfühlungsvermögen. „Als Schiedsmann sollte man meiner persönlichen Meinung nach etwas von Juristerei verstehen“ – aber eben niemals richten. Wenn man die Arbeit richtig machen wolle, sei sie zeitaufwendig – aber er gebe seine Zeit dafür gerne her. Und wenn Herbert Hetebrüg geistig fit und gesund bleibt, will er noch einige Jahre Schiedsmann bleiben.

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