Einwohnerversammlung in Schleswig : Schleswigs Schmid-Villa: Alles auf Anfang

Die leer stehende Schmid-Villa am Stadthafen.
Die leer stehende Schmid-Villa am Stadthafen.

Auf der Einwohnerversammlung üben Fachleute deutliche Kritik an den bisherigen Plänen. SPD und CDU: „Wir müssen Abend erst einmal sacken lassen.“

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23. Mai 2015, 08:09 Uhr

Volker Zahn hatte sich auf tumultartige Szenen eingestellt. Der frühere Lübecker Bausenator war nicht zum ersten Mal von der Stadt Schleswig als Moderator für eine Einwohnerversammlung engagiert worden. Diesmal ging es um die seit Monaten heiß diskutierten Wohnblocks auf dem Grundstück der Schmid-Villa am Stadthafen. Und Zahn erinnerte sich noch gut daran, wie er vor drei Jahren zwischen rund 80 Bewohnern des Neubaugebiets am Berender Redder stand und die Emotionen hochkochten.

Mit 250 Bürgern im Rücken: Bauamtsleiterin Britta Gutknecht, Bürgermeister Arthur Christiansen, Bürgervorsteher Eckhard Haeger (v.li.).
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Mit 250 Bürgern im Rücken: Bauamtsleiterin Britta Gutknecht, Bürgermeister Arthur Christiansen, Bürgervorsteher Eckhard Haeger (v.li.).

Am Donnerstagabend im Foyer der A.P.-Møller-Schule hatte er es mit rund dreimal so vielen Teilnehmern zu tun, aber die Atmosphäre blieb über drei Stunden ausgesprochen sachlich. Dabei war es, wie Bürgermeister Arthur Christiansen am Ende zusammenfasste, ein „denkwürdiger Abend“. Nach dieser Einwohnerversammlung erscheint es mehr als fraglich, ob die Ratsversammlung – wie geplant – in den kommenden Wochen einen neuen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan fassen wird. „Man hat uns deutlich zu verstehen gegeben, dass wir nicht gut gearbeitet haben“, sagte Christiansen und fügte hinzu: „Gut Ding will Weile haben.“ Für das Schmid-Villa-Grundstück dürfte das heißen: Alles auf Anfang.

Im ersten Teil der Versammlung hatten drei renommierte Stadtplaner und Architekten einen Blick auf die bisherigen Pläne geworfen. Sie alle hatten keine engen Verbindungen nach Schleswig: Gregor Sunder-Plassmann aus Kappeln sowie Marie Zastrow und Jan O. Schulz aus Kiel. Sie formulierten ihre Urteile zunächst zurückhaltend und diplomatisch, wurden auf Nachfragen der Bürger dann aber immer deutlicher – allen voran Marie Zastrow: „Ich kann keinen der Entwürfe guten Gewissens empfehlen. Ich warne davor, etwas schnell zu bauen, nur weil irgendwer es durchboxen will.“ Sie nahm aber auch die beiden Architekten in Schutz, die die beiden Entwürfe vorgelegt hatten. Die Vorgaben, eine große Wohnanlage auf engem Raum zu planen, seien sehr einengend gewesen. So sah es auch Sunder-Plassmann: „Ich würde den Verfassern mehr Freiheit geben“, meinte er und schlug vor, einen Teil des Wohnmobilstellplatzes am Stadthafen mit zu überplanen. Das, so meinte er, würde mehr Möglichkeiten eröffnen, die Bebauung harmonisch in das Stadtbild einzufügen.

Überhaupt der Wohnmobil-Stellplatz. Dass jetzt überhaupt über das Grundstück der Schmid-Villa gestritten wird, hat viel mit ihm zu tun. Die Stadtwerke hatten das Villengrundstück Ende 2012 für 2,35 Millionen Euro gekauft, weil sie nur im Paket mit ihm an die benachbarte Fläche an der Schlei gelangen konnten, auf dem jetzt die Wohnmobile stehen. Aus städtebaulicher Sicht fanden alle drei Architekten den Platz am Hafen für Wohnmobile eher weniger geeignet.

Als anschließend die Einwohner selbst zu Wort kamen, fasste es Hartmut Volz, ein Neubürger von der Freiheit, zusammen: „Was wir gehört haben, war eine schallende Ohrfeige für die Kommunalpolitik. Eigentlich müsste die Konsequenz sein: Alles zurück auf Null.“

Ob es so kommen wird? Da wollten sich weder der Bauausschuss-Vorsitzende Klaus Bosholm (SPD) noch der CDU-Ortsvorsitzende Helge Lehmkuhl festlegen. Man müsse die neuen Erkenntnisse „erst einmal sacken lassen“, meinten sie übereinstimmend. An der Diskussion hatten sich die Ratsmitglieder nicht beteiligt. So war es vorher vereinbart, und ihre Zurückhaltung dürfte einen Teil zur ruhigen Stimmung beigetragen haben. Bosholm hatte lediglich ein Eingangs-Statement abgegeben. Darin ließ er erkennen, dass er selbst keineswegs überzeugt ist von den Plänen, die bisher auf dem Tisch liegen. Vor dem Beschluss der Ratsversammlung sei „ein relativ großer Druck entfaltet worden“. Von wem dieser Druck kam, sagte er nicht, aber manche Augen blickten in dem Moment auf Stadtwerke-Chef Wolfgang Schoofs, der das Geschehen aus einer der hinteren Sitzreihen verfolgte. Er äußerte sich ebenso wenig wie der Busdorfer Investor Uwe Hahn, der die Pläne für eine Wohnanlage verwirklichen möchte.

Die Einwohnerversammlung verabschiedete am Ende mit großer Mehrheit eine Empfehlung an die Ratsversammlung, gemeinsam mit externen Experten und umfassender Bürgerbeteiligung einen Rahmenplan für die Entwicklung des umstrittenen Grundstücks aufzustellen. Der Antrag kam von den Initiatoren des Bürgerbegehrens, das die Planungen gestoppt hatte und den Anstoß zu der Einwohnerversammlung gegeben hatte. Sie fühlten sich nach dem Abend bestätigt. Das gilt indes nicht uneingeschränkt auch für diejenigen, die für den Erhalt der leer stehenden Schmid-Villa kämpfen. Diese Villa, meinten die Experten auf dem Podium, füge sich ebenso wenig ins Stadtbild ein wie die geplante Wohnanlage.

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