zur Navigation springen
Schleswiger Nachrichten

17. August 2017 | 21:28 Uhr

Ahmadiyya-Gemeinde : Schleswigs neue Moschee

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Am Tag der offenen Moschee öffnete die Ahmadiyya-Gemeinde am Husumer Baum ihre Gebetsräume für Besucher. Auch die türkisch-islamische Gemeinde beteiligte sich.

„Liebe für alle, Hass für keinen“ – so steht es über der Tür im Husumer Baum, die in das neue Gebetszentrum der Gemeinde von Ahmadiyya Muslim Jamaat führt. Dass diese Tür gestern nicht nur geschmückt, sondern zudem weit offen stand, lag daran, dass die islamische Reformgemeinde ihr Gebetshaus am „Tag der offenen Moschee“ neu eröffnete. Seit 1997 gewähren die islamischen Religionsgemeinschaften jeweils am 3. Oktober einen Blick in ihre Moscheen. Neben dem türkisch-islamischen Kulturverein beteiligte sich in Schleswig erstmals die Ahmadiyya-Gemeinde an der Aktion.

Die gut 80 Ahmadiyya-Mitglieder wohnen in Schleswig, Jagel, Kappeln oder auch Flensburg und sind erst vor zwei Monaten in die neuen Räume gezogen. „Vorher hatten wir einen Raum in der Bugenhagenschule“, erklärte Tahir Chaudhry, der die Besucher gestern strumpfsockig an der Tür begrüßte. Gleich hinter dem Eingang hieß es auch für die Gäste: Schuhe aus. Viele unter ihnen kannten das neue Zentrum noch gar nicht. „Ich habe das in der Zeitung gesehen und wollte nur mal kurz vorbeischauen“, meinte Anne El Naggar, die dann aber mit den Frauen bei Themen wie Bildung und gegenseitige Toleranz eifrig diskutierte: „Es war so interessant.“ Während ihr der türkisch-islamische Kulturverein bekannt sei, „kenne ich diese Gemeinde nicht so gut“.

Dabei gehören der 1889 von Hadhrat Mirza Ghulam Ahmadd begründeten islamischen Reformbewegung weltweit 60 Millionen Gläubige an – 35 000 davon leben in Deutschland. Hier sind sie als Körperschaft des öffentlichen Rechts mit christlichen und jüdischen Gemeinden gleichgestellt. Da ihr Begründer jedoch beanspruchte, der vom Heiligen Propheten Muhammad vorausgesagte Messias und Mahdi zu sein, ist die Glaubensgemeinschaft in konservativen Ländern verboten. „In Pakistan dürfen sie nicht wählen, und die Pilgerfahrt nach Mekka in Saudi-Arabien ist nicht möglich“, erklärt Chaudhry. Das habe weniger religiöse, sondern politische Gründe: „Wir legen viel Wert auf Bildung – und als wir viele hohe Posten in Pakistan besetzt haben, fing die Diskriminierung an.“

So wie die heutigen Gebetsräume der Ahmadiyya-Gemeinde einst eine andere Verwendung hatten, ist auch die Moschee des türkisch-islamischen Kulturvereins in den Räumen einer einstigen Tischlerei untergebracht. Und das schon seit 1987. Die ursprüngliche Nutzung sieht man der Moschee allerdings nicht mehr an, denn dank seiner perfekten Ausrichtung nach Mekka und eingebauter Gebetsnische sowie Kanzel ist der Raum gut als Gebetsraum geeignet – nur das Minarett fehlt.

Der tägliche Gebetsruf dagegen nicht. „Vor 15 Jahren erhielten wir in Schleswig die bundesweit erste Erlaubnis, den Gebetsruf rausgeben zu dürfen. Die Akzeptanz ist groß“, so Mustafa Kayar vom Vorstand der Gemeinde. Aus Rücksicht auf die Anwohner verzichte man frühmorgens und spätabends auf den Ruf: „Wir sind für das Miteinander und wollen keine Spannungen.“ Das klappt so gut, dass sie darauf angesprochen werden, wenn der Ruf mal nicht erschallt – dann war es meist ein technisches Problem. Allerdings melden sich auch Stimmen, wenn der Ruf besonders laut ist: „Das waren dann die Kinder“, meinte er lachend.

 

 

 

zur Startseite

von
erstellt am 04.Okt.2014 | 11:31 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen