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Jugendherberge : Schleswigs heimliche Gäste-Hochburg

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Rund 13 000 Übernachtungen zählt die Jugendherberge jährlich. Zurzeit herrscht Hochbetrieb in der Einrichtung an der Spielkoppel .

von
erstellt am 18.Jun.2015 | 07:59 Uhr

In der öffentlichen Wahrnehmung der Stadt führt die Jugendherberge nur ein Schattendasein. Als Werbeträger für Schleswig und die Schleiregion ist sie jedoch ein echtes Schwergewicht. Denn mit 13  000 Übernachtungen jährlich bietet sie so vielen Gästen ein Dach über dem Kopf wie sonst nur die wenigen großen Hotels. Und damit nicht genug: Denn dadurch, dass rund 50 Prozent der Jugendherbergs-Besucher Schulklassen sind, sorgen diese wiederum dafür, dass auch die nahegelegenen Kultureinrichtungen – insbesondere das Wikinger-Museum und Schloss Gottorf – von ihnen profitieren. „Die jungen Leute wollen und sollen ja was erleben. Und das kann man in Schleswig sehr gut“, sagt Edda Delfs.

Die 57-Jährige leitet seit elf Jahren die Herberge, die oberhalb der Stadt gegenüber der Bruno-Lorenzen-Schule in einem alten Backsteinbau aus den 30er Jahren thront. Zuvor war Delfs vier Jahre lang Leiterin der Rendsburger Jugendherberge – bis diese geschlossen wurde. Das kulturelle Angebot sei in der Kanalstadt einfach deutlich geringer als in Schleswig. „Deswegen war auch die Nachfrage nach Klassenfahrten entsprechend geringer.“

Hier, unweit der Schlei, ist das anders, berichtet sie. Neben Schulklassen, die vorwiegend aus Norddeutschland und Dänemark kommen, zieht es immer wieder auch Gruppen aus Sportvereinen in die Einrichtung, die in 32 Zimmern insgesamt 123 Betten vorhält. „Wir haben viele Wiederholungstäter unter unseren Gästen, die öfter kommen. Ich denke, das ist ein gutes Zeichen für unser Haus und unsere Arbeit“, sagt Edda Delfs, die von sieben Mitarbeitern unterstützt wird.

Dass sie mit dieser Einschätzung nicht ganz falsch liegt, bestätigt Jörg Wolters. Er war bereits im vergangenen Jahr mit einer Schulklasse in der Jugendherberge zu Gast und reiste nun gestern gemeinsam mit seiner Kollegin Elke Herzberg und den Viertklässlern der Grundschule Ratekau erneut an. „In Schleswig gibt es viel zu entdecken, das Haus ist nett, die Leitung und Mitarbeiter auch. Was will man mehr?“ meint Wolters, auf dessen Besichtigungs-Zettel für die nächsten Tage natürlich auch Gottorf und Haithabu stehen.

Für diejenigen, die zum ersten Mal in Schleswig sind, hat Edda Delfs verschiedene Programme zusammengestellt, um Stadt und Umland kennen zu lernen. Zudem hat sich ihre Tochter Loreen vor einigen Jahren eine Stadtrallye mit vielen Stationen und Fragen ausgedacht, die nicht nur bei den Kindern gut ankommt, wie ihre Mutter erzählt. Und dann gibt es noch eine Verbindung zwischen der Schleswiger Jugendherberge und ihrer Tochter. Denn die hat, als sie vor einigen Jahren in den Semesterferien als Aushilfe in der Einrichtung mitgearbeitet hat, hier einen holländischen Gast kennen gelernt – den sie nächste Woche heiraten wird.

Gäste aus aller Herren Länder seien übrigens keine Seltenheit in ihrem Hause, sagt Edda Delfs, die von Briten, Tschechen, Finnen oder Mexikanern berichtet. Manchmal buchten Familien weit im Voraus, ein anderes Mal, wie erst am Dienstag, stehe am Abend plötzlich ein Wanderer vor der Tür und frage nach einem freien Zimmer. Er hatte Glück. Aber im Hochsommer heißt es in der Jugendherberge an viele Tagen: ausgebucht! „Denn das verstaubte Image haben wir abgelegt. Die Zeiten von Schlafsälen und Hagebuttentee aus der Metallkanne sind vorbei“, so Delfs. Stattdessen gibt es W-Lan und vegetarisches Essen.

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