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Schleswiger Nachrichten

28. Juli 2017 | 10:55 Uhr

Am Gallberg : Schleswigs erste Senioren-WG

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Am Gallberg hat eine betreute Einrichtung mit etwas anderem Konzept eröffnet. Die Bewohner leben in den eigenen vier Wänden.

Ein klassisches Altenheim? Das kam für Fritz Brückmann auf keinen Fall in Frage, als es darum ging, ein neues Zuhause für seinen Vater Rudi zu suchen. „Das war das wichtigste Kriterium. Wir wollten irgendetwas anderes, individuelleres“, sagt er. Am Ende wurde er per Zufall fündig, keine fünf Minuten von den eigenen vier Wänden entfernt. In einem etwas versteckt gelegenen Haus am Gallberg 39, fand Brückmann das, was er für seinen Vater suchte: Denn dort wurde gerade Schleswigs erste Senioren-Wohngemeinschaft eröffnet.

Bis Ende 2016 war in dem 1998 errichteten Gebäude noch eine Pflegestation untergebracht. Als diese dann auszog, musste sich Eigentümer Paul Sindram Gedanken machen, wie es mit der Immobilie weitergehen sollte. „Da in den oberen Bereichen bereits 30 betreute Wohnungen sind, lag die Lösung nahe, in eine ähnliche Richtung zu gehen“, erzählt der Schleswiger Architekt und Gastronom. Jetzt ist er also Vermieter einer ganz speziellen Rentner-WG. Dabei handelt es sich konkret um eine ambulant betreute Einrichtung, in der jeder sein eigenes Leben führen kann. „Das ist eine Wohnform, die mehr ist als betreutes Wohnen, aber weniger als das Leben in einer stationären Pflegeeinrichtung“, sagt Beate Preuß.

Sie ist Geschäftsführerin des Katharinenhofes in Flensburg, die jetzt auch das Haus in Schleswig betreut. Hier gibt es Platz für neun bis 13 Bewohner. Ihnen stehen Ein- oder Zwei-Zimmer-Wohnungen zwischen 35 und 55 Quadratmetern zur Verfügung, die allesamt mit eigenem Mobiliar eingerichtet werden, eigene Türklingeln und Briefkästen haben. Parallel zu diesem ganz privaten Rückzugsort gibt es aber auch Einrichtungen, die von allen genutzt werden können – und sollen. Unter anderem gehören eine Küche, ein Wasch- und ein Gemeinschaftsraum sowie eine Terrasse dazu. Damit aber nicht genug: Rund um die Uhr ist auch eine Betreuung vor Ort. Diese hilft – bei Bedarf – den Bewohnern tagsüber beim Waschen oder Kochen, nachts ist sie im Notfall da. „Aber alle Senioren, die hier wohnen, sind zusätzlich mit einem Not-Knopf vom DRK ausgerüstet“, sagt Preuß, die von dem WG-Konzept mitten im Herzen der Stadt voll überzeugt ist. „Die Leute wollen heute so lange wie möglich selbstständig sein. Das ist hier möglich. Anders als in einem Pflegeheim etwa gibt nicht der Träger die Tagesabläufe vor, sondern sie werden von den Bewohner selbst organisiert. Das sorgt für eine sehr entspannte Atmosphäre.“ Dazu trägt auch die optische Gestaltung der Einrichtung bei, die Architekt Sindram selbst vorgenommen hat. „Es sollte schick sein und gleichzeitig gemütlich, mit warmen Farben und schönen Möbeln. Ich denke, das ist uns ganz gut gelungen“, sagt er.

An ihn zahlen die WG-Bewohner nun ganz normal Miete samt Nebenkosten. Hinzu kommen eine Betreuungspauschale und Haushaltsgeld (unter anderem für die gemeinschaftliche Verpflegung), die an den Katharinenhof gehen. Sind die Bewohner zudem pflegebedürftig, kommt – je nach Bedarf – eine übliche Pflegevergütung hinzu. „In der Regel ist das zusammen weniger, als ein Platz in einer vollstationären Einrichtung kostet“, sagt Preuß.

Das wiederum möchte Lars Pietschmann von der Heimaufsicht des Kreises nicht bestätigen, er verneint es aber auch nicht. Fest stehe aber, dass das Konzept für die WG am Gallberg bislang einmalig in der Region ist. Und es kommt offenbar so gut an, dass sich die Plätze in der Einrichtung fast von alleine füllen. So standen bereits vier Bewohner vor der Eröffnung fest, die allein vom Hörensagen auf die WG aufmerksam wurden. Einer von ihnen ist Rudi Brückmann. „Es gefällt mir hier richtig gut“, sagt er. Und Sohn Fritz freut sich, dass sein 89-jähriger Vater, der zuvor in der Nähe von Dinslaken in Nordrhein-Westfalen lebte, gleich Kontakt zu anderen Menschen hat. „Das hat Charme hier und ich denke, dass mein Vater gut aufgehoben ist“, sagt Rudi Brückmann, der bereits vor 25 Jahren nach Schleswig zog. „Ich freue mich, dass ich ihn jetzt in meiner Nähe habe.“

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erstellt am 28.Jun.2017 | 07:47 Uhr

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