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Selten angestrahlt : Schleswigs Dom führt ein Schattendasein

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Schleswigs Wahrzeichen wird abends nur noch an wenigen Tagen angestrahlt. Stadtmanagement verkauft deshalb Beleuchtungszeiten.

Nichts gegen Schloss Gottorf, den Holm oder das Oberlandesgericht. Aber wenn es ein Wahrzeichen der Stadt Schleswig gibt, dann ist das der St.-Petri-Dom. Von weit her ist sein 112 Meter hoher Turm zu sehen. Allerdings meistens nur bei Tag. Denn immer seltener ist der stattliche Kirchenbau während der Abendstunden beleuchtet.

Zuletzt war das beim Hafenfest am 29. August der Fall. Damals war der beleuchtete Dom für das bunte Lichterfest an und auf der Schlei so etwas wie das Sahnehäubchen. Ein Anblick, von dem auch Bischof Gothart Magaard schwärmt: „Es war das erste Mal, seit ich nach Schleswig gezogen bin, dass die Beleuchtung an war. Und es sah wirklich toll aus.“ Das wiederum sehen die meisten Schleswiger und auch Gäste der Stadt genau so – und würden es sicherlich gerne auch häufiger sehen. Aber anders als in den meisten anderen Städten bleiben die großen Strahler rund um die Hauptkirche abends meistens aus.

Dompastorin Christiana Lasch-Pittkowski ist zwar nicht der Meinung, dass die Lampen täglich angeknipst werden müssten, sie gibt aber zu, dass es schon schön wäre, wenn es öfter der Fall wäre. Allerdings betonen sie und ihr Kollege Michael Dübbers, dass die Domgemeinde selbst gar keinen Zugang zu den Strahlern habe. Denn die gehören nicht der Kirche, sondern der Stadt. Und somit wiederum liegt der Lichtschalter für die Anlage in Händen der Stadtwerke. Deren Geschäftsführer Wolfgang Schoofs bestätigt das auch. Die drei 1800-Watt-Strahler seien ins Stromnetz der Straßenbeleuchtung integriert. Er verweist aber darauf, „dass wir als Stadtwerke nur das machen, was man uns von Seiten der Stadt aus sagt“. Wann und wie oft der Dom beleuchtet wird, darauf habe man keinen Einfluss.

Den allerdings hat, zumindest bedingt, das Schleswiger Stadtmanagement. Seit 2012 kann dort jeder Bürger Dombeleuchtungszeiten regelrecht kaufen – für 15 Euro pro Stunde. Rund 20 Mal wurde dieser Service laut Stadtmanagerin Monika Siegel allein im vergangenen Winterhalbjahr gebucht. „Die Schleswiger mögen ihren Dom, deswegen kommt das Angebot ganz gut an“, sagt sie. Egal ob zu Hochzeiten, Geburtstagen oder einfach nur aus Spaß an der Sache könne man minutengenaue Zeiten bestellen.

Eine, die diesen Service schon öfter in Anspruch genommen hat, ist Frauke Vorpahl. „Wir sind eine alteingesessene Schleswiger Familie. Für uns ist der Dom etwas ganz Besonderes, deswegen haben wir ihn auch in unser Firmenlogo integriert“, sagt die Chefin der Stadtbäckerei Hagge. Zum Todestag ihres Vaters habe sie schon die Dombeleuchtung gebucht. Ebenso wenn ihre Schwester aus Kassel zu Besuch kommt. „Wenn sie hier aus dem Zug steigt, sind die Lampen an. Das gehört mittlerweile schon dazu.“

Nach aktuellem Stand wird der Dom das nächste Mal erst wieder am 24. Oktober erstrahlen. Von 19 bis 22 Uhr hat ein Schleswiger dann vom Angebot des Stadtmanagements Gebrauch gemacht. Zum Vergleich: Die Dreifaltigkeitskirche im Friedrichsberg wird täglich beleuchtet. Hier allerdings gehören die Strahler der Kirchengemeinde, die auch die Stromkosten bezahlt. „Jeden Abend“, meint Bischof Magaard, „muss der Dom – auch mit Blick auf den Stromzähler – sicher nicht angestrahlt werden.“ Aber etwas mehr als in jüngster Zeit, das wäre doch schön. Frauke Vorpahl fände es gut, wenn er wenigstens an den Wochenenden beleuchtet würde: „Dann schätzt man es mehr, als wenn es jeden Tag der Fall ist.“ Monika Siegel wiederum plädiert dafür, dass die historischen Gebäude in der Stadt insgesamt viel häufiger illuminiert werden – und zwar regelmäßig. Ein Vorschlag, den Bürgermeister Arthur Christiansen in nächster Zeit „gerne noch einmal aufgreifen“ möchte.

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erstellt am 05.Okt.2014 | 07:14 Uhr

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