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Start-up-Unternehmer Jonas Stamm : Schleswigs Digital-Pionier für das Handwerk

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Vom elterlichen Wohnzimmer aus baut Jonas Stamm (25) sein Unternehmen auf – und gewinnt den ersten Preis beim Kieler „Start-up-Camp“.

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erstellt am 17.Okt.2017 | 16:51 Uhr

Sein Büro – das ist der Esstisch im elterlichen Wohnzimmer im Friedrichsberg. Von hier aus steuert Jonas Stamm (25) ein Unternehmen, das immerhin so erfolgreich ist, dass der Kieler Wirtschaftsminister Bernd Buchholz in ihm „ein riesiges Mutmacher-Signal an unsere lebendige Gründerszene im Land“ sieht. Stamms Software-Firma heißt „Protonaut“ und hat ein Computerprogramm entwickelt, mit dem Handwerksbetriebe ihre Personalverwaltung vereinfachen können.

Geld verdienen lässt sich damit bisher noch nicht, räumt der junge Informatiker ein. Aber er ist zuversichtlich, dass sich das bald ändert, er dann nicht mehr von seinen Ersparnissen leben muss und er seinen Firmensitz vom Elternhaus in eigene Büroräume verlegen kann. Vor Kurzem stellte Stamm sein Projekt auf dem ersten schleswig-holsteinischen Start-up-Sommercamp in Kiel vor – und gewann den ersten Preis. Neben lobenden Worten vom Minister bedeutete das vor allem: 7000 Euro als Startkapital, um seine Software weiterzuentwickeln.

Dabei hatte er an Sommercamp gar nicht in erster Linie wegen des möglichen Preisgeldes teilgenommen, sondern um in Kontakt mit anderen jungen Unternehmensgründern aus ganz Deutschland zu kommen. „Die Start-up-Szene in Schleswig-Holstein ist ja überschaubar.“

Überschaubar ist auch die Zahl der Kunden, die Jonas Stamm bisher hat. Es sind drei zahlende. Drei weitere testen sein Programm namens „Lohneo“ derzeit. 15 Kunden bräuchte er, um seine Firma auf ein gesundes wirtschaftliches Fundament zu stellen, meint der Schleswiger Informatiker. Bisher hat er seine Kunden über persönliche Empfehlungen gefunden.

Jonas Stamm kommt selbst aus einer Baunternehmer-Familie. Das half ihm, seine Software zielgerichtet für die Bedürfnisse der Branche zu entwickeln. Im Kern geht es darum, die Arbeitszeit-Erfassung zu vereinfachen. Dass diese Daten korrekt notiert werden, ist in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden – nicht zuletzt wegen der Schwarzarbeits-Kontrollen des Zolls auf dem Bau.

„Ich hörte davon, dass die Mitarbeiter oft täglich dieselben Daten auf ihre Stundenzettel schreiben. Da dachte ich mir: Das muss sich doch zeitgemäßer machen lassen.“ So begann er mit der Entwicklung einer Software, die so einfach zu bedienen sein sollte wie Whatsapp. Seine Versuchskaninchen waren die Angestellten des Busdorfer Hoch- und Tiefbau-Unternehmens Johannssen, zu dem Jonas Stamm familiäre Verbindungen hat. Der Versuch gelang offenbar: Der Arbeitsaufwand für die Personalverwaltung soll von wöchentlich 25 Minuten pro Mitarbeiter auf drei Minuten zurückgegangen sein.

Jonas Stamm hat bereits Ideen für weitere Computer-Anwendungen, die die Arbeitsabläufe auf dem Bau vereinfachen. So ist er bereits mit Maschinen-Herstellern in Gesprächen darüber, wie sich die Laufzeiten der Maschinen digital erfassen lassen, damit die Nutzer stets wissen, wann es wieder Zeit für eine Wartung ist.

Beim Programmieren hat sich der Jungunternehmer auch Unterstützung von Informatik-Studenten in Kopenhagen geholt. Dort hat Stamm auch selbst studiert. Sollte sein Unternehmen so erfolgreich werden, dass er Entwickler fest anstellt – würde er dann dennoch in Schleswig bleiben? „Unmöglich ist es vielleicht nicht“, meint Jonas Stamm. Auch wenn die Fachkräfte, die er dann bräuchte, eher in Kopenhagen oder Hamburg zu finden sind – seine Kunden hat er bisher im nördlichen Schleswig-Holstein, und das dürfte in absehbarer Zeit – zumindest überwiegend – auch so bleiben. „Der Standort Schleswig ist interessant, weil es in der Region viele starke Bauunternehmen gibt.“

Die Webseite von Protonaut: lohneo.de
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