Heizöl-Studie : Schleswiger verbrauchen zu viel Heizöl

Der Heizölverbrauch der Haushalte: 30 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Ergebnis einer Studie des Dienstleisters Techem. Von 92 Städten belegt Schleswig Platz 90.

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07. Juli 2008, 07:21 Uhr

Schleswig | Bochum ist ein Paradies - zumindest für all diejenigen, die Heizöl sparen wollen. In einer bundesweiten Vergleichsstudie der Firma Techem belegt Bochum den ersten Platz - nirgendwo in der Republik wird pro Quadratmeter Wohnfläche weniger Heizöl verbraucht. In Bochum sind es durchschnittlich 10,46 Liter, bundesweit liegt der Verbrauch bei 13,5 Liter. Schleswig ist von diesen Werten weit entfernt. In der Heizperiode 2006 / 2007 haben die Haushalte pro Quadratmeter Wohnfläche 17,66 Liter verheizt - das sind 6,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
2000 von insgesamt 10 000 Haushalten in Schleswig setzen auf Heizöl. Von diesen Wohnungen hat Techem 557 in die Bewertung mit einbezogen. Nach Auffassung von Techem-Niederlassungsleiter Dr. Thorsten Schmidt zeigen die Ergebnisse, "dass wir uns nicht auf dem Erreichten ausruhen dürfen, sondern weiter nach sinnvollen Wegen suchen müssen, um den Energieverbrauch einzuschränken."
Weniger Hochhäuser, anderes Klima
Woran liegt es, dass die Schleswiger beim Heizöl zu den Spitzenverbrauchern zählen? Sind die Häuser an der Schlei schlechter gedämmt als in einer Stadt wie Bochum? Fachleute zeichnen ein differenziertes Bild. Der Bauingenieur und Sachverständige Lutz Rimkus aus Jübek verdeutlicht, dass sich der Heizölverbrauch einer Kleinstadt wie Schleswig nur schwer mit dem Verbrauch einer Großstadt wie Bochum vergleichen lässt. Grund ist die unterschiedliche Gebäudestruktur. In Großstädten ist der prozentuale Anteil von Hochhauswohnungen am gesamten Wohnungsbestand höher als in Kleinstädten. Bei identischen Dämmverfahren verbraucht eine Hochhauswohnung weniger Heizenergie als ein Einfamilienhaus. Dies ist auf den Umfang der Außenflächen zurückzuführen, die bei einer Hochhauswohnung naturgemäß geringer sind. Als zweite Ursache für Schleswigs schlechtes Abschneiden in der Techem-Statistik führt Sachverständiger Rimkus die klimatischen Verhältnisse in Norddeutschland an. "Bei undichten Häusern kann der ständig starke Wind zu hohen Energieverlusten führen."

Auch der Schleswiger Immobilienexperte Bruno Gudermann nennt den Wind als eine der Hauptursachen für den höheren Energiebedarf im Norden. Dass die Häuser in Schleswig generell schlechter gedämmt seien als in anderen Städten, glaubt Gudermann nicht. Zwar ist der Bestand an älteren Wohnungen in Schleswig vergleichsweise groß, doch in Sachen Wärmedämmung sei vieles nachgeholt worden. Bruno Gudermann: "Insbesondere die Wohnungsbaugenossenschaften haben in den vergangenen Jahren viel getan."

Die Folge: Der Heizölverbrauch in Schleswig sinkt, ganz im Gegensatz zu den Kosten. Im Vergleich zum Jahr 2000 hat sich der Preis für den Liter Heizöl von 40 Cent auf jetzt 80 Cent verdoppelt.

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