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Ratsversammlung : Schleswiger Theater zieht auf den Hesterberg

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Nach einer emotionalen und spannungsreichen Ratsversammlung stimmte die große Mehrheit für die Verlegung des Schleswiger Theater-Standorts vom Lollfuß zum Hesterberg.

shz.de von
erstellt am 24.Mai.2013 | 10:41 Uhr

Schleswig | Selten zuvor stand die Stadt so im Zentrum landesweiter Aufmerksamkeit wie am Dienstagabend. Selten zuvor verlief eine Ratsversammlung - es war die letzte in dieser Wahlperiode - so emotional und spannungsreich. Eigentlich hatten sich die Ratsvertreter zu ihrer Sondersitzung zusammengefunden, um ein möglichst einhelliges Votum für den künftigen Theaterstandort am Hesterberg (das derzeitige Volkskunde-Gelände) abzugeben. Doch ein gemeinsamer Antrag der CDU und der Grünen, der bereits vor der Sitzung bekannt geworden war, durchkreuzte diesen Plan. Schwarz-Grün forderte die Vertagung der Entscheidung über den Theaterstandort: Man könne das Gelände doch "für alle Nebenbühnen, Magazinräume und Büroräume" nutzen. Eine Platzierung des Bühnenhauses am Lollfuß dagegen habe viele Vorteile. Lange Zeit zeichnete sich keine klare Mehrheit für oder gegen das von der Verwaltung eingebrachte und von SPD und SSW unterstützte Vorhaben auf dem Hesterberg ab.
Allen Beteiligten war nur eines klar: Mit einem einstweiligen Votum gegen den Hesterberg und einer Verschiebung in die nächste Wahlperiode nach dem Sommer würde ein Automatismus in Kraft gesetzt: Die Stadt müsste zum 31. Juli den Gesellschaftervertrag mit dem Landestheater kündigen, das sorgsam austarierte Konstrukt des Landestheaters würde spätestens zum Wirksamwerden der Kündigung 2016 zusammenbrechen und auf Schleswig kämen erhebliche Regressforderungen zu.

CDU: Theater wird aus dem Herzen der Stadt gerissen


In seiner Rede vor der Ratsversammlung, die ihm bei vier Enthaltungen und einer Gegenstimme gestattet worden war, wies Generalintendant Peter Grisebach noch auf einen weiteren Aspekt hin: Der jetzt schon erhebliche Einnahme-Ausfall (unter anderem minus 40 Prozent Konzert-Abo-Kündigungen) würde sich spätestens ab 2017 "zu einem Fehlbetrag aufsummieren, der die GmbH geradewegs in die Insolvenz führt".
Die CDU dagegen führte in der Begründung ihres Antrags durch Fraktionschef Holger Ley vor allem drei Argumente ins Feld. Zum einen die "drohenden Unterhaltungskosten" der vom Land ausgereichten Liegenschaft Hesterberg. Zum anderen würde man das Theater, beim Aufgeben des Standortes Lollfuß, "aus dem Herzen der Stadt herausreißen". Und zum dritten fehle es, so betonte auch der Grünen-Abgeordnete Dr. Johannes Thaysen, an Daten und Fakten für einen Neubau am alten Standort, dem Lollfuß.

Lollfuß eignet sich weder für Sanierung noch für Neubau


Auf das letzte Argument hin betonte Bürgermeister Thorsten Dahl, dass man sich bemüht habe, die Finanzierung eines Neubaus am Lollfuß sicherzustellen - "leider vergeblich". Das Zahlen- und Untersuchungswerk für den Lollfuß liege jedoch allen Ratsmitgliedern vor. Auch dem sh:z sind diese Informationen bekannt. Danach eignet sich der Lollfuß weder für eine Sanierung noch für einen Neubau. Die Unsicherheit über das Votum der Ratsversammlung hatte im deren Vorfeld bereits Konsequenzen. Laut SPD hat Landrat Dr. Wolfgang Buschmann den Tagesordnungspunkt - auch der Kreis wollte seinen Beitrag zur Hesterberg-Finanzierung leisten - von der Sondersitzung des Kreistages am 30. Mai gestrichen. Die Ratsversammlung der Stadt Schleswig konnte sich beim Thema Theater über Aufmerksamkeit nicht beschweren.
Zur Entscheidung stand als Tagesordnungspunkt 3 der Ratsversammlung die Vorlage der Verwaltung unter dem Kürzel VO/2012/069-1. Dabei ging es im Kern um eine Annahme des Angebots der Landesregierung, das Hesterberg-Gelände in städtische Obhut zu übernehmen. Die Ratsversammlung begann um 17 Uhr. Nach einer langen Debatte, an der sich Vertreter aller Fraktionen beteiligten, lehnte die Ratsversammlung um 19.34 Uhr mit 15 zu 12 Stimmen den Antrag von CDU und Grünen ab. Dagegen stimmten auch Annelen Weiss und Heinrich Bömer als Mitglieder der CDU-Fraktion. Nach kurzer Pause erfolgte um 19.50 Uhr die entscheidende Abstimmung über den Antrag der Stadtverwaltung. Jetzt wurden 22 Ja-Stimmen, eine Enthaltung und vier Nein-Stimmen (Grüne und FDP) gezählt.
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