Millionen-Loch Lollfuss : Schleswiger Theater-Neubau viel teurer als gedacht

Noch steht die Fassade des alten Stadttheaters. Was nach dem Abriss an der Stelle entsteht, ist weiter unklar.
Noch steht die Fassade des alten Stadttheaters. Was nach dem Abriss an der Stelle entsteht, ist weiter unklar.

Zwölf Millionen Euro sollte das neue Theater im Lollfuß kosten. Es wird sehr viel mehr werden – wenn es denn jemals gebaut werden sollte.

shz.de von
21. Januar 2015, 12:05 Uhr

Schleswig | Die Hoffnungen auf den Fortbestand des Theaterstandortes Schleswig haben einen schweren Dämpfer erhalten. Das Hamburger Büro „DFZ Generalplaner GmbH“ hat der Stadt vor wenigen Tagen eine Machbarkeitsstudie für einen Neubau im Lollfuß vorgelegt. Die darin veranschlagten Kosten sind nach SN-Informationen erheblich höher als bislang gedacht. Hatte man nach ersten Berechnungen geglaubt, mit etwa zwölf Millionen Euro brutto für den Bau des „Kerntheaters“ auszukommen, gehen die Experten nunmehr von 17 bis 19,5 Millionen Euro aus. Ein Grund für die erheblichen Mehrkosten sind die aufwändigen Pfahlgründungen, die in dem schlammigen Untergrund erforderlich sind. Auch hat sich der Baukosten-Index verändert. Wegen der guten konjunkturellen Lage sind die Auftragsbücher voll, kann das Baugewerbe höhere Preise verlangen.

Die Planer, die bereits die Machbarkeitsstudie für das Hesterberg-Projekt erstellt hatten, haben vier Modelle berechnet: je einen 380 Sitzplätze fassenden Theatersaal mit beziehungsweise ohne Kammerbühne. Und als größere Variante einen Saal mit 485 Plätzen, ebenfalls einmal mit und einmal ohne Kammerbühne konzipiert. Die Kammerbühne hat den Vorteil, dass sie je nach Bedarf zu einem multifunktionalen Veranstaltungsbereich umgebaut werden kann.

Das von der Verwaltung erstellte Finanzierungsmodell ist eine Gleichung mit vielen Unbekannten. Als sichere Planungsgröße gelten bislang nur die fünf Millionen Euro, die die Stadt selber beisteuert, sowie die eine Million, die vom Kreis kommt. Unklar bleibt weiterhin, ob die kommunalen Spitzenverbände jene 6,3 Millionen Euro aus dem kommunalen Investitionsfonds auch für den Lollfuß bereitstellen. Die Summe war eigentlich nur für einen Neubau auf dem Hesterberg bewilligt. Und dann ist da die alles entscheidende Frage, ob und wie viel Geld das Land in einen Bau im Lollfuß pumpen wird. Kiel müsste etwa fünf bis sechs Millionen bereitstellen. Noch im Dezember hatte Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW) allerdings klargestellt, dass keine Landesmittel mehr zur Verfügung stünden, nachdem die Ratsversammlung die Hesterberg-Variante abgelehnt hatte. Für das 14-Millionen-Euro-Projekt Hesterberg hatte das Land das Grundstück und die Sanierung von Gelände und Gebäuden zugesagt.

Zur aktuellen Studie will sich das Kulturministerium nicht näher äußern. „Den Äußerungen des Herrn Ministerpräsidenten beim Neujahrsempfang der Stadt Schleswig zum Theater ist derzeit nichts hinzuzufügen“, teilte Sprecher Oliver Breuer auf SN-Nachfrage lediglich mit. Ministerpräsident Torsten Albig hatte vergangene Woche im Rathaus betont, dass für ihn der Erhalt des gesamten Landestheaters im Vordergrund stehe. Es gelte, die Fertigstellung des Gutachtens über die Zukunft der Landestheater GmbH abzuwarten. „Erst dann werden wir wissen, mit welchen Spielstätten wir sinnvoll planen sollten“, so Albig.

Die Münchner Unternehmensberatung Actori will erste Ergebnisse ihrer Untersuchung zur Zukunft des Landestheaters am 6. Februar präsentieren. Zwei Tage vorher wollte Bürgermeister Arthur Christiansen eigentlich eine „Geberkonferenz“ zur Finanzierung der Schleswiger Spielstätte abhalten. Die Geber aber – in diesem Fall das Kulturministerium und das Ministerium für ländliche Räume – zeigten wenig Interesse daran und erteilten ihm eine Absage.

Der Bürgermeister wird also am 6. Februar in der Sitzung der Strategiegruppe (Aufsichtsrat, Intendant und Bürgermeister der Gesellschafter-Städte) nicht allzu viel vorweisen können, zumal auch noch nicht feststeht, welcher Privatinvestor sich an das geplante Theaterviertel im Lollfuß heranwagt, in das das neue Bühnenhaus eingebettet werden soll. Die neue Machbarkeitsstudie will Christiansen nicht weiter kommentieren. Nur so viel sagt der Bürgermeister: „Wir haben geliefert. Und am privatrechtlichen Teil arbeiten wir.“

Auch die Fraktionschef Holger Ley (CDU) und Johannes Thaysen (Grüne) geben sich zugeknöpft: „Wir haben Stillschweigen vereinbart.“ Der stellvertretende SPD-Fraktionschef und Bauausschussvorsitzende Klaus Bosholm sieht sich hingegen durch die neue Studie bestätigt. „Ich habe bei jeder Diskussion gesagt, dass die Baukosten im Lollfuß viel höher sein werden als auf dem Hesterberg.“ Ob er dennoch an neues Theater glaubt? „Im Moment fehlt die Fantasie, mir das vorstellen zu können.“ SSW-Fraktionschef Otmar Petersen will die Flinte noch nicht ins Korn werfen. Er sagt: „Solange die kommunale Familie und das Land sich nicht abschließend geäußert haben – solange bleibt die Hoffnung.“

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