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Landestheater und „Heimat“ : Schleswiger Schilder-Streit geht in die nächste Runde

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

„Heimat“ darf nicht mehr werben, das Landestheater schon: CDU-Vorsitzender Helge Lehmkuhl fordert nun „gleiches Recht für alle“

Da, wo bis vor drei Wochen noch das große Werbeschild der „Heimat“ stand, findet man jetzt nur noch eine mit rot-weißem Flatterband abgesperrte Fläche voller dunkler Muttererde. Spätestens im Frühjahr wird dort, an der Ecke Schleistraße/Flensburger Straße, neuer Rasen aus dem Boden sprießen. Ob bis dahin aber auch Gras über die Geschichte gewachsen ist, die dahinter steckt? Das ist mehr als fraglich. Denn hinter den Kulissen sorgt die Tatsache, dass das Schild der „Heimat“ auf Anweisung der Stadt abgebaut wurde, während das des Landestheaters (direkt daneben) weiter stehen bleiben darf, für mächtig Ärger.

„Dieses Messen mit zweierlei Maß geht gar nicht“, sagt CDU-Ratsherr Helge Lehmkuhl (Foto). Er hatte bereits in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses offen Kritik an dem Vorgehen der Stadt geäußert, die er jetzt noch einmal bekräftigt. „Ich bin ein Freund der Gleichbehandlung. Entweder dürfen beide dort ein Werbeschild hinstellen, oder keiner“, sagt er.

Zur Erinnerung: Die Werbetafeln standen lange Zeit Seite an Seite an besagter Stelle. Eine Grünfläche, die der Stadt gehört – und auf der Werbung laut Satzung eigentlich nicht erlaubt ist. Dennoch hatte Team Vivendi eine sogenannte Sondernutzungserlaubnis, um dort ein Werbeschild aufzustellen. Mitte vergangenen Jahres trat die Entwicklungsgesellschaft der Freiheit dieses Recht allerdings eigenhändig an die „Heimat“ und deren Macher Mario Hoff ab. Etwas anders stellt sich die Situation beim benachbarten Werbeschild des Landestheaters da. Für dieses gibt es zwar keine Sondernutzungserlaubnis, dafür hatte der ehemalige Bürgermeister Thorsten Dahl per Dekret erlaubt, dass das Theater an dieser Stelle – nur einen Steinwurf von der Übergangsspielstätte im Slesvighus – werben darf.

Eine Vereinbarung, an die sich auch Dahls Nachfolger Arthur Christiansen weiter gebunden fühlt. Das Werbeschild der „Heimat“ wurde hingegen abgebaut. Weil die Sondernutzungserlaubnis Ende vergangenen Jahres abgelaufen ist und diese eigentlich auch gar nicht so einfach von Team Vivendi auf die „Heimat“ hätte übertragen werden dürfen, wie Rathaus-Sprecherin Antje Wendt erklärt.

Dass die Stadt und das zuständige Bauamt mit dem Abbau der Reklametafel „prinzipiell alles richtig gemacht haben“, sieht auch Helge Lehmkuhl ein. „Wir finden uns in diesem Fall in den Niederungen deutschen Verwaltungsrechts wieder“, sagt er. Wenn dieses aber per Bürgermeister-Dekret, wie im Falle des Landestheater-Schildes, umgangen werden kann, dann frage er sich, wieso das für die „Heimat“ nicht möglich ist. „Der Bürgermeister sagt doch immer, dass er ein Macher ist. Das kann er hier doch einmal unter Beweis stellen und eine pragmatische Lösung finden“, fordert Lehmkuhl, „denn diese Ungleichbehandlung muss ein Ende haben. Das ist eine echte Posse.“

Gleichzeitig drängt der CDU-Ratsherr und -Ortsvorsitzende darauf, dass die Stadt endlich eine eindeutige Satzung erarbeitet, was das Thema öffentliche Werbung angeht. Denn die ist, wie auch Antje Wendt einräumt, aktuell sehr unausgewogen und unübersichtlich. Auch Mario Hoff würde eindeutige Regeln begrüßen. Seitdem sein Werbeschild abgebaut wurde, habe er bereits mehrfach bei der Stadt nachgefragt, wie und wo er in Zukunft werben darf. Sein Wunsch, wieder ein Schild auf dem ehemaligen Schleihallen-Platz aufstellen zu dürfen, wird sich aller Voraussicht nach allerdings nicht erfüllen. Auch wenn er die Geschichte nicht auf sich beruhen lassen will. „Ich sehe das alles sehr skeptisch. Wieso wurde mein Schild in Windeseile abgebaut, so als ob Gefahr in Verzug war? Ich hätte gerne noch mit der Stadt verhandelt und habe dies auch mehrfach erklärt“, sagt Hoff. Die Stadt beruft sich hingegen weiter auf geltendes Recht und darauf, Team Vivendi mehrfach aufgefordert zu haben, das Schild fristgerecht abzubauen. Weil das nicht geschah, sei man selbst zur Tat geschritten. „Die Entscheidung ist getroffen und wird sich auch erst einmal nicht ändern“, sagt Wendt. Man habe Mario Hoff stattdessen angeboten, Littfaßsäulen für seine Werbung zu nutzen.

Dass die Stadt sich dazu entschieden hat, das Konzept der „Heimat“ zu kaufen, Mario Hoff als Veranstaltungsmanager anzustellen und das Varieté-Theater künftig neben dem Landestheater in einem gemeinsamen Kulturhaus auf der Freiheit zu betreiben, erscheint im Zusammenhang mit dem Werbeschild besonders skurril. Dazu äußern kann oder will sich aber niemand öffentlich. Nur so viel: Die entsprechenden Verträge sind noch nicht unterschrieben. Das heißt: Noch ist die „Heimat“ ein privatwirtschaftlich betriebenes Unternehmen – wie jedes andere auch.

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erstellt am 16.Feb.2017 | 07:57 Uhr

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