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Telefonisch kaum erreichbar : Schleswiger Mietwagen-Unternehmen von Telekom ausgebremst

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Im Oktober haben Nicole Möller und Ingo Schröder die Firma „Minicar Schleswig“ gegründet – aber ihre Kunden können sie nur schwer erreichen.

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erstellt am 27.Nov.2014 | 12:30 Uhr

Schleswig | Die Nummer der Service-Hotline der Telekom kennen sie inzwischen auswendig. Die Namen der Mitarbeiter aus dem Telekom-Shop im Schleswiger Stadtweg sowieso. Und ein gezielter Griff ins Regal reicht, schon haben sie den extra angelegten Ordner in der Hand. Dort haben sie den gesamten Schriftverkehr mit der Telekom abgeheftet, der sich seit Anfang Oktober angesammelt hat. „Die Leute können sich nicht vorstellen, mit was wir hier zu kämpfen haben. Das glaubt kein Mensch“, sagt Nicole Möller und schüttelt immer wieder den Kopf.

Denn gemeinsam mit ihrem Bruder Ingo Schröder fühlt sie sich seit etwa neun Wochen wie im falschen Film. Dabei wollten sie doch eigentlich gerade beruflich neu durchstarten. Deshalb gründeten die Geschwister die Firma „Minicar Schleswig“. Seit Anfang Oktober bieten sie von ihrer Zentrale in der Moltkestraße aus „Mietwagen zur Personenbeförderung“ an, insbesondere auch für Krankentransporte, wie Ingo Schröder erklärt. Der Unterschied zum Taxi ist dabei, dass sie nicht etwa an Bahnhöfen oder bei Großveranstaltungen auf Kunden warten dürfen, sondern die Fahrgäste nur per Abruf befördern. „Und genau das ist unser Problem. Denn man kann uns ja kaum erreichen“, klagt Nicole Möller.

In diesem Punkt macht die Telekom den beiden Unternehmern bislang einen Strich durch die Rechnung. Denn ihre neue Rufnummer (0 46 21 / 9 78 61 00) ist, bis auf wenige Ausnahmen, nur von Kunden erreichbar, die einen Festnetzanschluss bei der Telekom haben oder einen Handyvertrag bei deren Mobilfunksparte T-Mobile. Warum das so ist, darauf haben Nicole Möller und Ingo Schröder bislang keine Antwort bekommen – und zwar seit Anfang Oktober.

Dann nämlich wurde die Nummer, mit drei Tagen Verspätung, von der Telekom freigeschaltet. „Warum es die ersten Tage dann total ruhig war und wir kaum Aufträge bekamen, haben wir am Anfang gar nicht kapiert. Bis uns ein Kunde erzählte, dass er uns über seinen Vodafone-Anschluss nicht erreichen kann“, berichtet Möller. Dann folgten die unzähligen Anrufe bei der Telekom-Hotline, es wurden Briefe und E-Mails geschrieben, und der Besuch beim Telekom-Shop in der Innenstadt wurde förmlich zum Ritual. Helfen konnte den beiden dennoch niemand.

Erst am 10. November kam Bewegung in die Sache. Nach einer Anzeige bei der Bundesnetzagentur war der Anschluss einen Tag später plötzlich frei. Bis ein Kunde von Kabel Deutschland am 20. November eine E-Mail an die Minicar-Macher schrieb. Inhalt: „Ich kann Euch telefonisch irgendwie nie erreichen.“

Seitdem hat sich an dem Zustand nichts geändert. „Ich bin ratlos. Wie kann es sein, dass man als Kunde, der auch noch mehr als bei anderen Anbietern bezahlt, so behandelt wird?“, fragt sich Nicole Möller, die längst auch wirtschaftliche Schäden beklagt. So habe sie mit ihrem Bruder rund 3000 Euro in den Druck von Visitenkarten und Kalendern sowie in Aufdrucke auf den Fahrzeugen investiert. Überall ist darauf die neue Nummer zu sehen. Deshalb haben die beiden inzwischen sogar – in stundenlanger Bastelarbeit – die alte Nummer von „Ingos Fahrservice“ (04621/ 9 84 94 60), den Ingo Schröder zuvor betrieben hatte, auf einige Visitenkarten geklebt. „Außerdem bekommen wir jetzt ein zusätzliches Fahrzeug, und demnächst fängt unser zweiter Mitarbeiter an. Aber wir haben kaum etwas zu tun“, sagt Nicole Möller.

Dabei sei es gerade jetzt ein guter Zeitpunkt, um mit dem Unternehmen zu starten. Denn aufgrund des Mindestlohnes, der im Januar eingeführt wird, müssten die Taxiunternehmer die Preise deutlich anheben. „Wir sind an deren Festpreise nicht gebunden. Und weil wir nachts und am Wochenende keinen Bereitschaftsdienst anbieten müssen, sind unsere Lohnkosten geringer – und somit auch unsere Fahrtkosten.“

Im Schleswiger Telekom-Shop konnte man sich am Mittwochvormittag auf Nachfrage des sh:z nicht zu dem Fall äußern und verwies auf die Presseabteilung des Unternehmens in Bonn. Trotz direkt anschließender zweifacher telefonischer Anfrage und einer Kontaktaufnahme per E-Mail gab es auch von dort aus bislang keine Antwort.

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