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Betrugsmasche : Schleswiger Juwelier warnt vor billigem Autobahngold

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Immer mehr Betrugsopfer suchen Rat bei einem Schleswiger Fachhändler. Auch gefälschte Barren sind im Umlauf.

von
erstellt am 21.Feb.2017 | 06:37 Uhr

Schleswig | Meistens reicht ein kurzer Blick, dann weiß Uwe Frieß schon Bescheid. „Die Dinger sind oft so dilettantisch gemacht, dass man gar nicht weiter nachgucken muss“, sagt er und zeigt eine kleine Sammlung von Ringen, Ketten und Armbändern. Allesamt aus Gold, könnte man meinen. Tatsächlich aber handelt es sich dabei um wertlosen Billigschmuck. Den haben Menschen aus Schleswig und dem Umland an der Autobahn oder irgendwelchen anderen Straßen gekauft – und dieses vermeintlich gute Geschäft schnell bereut.

„Allein in den vergangenen Wochen hatten wir schätzungsweise acht Fälle davon“, sagt Frieß. Er ist Landesobermeister der Gold- und Silberschmiede und führt die „Edelmetallschmiede“ in der Mönchenbrückstraße. Da er und seine Mitarbeiter einerseits die fachliche Kompetenz haben, andererseits aber auch Schmuck und speziell auch Gold ankaufen, kommen immer mal wieder Kunden vorbei, die auf die sogenannte „Autobahngold“-Masche hereingefallen sind.

Die geht in der Regel so: An der Autobahn oder auch einer Landstraße steht eine Familie neben einem Auto, der Warnblinker ist eingeschaltet und der Vater winkt mit einem leeren Benzinkanister, um zu symbolisieren, dass der Tank leer ist. Wenn jemand anhält, um zu helfen, heißt es, dass man die weit entfernt lebende Familie besuchen wolle, leider aber kein Bargeld dabei habe, um das Auto vollzutanken. Dafür aber bieten die Betrüger, in diesen Fällen sind es meistens Osteuropäer, Schmuck an. Oft ist dann die Rede von wertvollen Familienerbstücken. Diese würden sie für einen deutlich günstigeren Betrag abgeben, als sie eigentlich wert seien. Tatsächlich aber ist es Billigware.

Uwe Frieß wundert sich, „dass so viele Leute auf diesen Trick reinfallen“. Erst kürzlich sei ein Mann in seinen Laden gekommen, der auf diese Weise 1200 Euro verloren hat. „Er war sogar extra zum Geldautomaten gefahren, weil er ein gutes Geschäft witterte“, sagt der Juwelier und Goldschmied und fügt hinzu: „Offenbar gilt in diesen Fällen das Prinzip ,Gier frisst Hirn‘, anders kann ich mir das nicht erklären.“

Zwar würden die Geschäfte oft in der Dunkelheit abgewickelt, und viele der gefälschten Schmuckstücke weisen auch Stempel mit der vermeintlichen Karat-Angabe auf. „Aber eigentlich sollte einem die innere Stimme sagen, dass man an der Autobahn keinen Schmuck kauft“, sagt Frieß. Dabei solle man sich auch nicht davon blenden lassen, dass auf der Rückbank Kinder sitzen und den Eindruck erwecken, dass man tatsächlich an eine Familie in Not geraten ist. Das gehöre zur Abzocke oftmals einfach dazu, weiß Frieß.

Als Landesobermeister tauscht er sich auch in dieser Sache regelmäßig mit Kollegen in ganz Schleswig-Holstein aus. Oft würden dabei die selben Ring-Modelle auftauchen. „Da gibt es zum Beispiel einen mit einem Mercedes-Stern drauf. Den habe ich in den vergangenen Jahren bestimmt schon 60 Mal gesehen“, sagt Frieß. Die Polizei indes spricht auf SN-Nachfrage nur von sehr wenigen bekannten Einzelfällen mit „Autobahngold“-Betrug. Der Juwelier jedoch weiß aus vielen Beratungsgesprächen mit enttäuschten Kunden: „Den Leuten ist es im Nachhinein meist selbst peinlich, dass sie auf die Masche reingefallen sind. Viele verzichten deshalb auf eine Anzeige.“

Ebenso dreist, dafür aber deutlich schwerer zu entlarven, ist eine weitere Methode, um gutgläubigen Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. „Es sind auch viele falsche Goldbarren und -unzen im Umlauf“, sagt Frieß. Diese seien jedoch meistens gut gefälscht, weisen zum Teil auch einen relativ großen Anteil von echtem Gold aus – darunter aber verbergen sich Metalllegierungen. „Seitdem Gold als sehr sichere Geldanlage gilt, sind diese Fälschungen immer häufiger im Umlauf, etwa im Internet. Dort zum Teil sogar auf Ebay“, erzählt er. Dabei gebe es bei Goldbarren eigentlich keine Schnäppchen. Man solle sich deshalb den Tagespreis für Gold ansehen und nur bei Banken oder im Fachhandel kaufen. „Niemand hat etwas zu verschenken, warum sollte man also sein Gold deutlich günstiger verkaufen, als es wert ist?“

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