Nach Flucht eines Patienten : Schleswiger Forensik: Minister sieht keinen Personalmangel

Der Sozialausschuss des Landtages beschäftigt sich mit der Schleswiger Einrichtung.

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Margret Kiosz von
22. November 2018, 18:30 Uhr

Schleswig/Kiel | Im Mai dieses Jahres war ein 26-Jähriger wegen eines Gewaltdeliktes unter Drogeneinfluss in der Forensik in Schleswig untergebracht worden. Fünf Monate später, Anfang November, nutzte er während eines begleiteten Ausgangs die Chance und floh. Der Patient ist inzwischen längst wieder in der Psychiatrie, aber für die Schleswiger SPD-Landtagsabgeordnete Birte Pauls war das Ereignis Anlass genug, das Thema auf die Tagesordnung des Sozialausschusses zu bringen. Ihre Vermutung: Es fehlt am Personal, deshalb ist die Sicherheit von Patienten, Mitarbeitern und Bürgern in Gefahr.

Sozialminister Heiner Garg (FDP) konnte diese Vermutungen mit einem Berg von Zahlen entkräften. Im Vergleich zu 14 anderen Bundesländern, die Kerndaten zu ihren Forensischen Kliniken zusammentragen, stehe Schleswig-Holstein mit der Personalausstattung an der Spitze – zumindest seit 2015. Obwohl die Zahl der Patienten zeitweise in Schleswig dramatisch zurückging, wurde demnach beim Personal nur minimal reduziert. „Es gibt keinen Anhaltspunkt, dass Personalmangel in unmittelbarem Zusammenhang mit den Entweichungen steht“, versicherte Garg. Zudem sei die Zahl der Entweichungen im Vergleich zu anderen Bundesländern gering, was dafür spreche, dass die Einschätzung des psychischen Zustandes der Patienten durch die Ärzte und das Pflegepersonal gut ist.

Trotzdem will Garg sich auch auswärtigen Sachverstandes bedienen, um die Personalsituation in Schleswig und auch in Neustadt (Kreis Ostholstein) unter die Lupe zu nehmen. „Wir haben selbst ein großes Interesse daran, dass es in den Kliniken gut läuft und es möglichst keine Zwischenfälle gibt“, so der Minister. Ausschließen könne man das jedoch nicht. „Lockerung en im Vollzug sind Bestandteil der Therapie, um die Patienten auf die Zeit nach dem Aufenthalt in Schleswig vorzubereiten.“ Diese Lockerungen würden sorgfältig geprüft und evaluiert. So sei der 26-Jährige zuvor schon einmal allein mit einem Begleiter (1:1-Situation) außerhalb der Einrichtung unterwegs gewesen und einmal in einer 1:2-Situation. Entflohen ist er, als ein Bewacher für drei Patienten zuständig war. Dieses 1:3-Verhältnis wurde jetzt gestrichen.

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