AccXess : Schleswiger Firma will die E-Mail-Verschlüsselung revolutionieren

Schlüssel-Kompetenz: AccXess-Geschäftsführer Andreas Jacobsen (re.) mit Wirtschaftsminister Reinhard Meyer.
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Schlüssel-Kompetenz: AccXess-Geschäftsführer Andreas Jacobsen (re.) mit Wirtschaftsminister Reinhard Meyer.

Eine kleine IT-Firma entwickelt ein neuartiges System für mehr Online-Sicherheit – unterstützt vom Land.

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06. November 2013, 16:30 Uhr

Das Gerät sieht auf den ersten Blick aus wie ein gewöhnlicher Haustürschlüssel – aber es steckt voller komplexer Daten. Was die Programmierer der Firma AccXess im Dachgeschoss über dem Fitness-Center am Stadtfeld seit Monaten entwickeln, ist im übertragenen Sinne tatsächlich ein Schlüssel. Mit ihrem System, das sie im nächsten Jahr auf den Markt bringen wollen, lassen sich E-Mails auf einfache Weise so sicher verschlüsseln, dass selbst die amerikanischen Geheimdienstler von der NSA den Code „nur mit sehr, sehr großem Aufwand“ knacken können. Davon jedenfalls ist Geschäftsführer Andreas Jacobsen überzeugt. Mit seiner Ansicht steht er nicht alleine: Die Kieler Landesregierung verspricht sich viel von dem Projekt. So viel, dass sie die Entwicklung mit 167 000 Euro fördert. Bevor der E-Mail-Schlüssel made in Schleswig auf den Markt kommt, werden die Fachleute im Hause des Landesdatenschutzbeauftragten Thilo Weichert das System auf Herz und Nieren prüfen.

Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) machte gestern auf dem Weg zur Kabinettssitzung in Flensburg am Stadtfeld Station, um den Förderbescheid offiziell zu überreichen. „Das Thema ist hochaktuell“, sagte der Minister. Schließlich redet derzeit die halbe Welt von Datensicherheit im Internet. „Wir haben mit der Entwicklung schon begonnen, bevor Edward Snowden auftauchte“, betonte Jacobsen. Die Idee kam von einem Kunden, einem Steuerberater, dessen komplettes Computersystem die Firma AccXess schon seit langem betreut. Die bereits existierenden E-Mail-Verschlüsselungs-Systeme waren dem Kunden zu kostspielig und zu kompliziert. „Deshalb haben wir uns hingesetzt und uns etwas Neues überlegt“, sagt Jacobsen. Der E-Mail-Schlüssel, der dabei herauskam, ist inzwischen zum Patent angemeldet. Anders als üblich, basiert die Verschlüsselung nicht auf einem Online-Zertifikat, sondern läuft über einen USB-Stick in Form eines Haustürschlüssels, der wiederum mit einem Pin-Code gesichert ist. Der Kunde – außer Steuerberatern können das zum Beispiel Rechtsanwälte oder Banken sein – bekommt einen „Master-Stick“ und beliebig viele Empfänger-Sticks, die er an seine Mandanten ausgeben kann, mit denen er per E-Mail kommunizieren möchte.

Für das kleine Unternehmen AccXess mit seinen insgesamt 16 Mitarbeitern ist die Umsetzung ein gewaltiger Kraftakt. Der Zuschuss vom Land deckt rund ein Drittel der Entwicklungskosten. Inzwischen sind die Programmierer so weit vorangekommen, dass bis zur Marktreife praktisch nichts mehr schiefgehen kann, versichert Jacobsens Geschäftsführungs-Kollege Sven Hering. „Es sei denn, eine Pandemie rafft uns dahin.“ Weil das eher unwahrscheinlich ist, denken die IT-Fachleute vom Stadtfeld schon weiter. Für Marketing und Kundendienst wollen sie ihren Mitarbeiterstamm verdoppeln. Das Dachgeschoss über dem Fitness-Center wird dann nicht mehr ausreichen für alle. Sie suchen nach neuen Räumen. Dem Standort Schleswig wollen sie dabei auf jeden Fall treu bleiben. „Alles andere würde meine Frau nicht mitmachen“, sagt Hering. „Wir haben hier gerade ein Haus gebaut.“

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