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Physiker aus Schleswig ein Pionier im 19. Jahrhundert : Schleswiger als Mitbegründer der Funktechnik

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Privatgelehrte Berend Wilhelm Feddersen aus Schleswig war anerkannter Wissenschaftler und Mäzen. Das Deutsche Museum in München würdigt Feddersens Leistung auf dem Gebiet der Elektrodynamik.

Ein Sohn der Stadt Schleswig hat Mitte des 19. Jahrhunderts durch seine Untersuchungen und Experimente über elektrische Wellenbewegungen die Grundlagen für die spätere drahtlose Telegraphie geschaffen: Der Physiker Berend Wilhelm Feddersen gilt damit als einer der Mitbegründer der Funktechnik. Das Deutsche Museum in München, das größte naturwissenschaftlich-technische Museum der Welt überhaupt, würdigt Feddersens Pionierleistung auf dem Gebiet der Elektrodynamik, in dem es dessen Originalversuchsaufbau in der der Physik gewidmeten Ausstellungsabteilung präsentiert.

Berend Wilhelm Feddersen war Spross eines alten friesischen Geschlechts. Sein Vater hatte Rechtswissenschaften studiert und war in Schleswig als Obergerichtssekretär und Landgerichtsnotar für das Herzogtum Schleswig tätig. Am 26.3.1832 als einziges Kind der Eltern geboren, verlebte er „an den Ufern der Schlei eine glückliche Jugend“, wie einer frühen Biografie zu entnehmen ist. Sein Vater führte ein gastoffenes, großbürgerliches Haus, in dem ein intensiver gesellschaftlicher Umgang vor allem mit Kollegen aus dem Obergericht gepflegt wurde.

Feddersen-Junior war ein guter Schüler und prädestiniert für den Besuch der Domschule. Nachdem die schleswig-holsteinische Erhebung gegen Dänemark gescheitert war und Kopenhagen seine politische Position und seinen Einfluss in den Herzogtümern untermauert hatte, verließ er das Gymnasium in Schleswig. Seine Schulzeit beendete er am ebenfalls traditionsreichen Gymnasium Ernestinum Gotha, an dem er 1851 das Abitur bestand. In der Residenzstadt, einem Zentrum von Aufklärung, Kunst und Wissenschaft, bildete sich auch „im Kreise gleichgesinnter Freunde seine Neigung zur Naturwissenschaft“ heraus.

Sein Studium begann er in Göttingen. Obwohl er sich für Chemie entschieden hatte, faszinierten ihn wesentlich stärker Vorlesungen in Physik. Über Berlin, wo er am physikalischen Colloquium teilnahm, kehrte er in den Norden zurück: An der Christian-Albrechts-Universität wurde er Schüler und Praktikant am von Gustav Karsten gerade gegründeten physikalischen Institut. Seine Studien in Kiel schloss Feddersen 1857 mit der Vorlage einer Doktorarbeit mit dem Titel „Beiträge zur Kenntnis des elektrischen Funkens“ ab.

Von Hause aus vermögend und damit frei von finanziellen Sorgen, entschloss er sich für ein Leben als Privatforscher und -gelehrter. Dafür suchte er die Nähe von Wilhelm Gottlieb Hankel, dem von der Fachwelt hochgeschätzten Inhaber des Lehrstuhls des physikalischen Instituts der Universität von Leipzig. Feddersen ließ sich von Hankels Vorlesungen zu mathematischen-elektrischen Themen inspirieren. Sechs Jahrzehnte lebte der gebürtige Schleswiger in der sächsischen Metropole, ganz seinen wissenschaftlichen Studien verschrieben. Zwar gehörte er nicht offiziell der Universität an, doch durfte er für seine umfangreichen Experimente die Räumlichkeiten des Instituts nutzen. Ihm gelang es als erstem Physiker, die elektrischen Schwingungen sichtbar zu machen.

Die Ergebnisse veröffentlichte er in einer Reihe von Publikationen oder stellte sie in Vorträgen vor, gehalten in der Universität oder der Königlich-Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaft, deren Mitglied er war. Der naturwissenschaftliche Verein in Kiel ernannte ihn zu seinem Ehrenmitglied. Auch international fanden seine Experimente Beachtung. Der Gelehrtengesellschaft British Association for the Advancement of Science war Feddersen als korrespondierendes Mitglied verbunden.

Eine öffentliche Anerkenung erfuhr er 1912, als ihm der sächsische Königshof den Ehrentitel „Geheimer Hofrat“ verlieh. Damit sollte Feddersens langjähriges wissenschaftliches Wirken vor allem in Leipzig gewürdigt werden. Dazu zählen auch Verdienste, die sich Feddersen als Mitherausgeber des von Johann Christian Poggendorff begründeten, mehrbändigen „Biographisch-literarischen Handwörterbuchs zur Geschichte der exacten Wissenschaften“ erworben hat. Feddersen war bis ins hohe Alter als Wissenschaftler tätig. Auch engagierte er sich wiederholt als Mäzen und Förderer. So vermachte er seine Stadtvilla der Universität. Er starb am 1.7.1918 im Alter von 87 Jahren in Leipzig. Die Schleswiger Nachrichten priesen ihn in einem kurzen Nachruf als „Vater der Funkentelegraphie“; die bedeutende Vossische Zeitung aus Berlin schrieb, Feddersen sei eine Reihe wertvoller physikalischer Entdeckungen zu verdanken.


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