Pestizidfreie Kommune : Schleswig zeigt der Chemie-Keule die rote Karte

Schleswig verzichtet künftig kategorisch auf chemische Schädlingsbekämpfungsmittel.

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27. Juni 2018, 08:08 Uhr

Es war einer der ersten Beschlüsse, die die Ratsversammlung in ihrer neuen Zusammensetzung am Montagabend getroffen hat. Und einer mit Symbolcharakter. Mit großer Mehrheit haben sich die Stadtvertreter dafür ausgesprochen, dass Schleswig künftig zu den bundesweit über 50 pestizidfreien Kommunen zählt.

Bereits in den vergangenen Wochen war in verschiedenen Fachausschüssen über diesen Antrag der Grünen intensiv diskutiert worden. Denn im Grunde verzichten die Umweltdienste der Stadtwerke schon seit Jahren auf den Einsatz von chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln (bis auf wenige Ausnahmen). Als entsprechend „sinnlos“ und „überflüssig“ betitelten einige Vertreter der anderen Parteien den Vorstoß der Grünen. Während der Sitzung des Werkausschusses in der vergangenen Woche stimmte eine große Mehrheit dem Antrag dann aber doch zu. Schließlich würde dies keinem wehtun, lautete der einhellige Tenor. Wichtig aber sei das Signal nach außen, das davon ausgehe.

So gab nun auch die Ratsversammlung geschlossen grünen Licht dafür, dass Schleswig künftig alles dafür tun wird, um dem Titel „Pestizidfreie Kommune“ gerecht zu werden. Allein FDP-Vertreter Jürgen Wenzel stimmte dagegen. „Dieser Antrag ist für mich einzig und allein ein moralischer Zeigefinger“, meinte er.

Grünen-Ratsherr Johannes Thaysen, der die Idee angestoßen hatte, verneinte dies vehement. „Unser Antrag ist weder eine Kritik an den Umweltdiensten noch eine Belehrung für andere. Es geht uns darum, ein Zeichen zu setzen und das Thema Artenschutz dauerhaft in die Köpfe der Leute zu bringen“, meinte er. Auch Michael Ramm vom SSW stimmte dem zu: „Wir können auf diesem Weg als Stadt Verantwortung für die Natur übernehmen.“

Konkret heißt es in dem Antrag, dass sich die Stadt Schleswig dazu verpflichtet, auf allen kommunalen Flächen grundsätzlich keine chemisch-synthetischen Pestizide einzusetzen. Zudem solle auch auf die Bürger eingewirkt werden, ebenfalls auf den Einsatz solcher Mittel zu verzichten. Gleichzeitig ist die Verwaltung aufgefordert, innerhalb des Stadtgebietes bienen- und insektenfreundliche Blühflächen anzulegen.

Zu den Ausnahmen gehört hingegen das Bekämpfen von Riesenbärenklau. In diesem Fall ist weiterhin der Einsatz von Pestiziden erlaubt. Die Umweltdienste müssen den Werkausschuss künftig aber darüber informieren.

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