Theater-Neubau : Schleswig: „Wir verlassen das Spielfeld nicht“

Die Zeit für das marode Theater in Schleswig ist endgültig abgelaufen.
Die Zeit für das marode Theater in Schleswig ist endgültig abgelaufen.

Die Ratsversammlung bringt die Investorensuche für den Theaterneubau auf den Weg. Die SPD zweifelt, ob das Vorhaben überhaupt eine Chance hat.

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08. Januar 2015, 07:59 Uhr

Investoren-Aspiranten. Wer dieses Wort googelt, findet im gesamten Internet ganze drei Treffer. Alle aus dem Jahr 2013 und alle aus Jena. Seit gestern ist Schleswig die zweite Stadt, in der dieses Wort verwendet wird. In der Ratsdebatte um den geplanten Theater-Neubau wiederholte es Julia Pfannkuch, die zuständige Projektleiterin im Rathaus, mindestens ein Dutzend Mal. Wer diese Investoren-Aspiranten sind, sagt Pfannkuch nicht. Nur, dass es zwei von ihnen gibt. Selbst die führenden Ratspolitiker, von denen einige erwartet hatten, in nichtöffentlicher Runde Näheres über die Aspiranten zu erfahren, müssen sich gedulden, weil alles eine juristisch heikle Sache ist.

So wussten die Ratsmitglieder nicht, wer die Empfänger des Verfahrensbriefes sind, über den sie gestern Nachmittag beschlossen. In dem Brief wird auf mehreren Dutzend Seiten beschrieben, was die Stadt von den Aspiranten erwartet, sobald aus einem von ihnen ein echter Investor geworden ist: Sie dürfen auf dem Theatergrundstück am Lollfuß und auch auf dem benachbarten Parkplatz an der Schleistraße Wohnungen errichten, ein Hotel und eine Pflegeeinrichtung, wenn sie außerdem auch Verwaltungs- und Produktionsräume für das Landestheater bauen und diese zu günstigen Konditionen vermieten. Die Stadt bietet außerdem an, sich in dem neuen Gebäude-Ensemble mit der Volkshochschule und der Bücherei einzumieten und dafür eine höhere Miete zu zahlen. Sie müsste dann nur noch das so genannte „Kern-Theater“, den Saal mit der Bühne, selber bauen – mit fünf Millionen Euro Eigenmitteln und noch mehr bisher ungesicherten Zuschüssen.

Die Ratsmitglieder hatten zum Verfahrensbrief und zum dazugehörigen Bebauungsplan eine ganze Reihe Fragen. Pfannkuch machte aber deutlich, dass sie nicht gern lange diskutieren möchte. „Der Zeitplan für die Verhandlungen ist eng“, sagte sie und erinnerte an die aktuellen Überlegungen innerhalb der Landestheater GmbH, möglicherweise ganz auf Schleswig als Produktionsort zu verzichten. Vor diesem Hintergrund hat die Stadtverwaltung die Idee begraben, das neue Theater an die Schleistraße zu stellen. Für diese Variante bekundeten gestern Johannes Thaysen (Grüne) und Holger Ley (CDU) noch einmal Sympathien. Die Investoren-Aspiranten, sagte Pfannkuch, hätten aber signalisiert, dass sie lieber die Wohnungen und das Hotel auf die Schleiseite stellen wollten. Außerdem, fügte sie hinzu, „soll mit dem Theater ja nicht die Schleistraße aufgewertet werden, sondern der Lollfuß“.

Das neue Theater – wenn es denn gebaut werden sollte – wird also wieder an derselben Stelle stehen wie das alte. Dabei beschloss die Ratsversammlung gestern auch, im Zuge des Abrisses auch den letzten Rest des historischen Gebäudes zu beseitigen. Die Betonschale unterhalb des Saales sei mit einem vertretbaren Aufwand nicht mehr zu retten, erklärte Bauamtsleiterin Manja Havenstein. Zudem seien die verbliebenen Gebäudeteile nun so stark einsturzgefährdet, dass es nicht mehr zu verantworten sei, Bauarbeiter hineinzuschicken, um die Schale zu sichern.

Offen ist unterdessen, was aus der Trauminsel wird, der kleinen Puppenbühne. Vor dem Jahreswechsel hatte Bürgermeister Arthur Christiansen auf Nachfrage der Grünen-Vertreterin Babette Tewes mehrmals versichert, dass dieses letzte Theatergebäude, das auf dem Grundstück noch intakt ist und genutzt wird, nicht abgerissen wird. „Diese Auskunft bezog sich auf die jetzt laufenden Abrissarbeiten“, sagte der Bürgermeister nun. Was in Zukunft aus der Trauminsel werde, das hänge zum einen von den Plänen des Investors ab, zum anderen auch von den Anforderungen des Landestheaters.

Dem Verfahrensbrief stimmte Tewes dennoch zu. Bei der Abstimmung über den Bebauungsplan enthielt sie sich ebenso der Stimme wie SPD-Ratsherr Sönke Büschenfeld. Dieser hatte sich bei Pfannkuch nach den Kosten für das laufenden Verfahren zur Investorensuche erkundigt. Eine Antwort erhielt er nicht, Pfannkuch versprach, diese nachzureichen. Aus seiner Nachfrage sprach eine gewisse Skepsis, ob es für die Theaterpläne überhaupt noch eine Chance gibt. In diese Kerbe schlug auch der Bauausschuss-Vorsitzende Klaus Bosholm (SPD): „Ich möchte nicht, dass Geld verbrannt wird, wenn keine Realisierungsmöglichkeit besteht.“ Christiansen antwortete: „Wir verbrennen kein Geld. Aber wir werden das Spielfeld nicht verlassen, bevor das Spiel abgepfiffen ist.“

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