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Ratsversammlung : Schleswig will Theater-Spielstätte bleiben

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Zäher Kompromiss in der Ratsversammlung: Bürgermeister Christiansen soll mit der Landestheater GmbH über veränderte Konditionen verhandeln, damit auch in Zukunft in Schleswig Theater-Aufführungen stattfinden.

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erstellt am 28.Apr.2015 | 07:45 Uhr

Das Bühnenhaus im Lollfuß steht zwar längst nicht mehr, aber den Schleswiger Kommunalpolitikern gelingt es, dem Drama um das Theater immer noch einen neuen Akt hinzuzufügen. Wie kann die Stadt Gesellschafterin der Landestheater GmbH bleiben und so zu deren Erhalt beitragen? Das war der Titel der gestrigen Aufführung im Ständesaal, zu der die Protagonisten der Ratsversammlung in ihre hinlänglich bekannten Rollen schlüpften. Spätestens dann, als es zum wiederholten Male um das Für und Wider der abgelehnten Hesterberg-Variante ging. Um es vorweg zu nehmen: Das Publikum war nicht immer amüsiert. „Wenn dat Kinner west wärn, ha man de fröher wat an de Flutz haut“, meinte ein frustrierter Zuschauer.

Doch der Reihe nach. Nach dem endgültigen Aus für den Bau eines neuen Stadttheaters hatten SPD und SSW einen gemeinsamen Antrag in die Ratsversammlung eingebracht. Demnach sollte Bürgermeister Arthur Christiansen aufgefordert werden, mit der Landestheater GmbH in Verhandlungen über die Konditionen für den Verbleib Schleswigs zu treten. Ferner solle die Möglichkeit geprüft werden, wie die Stadt eine Mehrzweckhalle bekommen kann, in der auch Theateraufführungen möglich sind. Ein Austritt Schleswigs aus der Gesellschaft würde mit ziemlicher Sicherheit einen Dominoeffekt auslösen, mahnte der SPD-Fraktionsvorsitzende Stephan Dose. „Das wollen wir auf jeden Fall vermeiden“, begründete er den Antrag. „Es geht um den Erhalt des Landestheaters.“ Dose berichtete von einem Gespräch mit Aufsichtratschef Pierre Gilgenast. Dieser habe ihm erst gestern noch einmal verdeutlicht, dass die Landestheater GmbH auf ein politisches Signal aus Schleswig warte.

Doch so einfach kommt solch ein Signal an der Schlei nicht zustande. Die CDU jedenfalls ging erst einmal auf Konfrontationskurs. Nachdem die Landesregierung es abgelehnt habe, Mittel für einen Theaterneubau bereitzustellen, „können wir auch die fünf Millionen Euro, die von uns zu erbringen gewesen wären, nicht mehr einbringen“, meinte Fraktionschef Holger Ley. Eine solche Darlehensaufnahme würde nicht genehmigt, sagte er mit Verweis auf dem jüngsten Haushalt, bei dem das Land andere Darlehen zusammengestrichen habe. „Eine Stadt, die aber null Euro für ein Theater hat, kann nicht ernsthaft beschließen, dass wir in der Landestheater GmbH bleiben.“ Aktuell zahlt die Stadt als eine von drei Hauptgesellschafterinnen rund eine Million Euro pro Jahr. Diesen Verpflichtungen will und kann man aber ohne ein eigenes Bühnenhaus nicht mehr nachkommen. Der Vertrag für die Ausweichspielstätte Slesvighus läuft nur noch bis 2016.

Der Bauausschussvorsitzende Klaus Bosholm (SPD) ging mit Ley und dessen Fraktion hart ins Gericht: „Die CDU hat sich in ihrer Ablehnungsmentalität eingebunkert. Sie hat ein Glaubwürdigkeitsproblem.“ Und Stephan Dose assistierte: „Die CDU lässt die Maske fallen. Sie möchte den Austritt und das Ende des Landestheaters.“

Es waren die Grünen, die mit ihrem Änderungsantrag die Fronten allmählich aufweichten. Ratsfrau Babette Tewes brachte nicht nur eine mögliche Verlängerung der Kündigungsfrist über den 31. Juli dieses Jahres hinaus ins Spiel. Sie schlug auch vor, eine mögliche Interimslösung ins Auge zu fassen. „Für rund eine Million Euro lassen sich in wenigen Monaten fliegende Bauten installieren.“ In anderen Städten wie beispielsweise Potsdam hätten solche Lösungen sogar 15 Jahre Bestand gehabt. Die alles entscheidende Frage sei, in welchem Umfang die Stadt Gesellschafterin in der Landestheater GmbH bleiben könne. Erst wenn das geklärt sei, könne ein entsprechendes Konzept erarbeitet werden, so Tewes.

Einer Mehrzweckhalle wollte sich schlussendlich auch die CDU nicht verschließen. „Vielleicht gibt es dafür ja Landesmittel“, meinte Holger Ley – und brachte für seine Fraktion einen weiteren Änderungsantrag ein. Darin wird die Landesregierung aufgefordert, „sich mit einem namhaften Millionenbetrag an der Finanzierung einer solchen Spielstätte zu beteiligen“.

Drei verschiedene Anträge, die zusammengenommen in einen für alle Seiten akzeptablen Kompromiss mündeten – auch wenn am Ende über Minuten kaum noch einer im Saal so richtig wusste, worüber nun gerade abgestimmt wurde. Damit nahm das Drama dann auch noch Züge einer Komödie an.

Doch das Ergebnis lässt allen Theaterfreunden die Hoffnung, dass in Schleswig nicht vollends der Vorhang fällt. Bürgermeister Christiansen freute sich über das „gemeinsame Signal“, mit dem er an diesem Mittwoch in die nächste Sitzung des Landestheater-Aufsichtsrates gehen wird. Dieser hatte bereits am vergangenen Freitag fünfeinhalb Stunden auf Schloss Gottorf getagt. Christiansen wollte keine Interna der Sitzung preisgeben, sagte nur: „Wir sind mit allen Gesellschaftern auf einem guten Weg.“

 

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