Vor der Einwohnerversammlung : Schleswig: Was wird aus der Schmid-Villa?

Die leer stehende Schmid-Villa am Stadthafen.
1 von 3
Die leer stehende Schmid-Villa am Stadthafen.

Vor der Einwohnerversammlung am Donnerstag: Fragen und Antworten zum umstrittenen Bauvorhaben am Stadthafen.

von
20. Mai 2015, 13:29 Uhr

Schleswig | Sie steht noch immer ungerührt auf ihrem Grundstück zwischen Hafen, Dom und Königswiesen, als würde sie der ganze Streit der vergangenen Monate nichts angehen: Die Schmid-Villa. Seit sie vor gut 15 Jahren gebaut wurde, hat fast nie jemand in ihr gewohnt. Die Pläne, sie abzureißen und an ihre Stelle Blocks mit seniorengerechten Wohnungen zu setzen, sind vorerst gestoppt. Mehr als 2000 Schleswiger haben sich in einem Bürgerbegehren dagegen ausgesprochen.

Doch es gibt bereits neue Entwürfe für eine Wohnanlage in leicht abgespeckter Form. Ob sie sich umsetzen lassen, ist unklar. Die Rechtslage ist kompliziert, die Interessen vielfältig. All das wird am Donnerstag Thema sein auf einer offiziellen Einwohnerversammlung der Stadt Schleswig, die um 19 Uhr in der Aula der A.P.-Møller-Schule auf der Freiheit beginnt.

Um in der verworrenen Lage etwas Klarheit zu schaffen, beantworten die Schleswiger Nachrichten einige der wichtigsten Fragen rund um die Schmid-Villa.

Wer hat die Villa gebaut?

Gerhard Schmid, Gründer des Telefonanbieters Mobilcom. Er hat nur für sehr kurze Zeit in der Villa gewohnt und lebt inzwischen in Hamburg.

Wem gehört die Villa heute?

Den Schleswiger Stadtwerken – und damit mittelbar der Stadt Schleswig als Eigentümerin der Stadtwerke.

Wie sind die Stadtwerke zu der Villa gekommen?

Sie haben sie Ende 2012 für 2,35 Millionen Euro von Sybille Schmid-Sindram, der Ex-Frau von Gerhard Schmid, gekauft.

Warum?

Die Stadtwerke erwarben von Schmid-Sindram ebenfalls für einen Millionenbetrag das benachbarte Wassergrundstück am Hafen, auf dem sie den beliebten Wohnmobil-Stellplatz einrichteten. Beide Grundstücke gab es nur im Paket.

Warum soll die Villa nun abgerissen werden?

Nach Auskunft von Stadtwerke-Chef Wolfgang Schoofs ist es nicht gelungen, zu einem angemessenen Preis einen Käufer für die Villa zu finden, der das Haus stehen lassen möchte. Stattdessen hat der Investor Uwe Hahn sein Interesse angemeldet und Pläne für eine Wohnanlage vorgelegt, für die die Villa weichen soll.

Wer ist Uwe Hahn?

Der 71-jährige Projektentwickler lebt in Busdorf und ist in Schleswig gut vernetzt. Er hat in den vergangenen Jahren unter anderem die Sky-Märkte im Friedrichsberg, am Stadtfeld und am Gallberg gebaut.

Warum gab es Proteste gegen sein Vorhaben?

Die Gegner begründen ihre Kritik unterschiedlich. Einige lehnen es ab, ein nahezu neuwertiges Haus wie die Schmid-Villa einfach abzureißen. Andere wünschen sich für das Areal eine kleinteilige touristische Nutzung. Wieder andere wünschen sich die geplanten Wohnblocks lediglich etwas kleiner, damit sie sich besser in die Umgebung einfügen.

Wie weit sind die Planungen vorangeschritten?

Uwe Hahn hatte im vergangenen Herbst dem Bauausschuss und der Ratsversammlung einen Entwurf für eine Anlage mit 50 Wohnungen vorgelegt. Auf dieser Grundlage fasste die Ratsversammlung einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan. Das ist der erste Verfahrensschritt auf dem Weg zur Genehmigung. Daraufhin gründete sich die Bürgerinitiative „Grundstück Schmid-Villa“ und sammelte im Rahmen eines Bürgerbegehrens mehr als 2000 Unterschriften gegen den Aufstellungsbeschluss.

Welche Auswirkung hat das Bürgerbegehren?

Eigentlich hätte es nun zu einem Bürgerentscheid kommen können, in dem alle wahlberechtigten Schleswiger über den Aufstellungsbeschluss abstimmen. Aber die Ratsversammlung hat den Aufstellungsbeschluss von sich aus zurückgenommen. Damit war das Bürgerbegehren erfolgreich. Laut Kommunalverfassung ist die Stadt daran für zwei Jahre gebunden.

Das heißt, bis 2017 darf keine Wohnanlage auf dem Grundstück der Schmid-Villa zugelassen werden?

Diese Auffassung vertritt die Bürgerinitiative – und hat sie in einem offenen Brief an Bürgermeister Arthur Christiansen bekräftigt. Die Befürworter der Wohnanlage argumentieren aber, die neuen Entwürfe mit vier statt fünf Geschossen und 48 statt 50 Wohnungen würden sich von den ursprünglichen Plänen so weit unterscheiden, dass die Zwei-Jahres-Frist nicht gilt.

Wer hat recht?

Das entscheidet im Zweifel das Verwaltungsgericht.

Was geschieht auf der Einwohnerversammlung am Donnerstagabend?

Ursprünglich war geplant, in erster Linie über die neuen Wohnanlagen-Entwürfe zu reden. Inzwischen wurden aber drei Architekten für eine Podiumsdiskussion eingeladen, in der es allgemein um die Entwicklung des Grundstücks gehen soll.

 
zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen