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Aus dem Amtsgericht : Schleswig: Tierquälerei im Viehtransporter?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Schwein trifft mit gebrochenem Beim im Schlachthof ein: Verfahren gegen Bauer, Spediteur und Fahrer wird eingestellt.

von
erstellt am 10.Sep.2015 | 12:28 Uhr

Sie fahren jeden Tag: Die Lastwagen, in denen Schweine aus Angeln zu Hunderten in die oft mehrere hundert Kilometer entfernten Schlachthöfe gebracht werden. Nur selten bekommen Außenstehende einen Einblick, wie ein solcher Transport abläuft. Am Mittwoch im Schleswiger Amtsgericht bot sich eine solche Gelegenheit. Drei Männer waren wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz angeklagt: Schweinebauer, Spediteur und der Fahrer des Tiertransporters.

Ins Rollen gebracht hatte das Verfahren das Veterinäramt des Landkreises Rotenburg (Wümme) in Niedersachsen. Denn in seinem Zuständigkeitsgebiet befindet sich der Schlachthof Zeven der Vion AG. Eines der Schweine war bei der Ankunft schwer verletzt. Der angeklagte Viehtransporterfahrer, ein 41-jähriger Mann aus Mittelangeln, fährt jeden Tag nach Zeven. Sein Arbeitstag beginnt morgens noch vor 6 Uhr. Er klappert die Schweineställe rund um Schleswig ab. Die Bauern kennen ihn. Den Landwirt, der gestern neben ihm auf der Anklagebank saß, besucht er alle zwei Wochen – seit 14 Jahren.

Am Tag, als eines der Tiere mit einem Trümmerbruch im Hinterbein im Schlachthof eintraf, soll es keine besonderen Vorkommnisse gegeben haben, sagten die Angeklagten: Der Fahrer fuhr an die Verladerampe, während im Stall der Bauer zusammen mit dem Spediteur die Schweine zusammentrieb. In dem Stall leben fast 1000 Tiere. Immer wenn der Transporter kommt, werden bis zu 100 von ihnen ausgewählt. Man müsse nur die Boxen öffnen, dann laufen die Schweine fast von selbst in Richtung Transporter, so jedenfalls schilderte es der Bauer. Mit einem „Treibbrett“ aus Kunststoff wird nachgeholfen.

Auf der Rampe vor dem Lkw versieht der Fahrer jedes Tier mit einem Stempel, damit später klar ist, von welchem Bauern es stammt. Auf drei Ebenen passen insgesamt 175 Tiere in den Transporter samt Anhänger. Tiere aus verschiedenen Betrieben werden durch Zwischenwände voneinander getrennt. Das soll für Ruhe sorgen, denn Schweine, die sich nie zuvor gerochen haben, würden Rangkämpfe auszutragen. Die Fahrt nach Zeven dauert dreieinhalb Stunden. Dass sich unterwegs ein Tier verletzt, kommt immer wieder vor. Die Amtstierärzte, die ihre Büros im Schlachthof haben, entscheiden dann, ob es trotzdem verwertet werden kann. So etwas ist kein Fall für die Justiz.

An jedem Tag, der nun ein Nachspiel vor Gericht hatte, soll der Fahrer jedoch gleich nach der Ankunft in Zeven auf die Tierärztin zugekommen sein und ihr vom verletzten Tier an Bord erzählt haben – mit dem Hinweis, er selbst sei dagegen gewesen, das Tier mitzunehmen, habe sich aber gegen Landwirt und Spediteur nicht durchsetzen können. Diese hätten das Schwein (125 Kilogramm) mit einer Eisenstange auf die Ladefläche getragen. Laufen konnte es nämlich nicht mehr. So berichtete es die Tierärtzin.

An ein solches Gespräch könne er sich nicht erinnern, sagte der Fahrer vor Gericht. Bauer und Spediteur versicherten ohnehin, ihnen sei an jenem Morgen keine Verletzung aufgefallen. Die Tierärztin meinte, der Trümmerbruch müsse schon mindestens mehrere Stunden alt gewesen sein. Gewissheit könnte aber nur ein pathologisches Gutachten bringen. Möglich wäre dies, denn die Schinken lagern verblombt und eingefroren im Schlachthof. Um diesen Aufwand zu sparen, schlug Richterin Anna Gansel vor, das Verfahren gegen Zahlung von jeweils 300 Euro einzustellen. Darauf ließen sich die Angeklagten, die zunächst auf einen Freispruch gehofft hatten, ein. Wären sie verurteilt worden, hätten sie womöglich ihre Lizenzen verloren und wären beruflich am Ende gewesen.

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