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Kaufhaus-Ruine : Schleswig: So schlimm sieht es im Hertie-Haus aus

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach sieben Jahren Leerstand: Die Schleswiger Nachrichten inspizieren das ehemalige Kaufhaus. Die Stadt will das Gebäude abreißen lassen.

Schleswig | Heruntergerissene Deckenverkleidungen, zertrümmertes Mobiliar, mit Glasscherben übersäte Fußböden, dazu ein Gestank von Taubendreck und Urin – das Innere des Hertie-Hauses gibt ein jämmerliches Bild ab. „So schlimm hatte ich das nicht erwartet“, sagt Philipp Schöning. „Wir waren schockiert, als wir das erste Mal hier drin waren.“ Drei Monate, nachdem die Stadt die Immobilie für 1,74 Millionen Euro gekauft hat, gewährte der Fachdienstleiter Gebäudemanagement nun auch den Schleswiger Nachrichten erstmals Zutritt zum ehemaligen Kaufhaus. Und tatsächlich: Auch die schlimmsten Befürchtungen der Reporter wurden noch übertroffen.

In einigen schleswig-holsteinischen Städten stehen die ehemaligen Hertie-Kaufhäuser leer und verkommen. Doch so langsam kommt Bewegung in die Sache. In Rendsburg wurde das Hertie-Gebäude vor kurzem verkauft. Es soll umgebaut werden und Geschäfte und Seniorenwohnungen beherbergen.

In den sieben Jahren des Leerstandes haben Vandalen ganze Arbeit geleistet. Flächendeckend wurden Kupferleitungen ausgebaut. Alles, was halbwegs wertvoll erschien, nahmen Unbekannte mit. Im Keller und im Fahrstuhlschacht steht zudem Wasser.

Der Rundgang durch die Ruine ist zugleich eine Zeitreise in die Vergangenheit. In eine Zeit, als Karstadt und in der Endphase Hertie das erste Haus am Platz in Schleswigs Innenstadt darstellten. Als es im Erdgeschoss Taschen und Schreibwaren zu kaufen gab. Als im ersten Stockwerk Damen- und Herrenbekleidung sowie das Restaurant auf die Kunden warteten. Und wer dereinst mit der Rolltreppe in die zweite Etage fuhr, der gelangte unter anderem in die Haushaltswarenabteilung.

Ganz oben im Verwaltungstrakt zeugt eine Preistafel davon, was die Mitarbeiter zuletzt in der Kantine für ihre Verpflegung zahlen mussten: Ein Pott Kaffee etwa kostete 75 Cent, ein Glas Tee 25 Cent. Eine Brötchenhälfte mit Ei gab’s für 1,10 Euro, mit Käse für 1,30 Euro.

Schwere Schäden hat im Oktober 2013 ein Brandstifter im hinteren Teil des Gebäudes angerichtet. Die verkohlten Deckenbalken sind notdürftig abgestützt worden. Doch nicht nur dieser Teil ist nicht mehr zu retten. Inzwischen steht fest, dass das gesamte aus den 60er Jahren stammende Hertie-Gebäude abgerissen werden soll. „Einen genauen Zeitplan dafür gibt es aber noch nicht“, sagt Philipp Schöning. Ebenso fehlt noch ein Investor, an den die Stadt das Grundstück nach dem Abriss weiterverkaufen kann.

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erstellt am 17.Jun.2016 | 06:27 Uhr

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