Auf der Freiheit : Schleswig rockte, bis die Polizei kam

Herr Bösel aus Kiel zeigte bei seinem Elektro-Ska-Rap vollsten Einsatz.
1 von 2
Herr Bösel aus Kiel zeigte bei seinem Elektro-Ska-Rap vollsten Einsatz.

Herr Bösel, Captain Capa, Findus und eine eine Reihe anderer Bands heizten kräftig ein: 650 Besucher feierten mit beim „SL Rocks“-Festival auf der Freiheit. Die Lokalmatadoren von „Toxic Enemy“ gewinnen Nachwuchs-Wettbewerb

shz.de von
02. Juni 2014, 07:45 Uhr

Teenies, die vor der Bühne mit ihren Smartphones Selfies machen und dabei breit grinsen, ein junger Mann, der sich im Rhythmus der Musik auf Händen tragen lässt und das Quintett, das lieber etwas abseits lässig auf der Couch im Gras abhängt – das alles war das „SL Rocks Festival“ am Sonnabend auf der Freiheit. Zu den Rhythmen von Bands wie „Captain Capa“, „Findus“, „Parasite Single“, „The Bangers“, „The One“ oder „Roast Apple“ machten rund 650 junge und jung gebliebene Besucher die Fläche vor der großen Hauptbühne sowie den abgedunkelten Block 35 zu ihrem persönlichen Tanzparkett, egal, ob sie nur von einem Fuß auf den anderen wippten oder wild herumhopsten und dabei ihrem Haar einen Schleudergang verpassten. Auch wenn sie manchmal, wie bei den „Shabby Chaplins“, einer der sechs Bands, die am Wettbewerb Rocktreff des Schleswiger Musikclubs teilnahmen, dazu aufgefordert werden mussten: „Ihr dürft gerne näher kommen und tanzen!“

Am Ende reichte es für die Garage-Punker aus Flensburg für den fünften Platz, womit sie ihr Ticket für das nächste „SL Rocks“ automatisch gebucht hatten. „Dann dürfen sie auf der großen Bühne spielen“, erklärte Christoph Gosch vom Schleswiger Musikclub. Leer ausgehen sollte keine der Newcomer-Bands, die sowohl von einer sechsköpfigen Jury als auch vom Publikum bewertet wurden. Letztere erhielten dafür verschiedenfarbige Plastikchips, die sie am Ende in eine Dose warfen – wenn ihnen die Band gefallen hat. Die Band, deren Rücklauf an Chips prozentual gesehen am höchsten war, hatte das Publikums-Voting für sich entschieden.

In diesem Fall konnten die Schleswiger Lokalmatadoren von „Toxic Enemy“ voll überzeugen und gewannen den Hauptpreis: Den Dreh eines professionellen Musikvideos mit der Filmproduktion von Jury-Mitglied Rolf Simon aus Havetoftloit. Mit der Studioaufnahme eines Songs in der Musikschmiede Selk (gewann die zweitplatzierte Band „Pitchkick“), einem Auftritt auf dem Baltic Open Air („Tavor“) sowie der diesjährigen Kieler Woche („Verus“) sowie ein Band-Coaching in der Schleswiger Rock-Pop-Academy („Image of Yesterday“) wussten auch die „Trostpreise“ zu überzeugen. „Die Bands waren begeistert“, so Gosch. Auch sein persönliches Fazit fiel positiv aus: „Der Rocktreff war ein voller Erfolg und hat super mit dem ,SL Rocks’ zusammengepasst.“ Mit dem Freien Kultur- und Kommunikationszentrum (FKKZ) habe man die richtige Location gefunden, so dass der Nachwuchswettbewerb auf jeden Fall wiederholt werde. „Wir wissen nur noch nicht, wie und wann.“ Der einzige Wermutstropfen sei gewesen, so Jan-Friedrich Dünne vom FKKZ, „dass wir zeitliche Verzögerungen hatten und die Polizei kam, so dass wir letztlich vorzeitig abbrechen mussten“. Doch das Positive überwiege: „Das Publikum war gut drauf und es blieb friedlich, die Bands waren super – und zum ersten Mal war es durchgehend trocken.“

„Toxic Enemy“ kam übrigens nicht nur bei den Schleswigern gut an – sondern traf auch voll den Geschmack des Südafrikaners Travis Joffe: „Die waren super!“ Wie auch das restliche Festival. Zwar hätte er oftmals kein Wort verstanden, aber wenn der Sound den Brustkorb zum Schwingen und die Füße in Bewegung bringt, sind Worte überflüssig.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen