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Die etwas andere Stadttour : Schleswig mit neuen Augen sehen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Kinder aus St. Jürgen erkundeten bei einer Führung ihre Heimatstadt – viele zum ersten Mal.

„Lest das mal Rückwärts!“ forderte Stadtführer Winfried Reiber seine besondere Besuchergruppe vor dem Rathaus auf. Diese Stadttour absolvierte er für die sogenannten Lesekinder der St.-Jürgen-Schule. „Ich muss mir Aufgaben ausdenken, die ich bei noch keiner anderen Stadtführung gemacht habe“, sagte der pensionierte Polizist und forderte die aus Grundschülern bestehende Gruppe zum Mitmachen auf. Denn die Kinder sollten auch ihre Lese- und Sprachkompetenz steigern. Die Mädchen und Jungen, von denen viele einen Migrationshintergrund haben, werden nämlich einmal in der Woche von ihren Lesepaten betreut. Darunter sind viele pensionierte Lehrer, aber auch die Gemeindepastorin und die Rektorin der St.-Jürgen-Schule unterstützen das Projekt. Jedes Kind hat ein Mal in der Woche Einzelunterricht. „Sie lernen ohne Konkurrenz und wir zeigen ihnen nicht so stark ihre Defizite auf, wie das manchmal in den Schulen oder in größeren Gruppen der Fall ist. Durch den Einzelunterricht wird jedes Kind optimal gefördert“, heißt es aus den Reihen der Ehrenamtlichen.

Neben dem Lernen, in dem vor allem das Lesen und Schreiben vermittelt wird, gibt es auch ein attraktives Rahmenprogramm. Vierteljährlich unternehmen alle Helfer mit den Kindern gemeinsam Exkursionen, wie zum Beispiel ins Theater, Museum- oder Kino. Gestern erkundeten die Lesekinder nun die Stadt. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele Schüler, oft solche mit einem Migrationshintergrund, aber auch Kinder aus deutschstämmigen Familien, ihre Heimatstadt kaum kennen“ sagt Hedwig Kuchenbecker, die das Projekt leitet und betont deshalb: „,Ich kann nur lieben was ich kenne’, das ist eine alte Erfahrung. Deswegen machen wir regelmäßig diese Touren, damit die Kinder sich hier auch wohl und zu Hause fühlen.“

Bei der anderthalbstündigen Führung lernten die Kinder alles über die Stadt, die für viele eine neue Heimat ist. „So viele Fragen kamen noch nie aus einer Gruppe“, freute sich Stadtführer Winfried Reiber nach der Tour. In der Tat, die Schüler waren sehr wissbegierig. Sie fragten was das Zeug hielt und glänzten mit ihrem Wissen, wann immer sie es anwenden konnten. Startpunkt war am Dom, von da aus ging es durch den Apothekergang auf den historischen Rathausmarkt, ehe die Gruppe das Rathaus selbst betrat. Nach einem kurzen Aufenthalt im alten Graukloster ging es weiter über den Holm und schließlich endete die Tour ebenda an der Schlei.

Dort bedankten sich die Schüler, die Schleswig fortan wohl mit anderen Augen sehen. In drei Monaten geht es für sie dann nach Segeberg, in den Kalkberg zu den Fledermäusen. Bis dahin aber wird weiter fleißig gelesen und geschrieben.

Rathaus heißt rückwärts übrigens „Suahtar“, aber das hatten die Kinder bereits nach wenigen Sekunden raus.

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