Ralf Stegner bei den SN : „Schleswig ist wichtig für die SPD“

„Es sind schwere Zeiten“: SPD-Landeschef Ralf Stegner (rechts) im Gespräch mit SN-Redaktionsleiter Alf Clasen.
„Es sind schwere Zeiten“: SPD-Landeschef Ralf Stegner (rechts) im Gespräch mit SN-Redaktionsleiter Alf Clasen.

Landesvorsitzender Ralf Stegner besucht die SN-Redaktion – und gibt seine Partei noch lange nicht verloren.

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22. Oktober 2018, 18:59 Uhr

Gut eine Woche lang hat Ralf Stegner während einer Reise durch die USA und Kanada neue Eindrücke gewinnen können. Gestern nun, einen Tag nach seiner Rückkehr, war für den Landes- und Fraktionsvorsitzenden der SPD wieder Basisarbeit angesagt. Neben Stippvisiten auf Schloss Gottorf und beim SovD-Ortsverein stand auch – gemeinsam mit der Schleswiger Landtagsabgeordneten Birte Pauls – ein Besuch in der SN-Redaktion auf dem Programm.

Dabei zeigte sich Stegner weder vom Jetlag noch vom anhaltenden Sinkflug der Sozialdemokraten ermüdet. „Dass über die SPD reihenweise Nachrufe geschrieben werden, sind wir ja gewohnt. Es sind auch durchaus schwere Zeiten, die wir gerade durchmachen. Aber man muss dabei kühlen Kopf bewahren – und das machen wir auch“, sagte Stegner, der einer von fünf stellvertretenden Bundesvorsitzenden seiner Partei ist. Leider würden die aktuellen Umfrageergebnisse nicht eins zu eins mit der geleisteten Arbeit der SPD als Teil der Großen Koalition im Bund korrespondieren. „Man wird nicht immer für das belohnt, was man leistet“, meinte er. Dabei seien die Regierungspartner vor Monaten noch auf einem guten Weg gewesen – „bis Seehofer mit dieser Geschichte mit dem Verfassungsschutz-Präsidenten anfing. Das hat auch uns als SPD massiv geschadet, da unterscheiden die Wähler nicht“.

Dass die Sozialdemokraten – trotz der Misere im Bund – aber auch Wahlen gewinnen könnten, hätten sie indes auf Landesebene in jüngster Zeit mehrfach unter Beweis gestellt. „Wir haben viele Bürgermeisterwahlen, etwa in Flensburg, Plön und zuletzt in Bad Bramstedt, für uns gewonnen“, betonte er. Auch für Schleswig wünsche er sich künftig wieder einen Verwaltungschef der SPD, der an die „hervorragende Arbeit“ anknüpfe, die einst Klaus Nielsky (Bürgermeister von 1990 bis 2002) für Schleswig geleistet habe. „Dies ist eine wichtige Stadt für uns“, sagte er mit Blick auf die im September kommenden Jahres anstehende Wahl.

Ob die SPD dann aber tatsächlich einen eigenen Kandidaten ins Rennen schickt, dazu wollte sich Stegner nicht äußern. Dass sie wie 2014 erneut Amtsinhaber Arthur Christiansen unterstützen wird, schloss zumindest Birte Pauls so gut wie aus. „Ich weiß, dass unsere Ratsfraktion nicht immer zufrieden mit seiner Arbeit ist. Wir alle haben uns vor fünf Jahren viel mehr von ihm versprochen“, sagte sie. Dass SPD-Fraktionschef Stephan Dose, der kürzlich gegenüber den SN eine eigene Kandidatur nicht ausgeschlossen hatte, begrüßte Pauls: „Er kann das!“ Sie schloss aber auch nicht aus, dass man sich mit anderen Ratsfraktionen auf einen gemeinsamen Kandidaten einigt. „Man muss als Bürgermeister einer Kreisstadt heutzutage viele Kriterien in sich vereinen. Da ist man gut beraten, genau hinzusehen, wenn es um die Auswahl der Kandidaten geht. Das muss passen“, sagte Stegner dazu und fügte an: „Man muss es mit der Parteipolitik auf kommunaler Ebene auch nicht übertreiben.“

Eindeutiger äußerte er sich hingegen zum Thema Theaterneubau in Schleswig. „Was da seit Jahren passiert, ist eine echte Tragödie für die Stadt“, meinte Stegner. Da hätte man sich für alle, die ein Herz für Schleswig haben, eine andere Entwicklung gewünscht, sagte er und nahm dabei in erster Linie die Ratsparteien in die Verantwortung: „Die Debatte um das Theater ist hier sehr kleinmütig und wenig kreativ geführt worden.“

Mehr Kreativität forderte er von seiner Partei indes auch auf Bundes- und europäischer Ebene. Man müsse die eigenen Themen und Ideale besser verkaufen. Allein auf neue Gesichter zu setzen, wie die Grünen es täten, reiche auf Dauer nicht aus.

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