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Neue LED-Laternen : „Schleswig ist ganz schön dunkel geworden“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Durch die neuen LED-Straßenlaternen spart die Stadt Geld. Doch einige Schleswiger klagen über das spärliche Licht.

Schleswig | Harald Fricke liebt seine abendlichen Spaziergänge. „Nach der Arbeit raus an die frische Luft – das tut gut“, sagt der Friseur, der Schleswigs ältesten Salon in dritter Generation führt. Dann dreht der 66-Jährige mit Dackel „Frieda“ seine Runden. Durch eine finstere Stadt. So jedenfalls empfindet es Fricke, wenn er die hell erleuchtete heimische Schubystraße verlässt und durch die Seitenstraßen marschiert.

Seit die Laternen im Stadtgebiet auf LED-Technik umgerüstet wurden, seien manche Bürgersteige nur noch schwach ausgeleuchtet, hat er festgestellt. „Nach unten leuchten die LED-Lampen ganz hell, aber teilweise sind die Masten so niedrig, dass das Licht kaum in die Breite streut“, sagt Fricke. Vor allem in den kleineren Nebenstraßen sei das der Fall – so wie zum Beispiel in der Angelner Straße, in die er den SN-Reporter zum Fototermin führt. „Schleswig ist ganz schön dunkel geworden.“ Die alten Peitschenlampen hätten einen wesentlich breiteren Lichtkegel gehabt.

Mehrere seiner Kunden teilten sein Empfinden, sagt Fricke. „Eine ältere Dame hat mir erzählt, dass sie abends gar nicht mehr rausgehen mag.“ Weil sie das Gesicht eines Entgegenkommenden nicht mehr erkennen könne und zudem Angst habe, an den dunklen Stellen zwischen den Laternenmasten zu stürzen. Eine andere Kundin aus Husum habe gar gespottet: „Husum ist die graue Stadt am Meer – und Schleswig die dunkle Stadt am Fjord.“

Fricke selbst ist gut zu Fuß und verspürt keine Angst, wenn er im Schummerlicht unterwegs ist. Aber auch er würde sich eine bessere Beleuchtung wünschen. „Nehmen Sie zum Beispiel den Lornsenpark. So ein schöner Platz, aber der ist sowas von dunkel. Das können Sie sich gar nicht vorstellen.“

Schleswig hatte das LED-Zeitalter vor fünf Jahren eingeläutet. Damals wurde damit begonnen, die Hochdruck-Quecksilberdampflampen zu ersetzen, die laut EU-Verordnung seit 2015 nicht mehr zulässig sind. Für knapp 1,3 Millionen Euro wurde in moderne, stromsparende LED-Leuchten investiert – zu 25 Prozent gefördert mit Geldern aus einem Klimaschutzprogramm des Bundes. Nachdem der Förderzeitraum zweimal verlängert werden konnte, hatten die Umweltdienste der Stadtwerke bereits bis zum Sommer 2014 fast 2400 Leuchten neu installiert. Mit einer jährlichen Ersparnis von 190.000 Euro beim Stromverbrauch, so die Rechnung, würde sich die Umrüstung bereits in wenigen Jahren amortisieren.

„Seinerzeit wurden zirka 70 Prozent der Leuchtmittel ausgetauscht“, erklärt Stadtsprecherin Antje Wendt jetzt auf SN-Nachfrage. „Es ist geplant, dass im Rahmen eines weiteren Förderprogrammes erneut ein Förderantrag gestellt wird.“  Nicht ausgetauscht wurden jedoch die Masten. Die Stadtwerke begründeten das damals damit, dass Messungen ergeben hätten, dass die LED-Lampen die Straßen ausleuchten würden. Doch dem ist vielerorts – zumindest gefühlt – nicht so.

Für Harald Fricke liegt die Schattenseite der modernen Technik allein in fehlenden oder zumindest zu niedrigen Laternenmasten begründet. Dass LED-Leuchten aus Gründen der Stromersparnis sinnvoll sind, daran zweifelt der Friseurmeister nicht.

Das tut auch der Seniorenbeirat der Stadt nicht. „Grundsätzlich treten wir aber für eine ausreichende Straßenbeleuchtung ein“, bekräftigt der Vorsitzende Hans-Uwe Stern. Denn: „Das ist ein Beitrag nicht nur zum Sicherheitsempfinden der Bürger, sondern zur tatsächlichen Sicherheit.“

Die Stadtverwaltung ist sich zumindest punktuell des Problems bewusst. Rathaussprecherin Wendt berichtet von einer Beschwerde aus dem Seekamp. Darauf habe man reagiert: In der Straße soll demnächst eine zusätzliche Straßenlaterne installiert werden.

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erstellt am 06.Feb.2017 | 12:09 Uhr

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