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Bildband von Peter Lukas : Schleswig im Wandel der Zeit

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Fotograf Peter Lukas hat alte und neue Fotos der Schleistadt gegenübergestellt.

von
erstellt am 09.Apr.2015 | 16:45 Uhr

Was macht ein nach Norwegen ausgewanderter Österreicher im Winter? Er nistest sich mit seinem Wohnschiff im Schleswiger Stadthafen ein, wühlt sich durch die Archive der Stadt, klingelt an etlichen Türen und macht noch mehr Fotos. Das Ergebnis dieser mühseligen Arbeit ist jetzt fertig: Ein einmaliger Bildband über Schleswig im Wandel der Zeit. „Veränderung“ hat Peter Lukas sein Buch genannt. Ganz so wie die sieben anderen, die in seiner gleichnamigen Serie bereits erschienen sind. Denn sie alle haben eines gemeinsam: Sie zeigen alte Aufnahmen einer Stadt – Postkarten und Fotos – denen Lukas neue gegenüberstellt. Jeweils aus dem gleichen Blickwinkel aufgenommen, möglichst bei den gleichen Lichtverhältnissen und zur selben Jahreszeit. „Genau das macht meine Bilder so glaubhaft. Denn nicht ich bestimme den Aufbau, sondern die zum Teil 100 Jahre alten Vorbilder. An die bin ich gebunden“, sagt der 45-Jährige Fotograf, der viele Jahre als Berufstaucher gearbeitet hat.

Mit dem Bildband über Schleswig hat Lukas jetzt erstmals eine Stadt außerhalb seiner Wahlheimat Norwegen in den Fokus genommen. Zunächst hatte er zwar auch mit Göteborg geliebäugelt. Dort jedoch, so erzählt er, habe er im städtischen Archiv mit seiner Idee nicht gerade offene Türen eingerannt. Anders in Schleswig, das er schon von früheren Besuchen kannte – und schätzte. Im Gemeinschaftsarchiv des Kreises und der Stadt sei er sehr freundlich beraten und mit historischem Bildmaterial ausgestattet worden. Dann ging es für ihn raus auf Schleswigs Straßen. Und nicht immer war es einfach, die richtigen Ecken zu finden, die auf den alten Fotos abgelichtet waren, denn vielfach hatte sich das Stadtbild radikal verändert. „Wo früher mit sehr viel Liebe gebaut wurde, stehen heute oftmals gesichtslose Neubauten, die man in jeder Stadt der Welt finden könnte. Ich spreche dann gerne von Architekturvandalismus“, sagt Lukas, der zwar insgesamt von der vielfach erhaltenen alten Bausubstanz in Schleswig schwärmt – gleichzeitig aber auch warnt: „Ich habe das Gefühl, dass diese Stadt gerade an einem Wendepunkt steht. Sie hat das Potenzial, weiter etwas ganz Besonderes zu sein. Entweder entscheidet sie sich dazu, eine Kulturperle zu bleiben, oder sie verfällt einer nichtssagenden Architektur, die nur auf Profit zielt.“

Was er damit meint, sieht man auf einigen der insgesamt 42 Bild-Paare, die sich in seinem Buch jeweils gegenüberliegen. Darunter gibt es aber auch Beispiele, die zeigen, dass manchen Ecken in der Stadt die Zeit nicht viel anhaben konnte. „So ein Buch zu machen, ist eine tolle Art und Weise, sich einem Ort ganz intim zu nähern. Dabei haben mir viele Schleswiger sehr geholfen. Auch das hat zu dieser tollen Erfahrung beigetragen“, sagt Lukas. So habe er an mehreren Privatwohnungen klingeln müssen, um aus einem Fenster heraus den richtigen Blickwinkel für die Fotos zu haben, etwa am Kornmarkt oder am Gallberg. „Die Leute waren neugierig und interessiert. Ich habe nie ein Nein gehört. Der gute erste Eindruck, den ich von Schleswig hatte, hat sich voll bestätigt.“

Ende April nun werden Peter Lukas und seine Frau Maria die Stadt wieder verlassen. Der nächste Bildband in der Reihe „Veränderung“ soll dann im norwegischen Kristiansand entstehen. Zudem hat Lukas den Auftrag erhalten, die Innenräume eine großen norwegischen Bohrinsel mit seinen Fotos zu gestalten. Jetzt freut er sich aber erste einmal, dass sein Schleswig-Bildband, den er seinem 2011 verstorben Bruder Rainer gewidmet hat, fertig ist. Denn: „Es ist mein bislang bester“, sagt er voller Überzeugung.

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