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Konzept für den Wassertourismus : Schleswig: Gefahr für den Schlei-Tourismus?

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Kreistag verabschiedet eine Resolution gegen das Konzept für den Wassertourismus des Bundes. Auch die Eider und der Giselaukanal sind betroffen.

Schleswig | Der Bundesverkehrsminister hat bereits im Mai ein Konzept für den Wassertourismus in Deutschland vorgelegt, das auch für die Region zwischen Ostsee, Schlei und Eider weit reichende Konsequenzen haben könnte. Schlei und Eider als Freizeit- oder naturnahe Wasserstraßen? Diese Terminologie klingt unverdächtig, nach der Auslegung des Berliner Ministeriums könnte es jedoch bedeuten, dass sich der Bund aus der Finanzierung von Unterhaltung und Schiffbarmachung der für die Region wichtigen Gewässer zurückzieht.

Die Folge wäre, dass damit die Durchfahrbarkeit nicht mehr gewährleistet wäre – mit negativen Folgen für den Tourismus. Davor warnten in der gestrigen Kreistagssitzung die Sozialdemokraten. Sie legten eine entsprechende Resolution vor, die von allen Fraktionen geteilt und einstimmig auf den Weg gebracht wurde.

Das Konzept aus dem Hause von CSU-Verkehrsminister Alexander Dobrindt zielt darauf ab, 2800 von insgesamt 7500 Kilometern Bundeswasserstraßen mitsamt 120 Wehranlagen und 140 Schleusen in so genannte Freizeit- und naturnahe Wasserstraßen, die nicht oder nur für „muskelgetriebenen“ Wassersport genutzt werden können, umzuwidmen und unter eine eigene Verwaltung mit eigenem Etat zu stellen.

Der Bund würde sich dann vornehmlich auf für Güterverkehr und die Berufsschifffahrt wichtige Wasserwege konzentrieren. Die übrigen Gewässer würden je nach ihrer Bedeutung für Freizeit und Tourismus in fünf Kategorien klassifiziert und möglicherweise in die Obhut von Ländern und Kommunen gegeben, zum Teil auch der Renaturierung überlassen.

Von diesen Änderungen betroffen wären nach Ansicht der SPD auch die Eider und der Gieselau-Kanal, der für Freizeitskipper die Verbindung von Nord- zur Ostsee sicherstellt, sowie die Schlei. Denn deren Bedeutung für Wassersport und Tourismus wird nur noch als „mittel“ beziehungsweise „gering“ eingestuft. „Das Geld ginge dann nach Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, nicht aber nach Schleswig-Holstein“, befürchtet die SPD-Abgeordnete Petra Schulze, die den Vorstoß erläuterte, der auch von anderen Kreisen getragen wird.

In der Resolution fordert der Kreistag das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) auf, „aus wirtschaftlichen sowie kulturhistorischen Gründen und wegen seiner Verantwortung für Sicherheit und Leichtigkeit des Schiffsverkehrs“ den Erhalt und die Funktionsfähigkeit der drei Bundeswasserstraßen „mindestens im derzeitigen Umfang nachhaltig zu gewährleisten“. Dabei sei die Durchfahrbarkeit des Giselaukanals von entscheidender Bedeutung und seine Einstufung als „unwirtschaftlich“ nicht nachvollziehbar.

Adressat der Resolution ist nicht nur das Dobrindt-Ministerium, auch die Landesregierung wird aufgefordert, sich für die touristischen Belange im Norden einzusetzen. Weil eine Entwidmung ihrer Zustimmung bedarf, fordert der Kreistag Kiel auf, diese zu verweigern und alles zu tun, um den Bund zur Aufrechterhaltung der derzeitigen Nutzungsmöglichkeiten zu verpflichten. In die Pflicht genommen werden auch die Bundestagsabgeordneten aus Schleswig-Holstein.

„Wir wollen nicht, dass der Wassertourismus bei uns trockengelegt wird“, betonte Schulze und erinnerte daran, dass der Schlei bereits vor zwei Jahren eine Herabstufung in ihrer Bedeutung drohte und sich die Anrainergemeinden erfolgreich dagegen wehrten. Und sie hob sowohl die drohenden Einbußen für Hotelerie und Gastronomie als auch große Entwicklungspotenziale im Tourismus hervor, die nicht gefährdet werden dürften.

„Dieser Antrag ist richtig, wichtig und gut“, betonte Carsten-Peter Brodersen (FDP) und signalisierte sofort die Zustimmung seiner Fraktion. Gleiches galt für CDU-Fraktionschef Walter Behrens und Klaus-Dieter Wagner (Freie Wähler). SSW-Mitglied Rainer Wittek erklärte, es wäre „ein schwerer Schlag für den Tourismus“, würden die Pläne Dobrindts wie geplant umgesetzt.

Allein sind die Politiker in den Kreisen im Norden des Landes mit ihren Befürchtungen nicht. Tourismusorganisationen, Industrie- und Handelskammern sowie Wassersportverbände aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein machten bereits mit einem Offenen Brief auf die Risiken für den Fremdenverkehr durch das „Wassertourismuskonzept“ und das korrespondierende Renaturierungsprogramm „Blaues Band Deutschland“ aufmerksam.  

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erstellt am 15.Dez.2016 | 11:00 Uhr

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