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Schleswiger Nachrichten

22. Oktober 2017 | 19:08 Uhr

Schleswig braucht sich nicht neu zu erfinden

vom

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2013 | 03:59 Uhr

"Amerikas letzte Chance: Warum sich die Weltmacht neu erfinden muss." - "Glaubensverlust - Warum sich das Christentum neu erfinden muss." - "Rettet den Euro: Warum wir Deutschland und Europa neu erfinden müssen." Das sind nur drei Beispiele aus über 2000 Artikeln der boomenden Sich-neu-erfinden-Branche. Alter, Liebe, Medien sollen sich neu erfinden. Warum nicht gleich "das Leben" neu erfinden? Schade, auch dieses Buch zum Thema gibts bereits.

Allerdings ist höchste Skepsis, höchste Vorsicht angesagt, wenn jemand allein durch nachhaltiges Drücken der "Reset"-Taste eine wirkliche Veränderung zum Besseren herbeiführen will. Das funktioniert eigentlich allein beim Film. Hitchcock soll seine Schauspieler zwei Dutzend Mal auf ihre Ausgangspositionen zurückgescheucht haben. Auch mein ehemaliger Kollege, der "stern"-Chefredakteur Peter Koch, muss sich wie im Kino gefühlt haben, als er von genau 30 Jahren verkündete, die Geschichte des Dritten Reiches müsse "teilweise umgeschrieben" werden. Was fürn Quatsch, bei den so simpel gefälschten Hitler-Tagebüchern.

Und damit nach Schleswig. Auch hier gibt es neuerdings Menschen, die ganz neu meinen, Schleswig müsse sich neu erfinden. Sie meinen das, sie sagen es nicht. Was sie sagen, klingt etwa so: Schleswig sei eine verschlafene Stadt, ein Dornröschen, das eigentlich nur auf seinen Macher-Prinzen warte.

Doch auch dieses Generalurteil (partiell mag es berechtigt sein) ist Kappes, wie man das im Rheinland nennen würde. Es ist schlicht und einfach so pauschal wie falsch. Denn diese kleine Stadt mit ihrer großen Geschichte, man kann es nicht genug betonen, hat ein enormes Potenzial - das nur nicht professionell, nachhaltig und geschickt genug genutzt wird. Hier muss nichts neu erfunden, umgeschrieben oder wachgeküsst werden. Statt dessen möge man mit Mut, Beharrlichkeit und strategischer Weitsicht zu Werke gehen. Etwa bei der anstehenden Entscheidung für das Stadttheater auf dem Hesterberg. Oder bei der Standortwahl für den Neubau der Schwimmhalle.

Aber dass in Schleswig und an der Schlei sozusagen nichts los wäre, das wird niemand, der sich auch nur halbwegs auskennt, behaupten wollen. Oder umgekehrt: Wer so etwas behauptet, sollte sich vorher schlau gemacht haben. An diesem Wochenende besteht eine gute Gelegenheit dazu, auch von Flensburg aus.

Da wird auf der Schlossinsel nicht nur Deutschlands größter und facettenreichster Landmarkt zelebriert, jetzt schon zum 14. Mal. Sondern im Innenhof des Schlosses sind (ab 12 Uhr) auch die Landestheater-Protagonisten auf der Bühne und wird der aktuelle wie der künftige Baummaler ausgelobt. Zwischen 14 und 16 Uhr heißt die Devise wieder "Kunst & Krempel". Und am Internationalen Museumstag öffnet die neu gestaltete Galerie der Gegenwart im Ostflügel der Sammlung Horn ihre Pforten. Verschlafen sollte man dieses geballte Bio- und Kulturpaket auf keinen Fall.

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