Keine Flagge Hissen : Schleswig beteiligt sich nicht am Tibet-Tag

Harald Lucius von der Regionalgruppe der „Tibet Initiative Deutschland“ mit der Flagge des asiatischen Landes.
Harald Lucius von der Regionalgruppe der „Tibet Initiative Deutschland“ mit der Flagge des asiatischen Landes.

Das Rathaus untersagt am internationalen Solidaritätstag das Hissen der Flagge des besetzten Landes.

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03. März 2018, 15:00 Uhr

In Rendsburg ist es seit Jahren eine Selbstverständlichkeit. Als Zeichen der Solidarität mit dem tibetischen Volk und seinem gewaltlosen Widerstand gegen die chinesische Besatzungspolitik zeigt die Stadt – im wahrsten Sinne des Wortes – Flagge. Am weltweiten Solidaritätstag, dem 10. März (dem 58. Jahrestag des tibetischen Volksaufstands), wird auf Anfrage der „Tibet Initiative Deutschland“ vor dem Neuen Rathaus die Flagge des besetzten Landes gehisst. Bundesweit beteiligen sich auch viele andere Städte an der Aktion – von Husum bis Füssen im Allgäu.

Im Schleswiger Rathaus allerdings stieß die Regionalgruppe der Initiative auf taube Ohren. „Wir wissen um die Situation in Tibet und sehen die Not dort, aber auch für andere weltweite Krisenherde. Doch die Unterstützung entsprechender Initiativen ist nicht die Aufgabe einzelner Kommunen, sondern eine außenpolitische Frage. Daher wird sich die Stadt nicht an dieser Aktion beteiligen“, erklärt Rathaussprecher Eric Gehrke auf SN-Nachfrage.

Diese Antwort kennt auch Harald Lucius schon. Verstehen, das betont der Sprecher der Tibet-Regionalgruppe, könne er sie allerdings nicht. Andere Städte hätten schließlich kein Problem damit. „Wir hatten eine Info-Aktion auf dem Wochenmarkt auf dem Stadtfeld geplant und wollten dann zum Europaplatz am Gottorfknoten gehen und dort die Flagge hissen“, sagt Lucius. Das sei durch die Absage der Stadt nun leider vom Tisch. Unterkriegen lassen wolle man sich dadurch aber nicht.

Stattdessen ist nun geplant, dass am Tibet-Solidaritätstag, also heute in einer Woche, ein Infostand auf dem Capitolplatz aufgebaut wird, an dem Lucius und seine Mitstreiter über das seit 1949/50 von China besetzte Land aufklären wollen. Denn: Die Welt dürfe nicht vergessen, dass dort – im Hochland Zentralasiens – ein ganzes Volk unterdrückt werde, sagt Lucius.

Der Leiter der Schmerzambulanz im Schleswiger Helios-Klinikum setzt sich schon seit vielen Jahren für Tibet ein und ist praktizierender Buddhist. Als er als junger Mann in der Schweiz lebte, wo es die größte Gemeinde von Tibetern in Europa gibt, habe er einen Freund gehabt, der aus dem Land stammt. Seitdem habe ihn das Thema nicht mehr losgelassen. Die Nachbarländer Nepal und Bhutan habe er bereits bereist, bald sei sicherlich auch Tibet an der Reihe, „auch wenn es gar nicht so einfach ist, dort einzureisen“.

Nun aber steht erst einmal die Solidaritätsveranstaltung im Mittelpunkt. In deren Rahmen wolle man auch Unterschriften sammeln und an den Dachverband weiterleiten. „Vielleicht werden wir Kopien davon auch dem Schleswiger Bürgermeister überreichen. Damit er es sich beim nächsten Mal doch noch anders überlegt.“

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