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Stadtwerke kaufen die „Heimat“ : Schleswig bekommt eine Stadthalle

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das ehemalige Mannschaftsheim soll zum Kulturzentrum werden – eine Spielstätte auch fürs Landestheater.

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erstellt am 24.Nov.2015 | 19:10 Uhr

Lange Zeit schien es, als würde sich die Schleswiger Kommunalpolitik in der Theaterfrage wohl niemals einigen können. Am Montagabend nun saßen Vertreter aller Ratsfraktionen in der Stadtwerke-Zentrale zusammen – und nickten einhellig einen Deal ab, der den Durchbruch auf dem Weg zu einer kulturellen Multifunktionshalle bedeuten dürfte: Demnach werden die Stadtwerke – oder genauer: die zum Stadtwerkeverbund gehörende Schleswiger Kommunalbetriebe GmbH – das Varietétheater „Heimat“ kaufen. Dort soll ein Kulturzentrum entstehen, das nicht nur den Fortbestand des Varietétheaters in der Schleistadt sichert, sondern den Plänen zufolge auch als Spielstätte für das Landestheater dienen wird.

Das ehemalige Mannschaftsheim auf der Freiheit, in dem Mario Hoff seit 2012 die „Heimat“ betreibt, gehört der Projektentwicklungsgesellschaft Team Vivendi. Deren Geschäftsführer Volker Schlüschen bestätigte auf SN-Nachfrage gestern kurz und knapp: „Team Vivendi GmbH & Co. KG ist bereit zu verkaufen.“ Der Preis für die Immobilie inklusive zweier Grundstücke mit einer Fläche von insgesamt 21  000 Quadratmetern beträgt dem Vernehmen nach eine Million Euro. Experten bezeichnen den Zustand des voll unterkellerten Mannschaftsheims als gut.

Er gehe davon aus, dass die Tinte unter dem Kaufvertrag noch vor Weihnachten trocken sein werde, erklärte Stadtwerke-Chef Wolfgang Schoofs. Allerdings wies er darauf hin, dass zuvor die Ratsversammlung in ihrer nächsten Sitzung am 14. Dezember dem Vorhaben zustimmen muss. Vier Tage vorher befasst sich zunächst der Aufsichtsrat der Stadtwerke mit dem Deal.

„Für die Stadt ist das ein Gewinn und eine Riesenchance“, sagte Bürgermeister Arthur Christiansen den SN. „Wir haben nun die Perspektive für eine Multifunktionshalle.“ Und SPD-Fraktionschef Stephan Dose erklärte: „Wir kommen damit dem Ziel näher, dass Schleswig eine Spielstätte erhält, in der sowohl Theater gespielt werden kann als auch andere Veranstaltungen wie zum Beispiel das Angebot der ‚Heimat‘ oder größere Veranstaltungen stattfinden können.“ Klar sei allerdings, „dass der kommerzielle Teil sich wirtschaftlich tragen muss“. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Holger Ley sprach von einem Vorhaben, das zu Schleswig passe. „Wir brauchen eine Lösung, die in kleinen finanziellen Schritten das Ziel anpeilt.“ Mittelfristig sei in der „Heimat“ dann auch Theater möglich. Zudem könne er sich vorstellen, dass in dem Gebäude auch das Freie Kultur- und Kommunikationszentrum (FKKZ) eine neue Bleibe finden wird.

Wie viel Geld die energetische Sanierung und ein eventueller Umbau des Gebäudes verschlingen wird, ist noch unklar. Hier schwanken die Schätzungen zwischen zwei und fünf Millionen Euro. An den Bau eines Bühnenturms ist jedoch nicht gedacht.

Unklar ist auch, wann das Landestheater die „Heimat“ als neue Spielstätte nutzen kann. Bürgermeister Christiansen wies darauf hin, dass dafür erst die planungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden müssten. Aktuell gebe es für den östlichen Teil des ehemaligen Kasernenareals keinen Bebauungsplan. Klassisches Theater dürfe nach geltender Rechtslage in der „Heimat“ nicht gespielt werden. Christiansen geht davon aus, dass das Landestheater für einen Zeitraum von bis zu sechs Jahren in der Interimsspielstätte Slesvighus bleiben muss. Allerdings werde er den Willen der Politik beherzigen, in den Verhandlungen mit dem dänischen Kulturverein SSF ein kurzfristiges Kündigungsrecht auszuhandeln. Derzeit zahlt die Stadt 175  000 Euro im Jahr, damit das Landestheater das Slesvighus nutzen kann.

Geplant ist, dass für das künftige Kulturzentrum eine Betreibergesellschaft gegründet wird. Geschäftsführer dürfte Wolfgang Schoofs werden, für den Posten des künstlerischen Leiters besitzt Mario Hoff die besten Karten. Spätestens mit den angepassten Gesellschaftsverträgen seien die Stadtwerke berechtigt, Flächen zu erwerben, die der allgemeinen Daseinsvorsorge dienen, wie CDU-Fraktionschef Ley bestätigte. Auch andernorts gibt es Stadtwerke, die eine Stadthalle betreiben, so zum Beispiel im niedersächsischen Verden.

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