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Am Rande der Pleite : Schleswig bangt um Strauss-Filiale

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Warenhauskette Strauss ist in finanzieller Not: Der Verkauf geht vorerst normal weiter – doch dem Schleicenter droht der Verlust eines Zugpferdes.

von
erstellt am 01.Feb.2014 | 07:45 Uhr

Nach einer bevorstehenden Pleite sieht das nicht aus. Bei Strauss Innovation im Schleswiger Schleicenter herrschte gestern reger Betrieb. Etliche Kunden stöberten auf der Suche nach Schnäppchen durch das Einrichtungs- und Bekleidungsgeschäft. Schließlich hat der Einzelhandel zum Winterschlussverkauf geblasen. Doch die vielen Rabatte, mit denen Strauss um Kunden buhlt, gelten nun als ein wesentlicher Grund dafür, warum die Warenhauskette in finanzielle Schieflage geraten ist. Das Unternehmen mit Hauptsitz im rheinländischen Langenfeld hatte am Donnerstag beim Amtsgericht Düsseldorf Antrag auf Eröffnung eines sogenannten Schutzschirmverfahrens gestellt. Bis Ende März muss nun ein Sanierungsplan vorgelegt werden. Alle bundesweit 96 Filialen blieben zunächst geöffnet, bekräftigte gestern ein Strauss-Sprecher.

Die Schleswiger Filialleiterin Karin Jesse und ihre neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollten sich nicht zu der prekären Situation äußern. Die Konzernspitze hat ihren Beschäftigten einen Maulkorb verpasst.

Viele Kunden reagierten indes besorgt auf die Nachricht von einer drohenden Insolvenz. „Ich kaufe vor allem gerne Sachen zur Dekoration bei Strauss. Sie haben oft Dinge, die man woanders nur sehr schwer findet“, sagte etwa Tanja Priebus aus Schleswig. Und Iris Berndt meinte: „Hier in Schleswig gibt es ja leider nicht mehr so viele Einkaufsmöglichkeiten.“

Tatsächlich ist die Strauss-Filiale eines der wenigen Zugpferde im Schleicenter, in dem große Verkaufsflächen seit geraumer Zeit leer stehen. Die Nachricht von den Zahlungsschwierigkeiten hat auch die Betreiberin der Einkaufspassage, die AVW Immobilien AG aus Hamburg, überrascht, wie Sprecher Dirsko von Pfeil gegenüber den SN erklärte. „Ich hatte eigentlich das Gefühl, dass sich Strauss in den letzten zwei Jahren mit seinem Warenangebot besser aufgestellt hatte als zuvor.“ Er sei dennoch „weiterhin guter Dinge“, dass Strauss im Schleicenter bleibe. Das Geschäft sei für den Standort von großer Bedeutung, räumte von Pfeil ein. Und: „Es gibt genügend Beispiele dafür, dass sich Firmen unter einem Schutzschirm wieder berappeln.“

Ob endlich auch mal wieder neues Leben in das Schleicenter einzieht – dazu machte der AVW-Sprecher nur vage Angaben. „Wir sind für jede Fläche in Gesprächen und Verhandlungen“, sagte von Pfeil. Er wolle jedoch keine Wasserstandsmeldungen abgeben. Von insgesamt 9000 Quadratmetern der Einkaufspassage sind weite Teile verwaist, seit sich der Supermarkt Marktkauf, die Drogeriekette Rossmann, das Sportgeschäft von I.D. Sievers sowie die Bäckerei Allwörden in den vergangenen Jahren zurückgezogen haben.

Sollte nun auch noch Strauss seine Türen schließen, wäre das ein herber Schlag für das Schleicenter. Sabrina Kortz, die gestern durch die Passage bummelte, befürchtet, dass der Trend nicht aufzuhalten ist: „Das Internet ist einfach ein zu starker Konkurrent für Geschäfte wie Strauss.“

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