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Aus dem Schleswiger Amtsgericht : Schlangenlinien auf der A7: 600 Euro Geldstrafe

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Autofahrer fühlt sich von einem Fernbus bedrängt – und greift zu rabiaten Gegenmaßnahmen.

von
erstellt am 27.Dez.2016 | 08:30 Uhr

Es war eine Szene, die vielen Fahrgästen im Fernbus von Flensburg nach Berlin den Atem stocken ließ: Auf der A7 in der Höhe von Bollingstedt bremste ein weißer Peugeot-Kastenwagen mehrmals ab und fuhr in Schlangenlinien zwischen Standstreifen und Überholspur hin und her. „Wie bei einem Elchtest“, sagte der Busfahrer, ein 62-jähriger Mann aus Neumünster.

Der Fahrer des Kastenwagens musste sich nun wegen Nötigung vor dem Schleswiger Amtsgericht verantworten. Es kommt selten vor, dass die Beweislage gegen einen mutmaßlichen Verkehrsrowdy so klar ist wie in diesem Fall. Kurz nach dem Vorfall hatte die Polizei die Zeugenaussagen von 15 Fahrgästen aus dem Bus notiert. Einer von ihnen hatte den letzten Teil der Szene mit seinem Handy gefilmt. So dauerte es nicht lange, bis der Angeklagte – zumindest in groben Zügen – zugab, dass er wohl überreagiert habe an jenem Tag im März dieses Jahres.

Angefangen hatte es damit, dass der Busfahrer den Kastenwagen überholen wollte. „Als ich zurück auf die rechte Spur wechseln wollte, sah ich im Rückspiegel, dass der Wagen immer noch neben mir war. Er muss zwischendurch beschleunigt haben“, meinte der Busfahrer. Zu diesem Zeitpunkt habe er aber mit den Reifen höchstens die gestrichelte Mittellinie berührt, sei aber noch auf der linken Spur gewesen.

Der Kastenwagen-Fahrer, ein 44-jähriger Familienvater aus Baden-Württemberg, hatte das offenbar anders wahrgenommen. Er sei vom Bus auf den Standstreifen abgedrängt worden. „Ich habe so einen Schock noch nie erlebt“, sagte er. „Ich habe mir fast die Hose vollgeschissen.“

Den Schock verarbeitete er, indem er den Fernbus ausbremste. Der Busfahrer beschrieb vor Gericht, wie er versuchte, den Überholvorgang abzubrechen. „Ich sah im Rückspiegel, wie sich hinter uns ein Stau bildete.“ Aber auf die rechte Spur habe er zunächst nicht zurückwechseln können – immer wieder verhinderte das der Kastenwagen-Fahrer mit seinen Schlangenlinien.

Der Busfahrer rief die Polizei, die sofort ausrückte und den Kastenwagen vor der Rader Hochbrücke stoppte. Das Amtsgericht verurteilte ihn nun zu einer Geldstrafe in Höhe von 60 Tagessätzen. Für den Hartz-IV-Empfänger entspricht das einer Summe von 600 Euro. Außerdem verhängte das Gericht ein einmonatiges Fahrverbot.

Der Angeklagte zeigte sich mit der Strafe grundsätzlich einverstanden. Sein Verteidiger kündigte dennoch an, in Berufung zu gehen – aber nur, um Zeit zu gewinnen, bis das Fahrverbot in Kraft tritt. Denn noch bis zum kommenden Frühjahr absolviert sein Mandant eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer. Ohne Führerschein müsste er sie wohl abbrechen.

Für ihn war der Termin in Schleswig übrigens nicht der erste Kontakt mit dem Strafrecht. Sein Vorstrafenregister enthält acht Einträge wegen Betrugs, Urkundenfälschung, Beleidigung und fahrlässiger Körperverletzung.

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