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Schleswiger Nachrichten

16. Dezember 2017 | 10:34 Uhr

Schleswig : Schlammschlacht ums Milchwerk

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Deutsche Milchkontor hat seine Fabrik im Gewerbegebiet St. Jürgen stillgelegt. Jetzt streiten die Projektentwickler Marco Iwersen und Volker Schlüschen um die Immobilie – mit harten Bandagen.

von
erstellt am 04.Sep.2014 | 17:11 Uhr

Das Deutsche Milchkontor (DMK) hat die Produktion in seinem Werk an der Schleidörferstraße eingestellt. Jetzt ist ein bizarrer Streit um die Zukunft des einstigen Butterwerks im Gewerbegebiet St. Jürgen entbrannt.

Der Flensburger Projektentwickler Marco Iwersen hatte die Industrie-Immobilie bereits vor geraumer Zeit von DMK gekauft. Nun wollte er das Werk vertragsgemäß mit Beginn des Septembers an diesem Montag übernehmen. Doch diesen offiziellen Akt verweigerte Iwersen, weil DMK kurzerhand sämtliche Produktionsanlagen ausgebaut hat. „Es steht nur noch die Gebäudehülle.“ Und diese Tatsache verhagelt dem Projektentwickler die geplante Nachnutzung des Werkes.

Die Fabrik, in der zuletzt Molkepulver hergestellt wurde, wollte Iwersen an ein „Milch-nahes“ Unternehmen aus Schleswig-Holstein weiterverkaufen. Dieses habe die Produktionsanlagen nutzen, schon in Kürze in den Standort investieren und bis zu 40 Arbeitsplätze schaffen wollen. Nun aber habe es das Interesse an dem Kauf verloren. Nach SN-Informationen handelt es sich um die Firma Lactoprot aus Kaltenkirchen, die sich auf die Produktion von Kaseinaten spezialisiert hat. Kasein ist Bestandteil von Rohmilch.

Das Deutsche Milchkontor hatte offenbar wenig Interesse, einem Konkurrenten aus der Branche die Produktionsanlagen zu überlassen. Auf Nachfrage unserer Zeitung teilte die in Bremen ansässige DMK-Zentrale mit, dass mit dem Käufer des Schleswiger Werks vereinbart worden sei, „dort künftig keine industrielle Milchverarbeitung mehr zu betreiben“. Und weiter heißt es in der Stellungnahme: „DMK ist nach dem Kaufvertrag berechtigt, Produktionsanlagen und Zubehör auszubauen und zu entfernen.“

Für Marco Iwersen ist Kasein lediglich ein „Milch-Nachfolgeprodukt“. Es habe „mit industrieller Milchproduktion nichts mehr zu tun“. Die Schuld an dem Dilemma weist er aber einem anderen Projektentwickler zu: Volker Schlüschen. Und damit wird die Angelegenheit erst richtig brisant.

Zum Hintergrund: Nachdem Iwersen im Frühjahr mit seinem Plan gescheitert war, ein großes Möbelhaus an den Standort zu lotsen (wir berichteten), hatte er Anfang Juni einen Vertrag mit der Hamburger „Sealine Real Estate GmbH“ geschlossen. Einer der drei Inhaber ist Volker Schlüschen, Chef der Schleswiger Projektentwicklungsgesellschaft Team Vivendi (Auf der Freiheit).

Doch parallel zog Iwersen mit Lactoprot den vermeintlich besseren Fisch an Land – und kündigte drei Tage vor Werksübergabe den Vertrag mit Sealine. Dabei beruft sich der Flensburger auf mehrere Vorfälle im Vorfeld, die zur Verletzung der vertraglichen Treuepflicht geführt hätten. „Aus meiner Sicht ist Herr Schlüschen nicht mehr vertrauenswürdig.“ Auch sei dieser nicht in der Lage, das Objekt zu bezahlen.

Iwersen ist überzeugt, dass Schlüschen von den Verhandlungen mit Lactoprot Wind bekommen und dies DMK mitgeteilt hat. Erst daraufhin seien die Anlagen kurzfristig demontiert worden. Iwersen: „Elf Tage vor der Werksübergabe war noch alles da.“

Schlüschen weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe vehement zurück. Er besteht darauf, das Milchwerk zu übernehmen. Zugleich wirft er Iwersen ein „unterirdisches Geschäftsgebaren“ vor und droht mit rechtlichen Schritten.

Iwersen wiederum fragt sich, warum Bürgermeister Arthur Christiansen den Ausbau der Produktionsanlagen nicht verhindert hat. Sowohl die Stadtverwaltung als auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Wireg waren in die Gespräche über eine mögliche Nachnutzung involviert. Iwersen: „Der Rückbau erfolgte ohne Genehmigung.“

Diese Auffassung teilt Christiansen nicht. Die Bauaufsicht habe nichts zu beanstanden gehabt, erklärte er auf SN-Nachfrage. Die Schlammschlacht der beiden Projektentwickler verfolgt der Bürgermeister mit Kopfschütteln. Am Schwarzer-Peter-Spiel will er sich nicht beteiligen. Er bedauere jedoch, dass eine nahtlose Weiternutzung des Milchwerks nun nicht mehr möglich sei.

Was Volker Schlüschen mit dem Milchwerk plant, ist indes unklar. „Ich werde mich erst dazu äußern, wenn der Kaufvertrag durchgezogen ist.“ Die meisten Gebäude seien aber ohnehin nicht mehr zu gebrauchen und müssten abgerissen werden, sagt er. Doch jetzt sind sowieso erst einmal die Juristen am Zug.

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