Schleswig : Schilf-"Toupet" soll Möweninsel retten

Die Holmer Fischer und das Technische Hilfswerk nahmen die Schilf-Inseln ins Schlepptau und bugsierten sie vorsichtig zu ihrem Ziel.
1 von 2
Die Holmer Fischer und das Technische Hilfswerk nahmen die Schilf-Inseln ins Schlepptau und bugsierten sie vorsichtig zu ihrem Ziel.

Holmer Fischer, Umweltdienste und Technisches Hilfswerk verfrachten Teile des Burgsee-Grüngürtels zum Eiland in der Schlei

Avatar_shz von
07. Februar 2013, 10:29 Uhr

Schleswig | Die Holmer Fischer sind ihrem Wunsch nach einer Stabilisierung der Möweninsel gestern einen großen Schritt näher gekommen. Mit Unterstützung des Technischen Hilfswerks schleppten sie fast 200 Quadratmeter Schilf - aufgeteilt in etwa 50 Stücke - vom Burgsee zu dem Eiland inmitten der Schlei. Arbeiter der Umweltdienste befestigten die Pflanzen auf der Sandbank, die im vergangenen Jahr im Zuge des Stadthafenausbaus direkt an der Möweninsel aufgeschüttet worden war.

Eingepflanzt wurde das Schilf nicht. "Das muss auch nicht sein", sagt Umweltdienste-Koordinator Arne Kähler, der ebenfalls mit anpackte. Das Schilf wurde direkt am Ufer niedergelegt und lediglich mit Pfählen gesichert - wie ein Toupet, das auf einer Glatze mit Klebestreifen befestigt wird. Im Gegensatz zu einem künstlichen Haarteil soll das Schilf jedoch schnell Wurzeln entwickeln - und jede Menge Ableger bilden. Die Holmer Fischer können das kaum erwarten. Harald Ross, Ältermann der Fischerzunft, nennt den Grund: "Wir schaffen auf diese Weise einen neuen Laichplatz für unsere Fische. Das ist dringend erforderlich, weil der alte Schilfgürtel der Möweninsel in den vergangenen Jahren sehr gelitten hat."

Diese Meinung teilt Eberhard Henning vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz. Seine Behörde fördert die Aktion auch noch aus einem anderen Grund: "Wir stabilisieren nicht nur die landeseigene Möweninsel und schaffen neue Laichplätze, sondern wir bringen gleichzeitig den Burggraben auf Vordermann", erklärt er. Denn das Schilf hatte sich dort in den vergangenen Jahren so stark ausgebreitet, dass die Sauerstoffzufuhr von der Schlei zum Burggraben nicht mehr gewährleistet war. Das überflüssige Schilf vor dem Schloss findet daher nun auf der Möweninsel eine sinnvolle Verwendung.

Doch bis es soweit war, mussten alle Helfer Knochenarbeit leisten. Bereits am Dienstag hatten die Fischer kleine Schilfinseln vom Bestand auf dem Burgsee und am Burggraben abgestochen. Gestern Morgen wurde dann die Schleuse unter dem Gottorfer Damm geöffnet, die den Burggraben von der Schlei trennt. Da der Pegel im Burggraben 45 Zentimeter über dem der Schlei lag, entstand prompt eine starke Sogwirkung, die die einzelnen Schilf-Inseln innerhalb kurzer Zeit auf die Schlei hinausspülte. "Das ging schneller als gedacht. Die mussten wir alle wieder einfangen", scherzt Fischer Matthias Nanz. Sowohl die Fischer als auch das Technische Hilfswerk nahmen die Schilfteile ins Schlepptau und beförderten sie vorsichtig zur Möweninsel. Dort wurden die bis zu einer Tonne wiegenden Schilfinseln in handliche Teile zerschnitten. Arne Kähler: "Sonst hätten wir sie niemals an Land ziehen können."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen