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Schleswig : Schadstoffe im Untergrund des Stadttheaters

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Stadtheater in Schleswig soll abgerissen werden. Doch jetzt ist ein neues Problem aufgetaucht. Im Wasser der artesischen Brunnen unter dem Gebäude wurden giftige Stoffe entdeckt. Die Herkunft ist unklar.

shz.de von
erstellt am 07.Okt.2013 | 10:00 Uhr

Schleswig | Der Abriss des Stadttheaters wird sich weiter verzögern. Wie das Bauamt jetzt bekannt gab, wurden bei der Kontrolle der artesischen Brunnen unter dem Gebäude aromatische, phenolische und heteroaromatische Verbindungen entdeckt, zum Beispiel Steinkohlenteer. Die giftigen Schadstoffe sind teilweise in sehr hohen Konzentrationen vorhanden und müssen fachgerecht entsorgt werden. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung des Universitätsklinikums. Die Stadt hatte den Kieler Experten eine Probe des Brunnenwassers zur Verfügung gestellt.

Von artesischen Brunnen spricht man dann, wenn Wasser durch Überdruck des Grundwassers selbsttätig aufsteigt. Welchen Weg das Wasser jedoch zuvor genommen hat, ist nicht immer eindeutig. Umso schwieriger wird zu ermitteln sein, von wem die Verschmutzung verursacht worden ist. In kommunalpolitischen Kreisen hatte man einen Verdacht allerdings schnell zur Hand. Nur wenige Meter von dem Gelände des Theaters entfernt – zwischen Schleistraße und Theaterstraße – befand sich bis Ende der neunziger Jahre eine Tankstelle. Während Mineralölbetriebe heute durch bauliche Vorkehrungen sicherstellen müssen, dass Kraftstoffe und Öle nicht auf ihrem Grundstück versickern können, gab es diese Sicherheitsvorschriften beim Bau jener Tankstelle noch nicht.

Über die Verschmutzungen setzte das Bauamt die in der Kreisverwaltung angesiedelte Untere Naturschutzbehörde in Kenntnis. Mit den Umweltfachleuten wurde das weitere Vorgehen abgestimmt. Demnach ist es mit einem Abpumpen des verseuchten Wassers nicht getan. Die betroffenen artesischen Brunnen müssen zudem gereinigt werden.

Wann mit dem Abriss des Gebäudes begonnen werden kann, steht indes noch nicht fest. Entsprechende Nachfragen von Kommunalpolitikern konnten die Vertreter des Bauamtes in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung nicht beantworten. Ebenso offen blieb die Frage nach den Kosten. Allerdings kündigte das Bauamt an, zur nächsten Sitzung des Gremiums einen Zeit- und Kostenplan vorlegen zu wollen. Der Bauausschuss tritt wieder am 22. Oktober zusammen.

Fest steht allerdings, dass die ersten Kostenschätzungen zum Theaterabriss nicht haltbar sind. Man werde deutlich mehr als die ursprünglich angenommenen 600.000 Euro aufwenden müssen, hieß es dazu aus dem Rathaus. Bereits vor wenigen Wochen vermuteten Verteter der Ratsfraktionen, dass man zirka 800.000 Euro bereitstellen müsse. Die Verwaltung selbst sprach jetzt von 760.000 Euro, wobei diese Kosten durch die verseuchten artesischen Brunnen mit Sicherheit in die Höhe getrieben werden.

Ein drohendes anderes Problem, das den Beginn der Abrissarbeiten hätte verzögern können, hat das Bauamt im Vorfeld gelöst. Ein Gutachter hatte festgestellt, dass in dem Theatergebäude zahlreiche Öffnungen vorhanden sind, durch die Fledermäuse hineingelangen können, um sich dort ein Winterquartier einzurichten. Diese Öffnungen sind rechtzeitig verschlossen worden.

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