Schleswiger Kläranlage : Sandfilter konnte Plastik nicht stoppen

Das Schleswiger Klärwerk: In dem Gebäude unten links befindet sich der Sandfilter als letzte Reinigungsstufe der Anlage.
Das Schleswiger Klärwerk: In dem Gebäude unten links befindet sich der Sandfilter als letzte Reinigungsstufe der Anlage.

Ein Gutachter bescheinigt der Schleswiger Kläranlage dennoch einen ordnungsgemäßen Betrieb.

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26. Juli 2018, 11:32 Uhr

Wie konnte das Plastik aus dem Klärwerk in die Schlei gelangen? Antworten auf diese Frage liefert ein Gutachten, das gestern den Mitgliedern des städtischen Werkausschusses präsentiert wurde. Allerdings weilt der Autor der Studie, Prof. Dr.-Ing. Karl-Heinz Rosenwinkel aus Hannover, im Urlaub, so dass es Stadtwerke-Chef Wolfgang Schoofs vorbehalten war, die Ergebnisse des 68-seitigen Berichts zu erläutern.

Demnach kommt der Sachverständige zu dem Schluss, dass nicht etwa ein Durchbruch oder Bypass des vier Meter dicken Sandfilters die Ursache gewesen ist, sondern „ein ständiges Durchdringen von leichten Kunststoffpartikeln durch den Filtersand“. Rosenwinkel schreibt: „Die Filtrationsanlage wurde sachgerecht betrieben, sie ist auf Grund ihrer Konstruktion als aufwärts durchströmter Filter jedoch nicht in der Lage, leichte Kunststoffpartikel vollständig abzuscheiden.“ Schwerere Kunststoffteilchen lagerten sich demnach im Klärschlamm ab.

Die Firma Refood hatte bis Anfang Februar mit Plastik versetzte Speisereste angeliefert, die als Gärsubstrat in den Faulturm eingebracht wurden, um daraus Energie zu gewinnen. Am 8. März, so Schoofs, habe man letztmalig Speisereste zugeführt. Dass man die Zufuhr nicht sofort nach Bekanntwerden der Plastikvermüllung gestoppt habe, begründete der Stadtwerke-Chef damit, dass man sich in den Wochen dazwischen „immer noch im Findungsprozess“ befunden habe. Allerdings seien seit Anfang Februar keine Kunststoffteilchen mehr in die Schlei gelangt, nachdem die Filteranlage um ein zusätzliches Siebgitter erweitert worden war.

Die Auswertung der Lieferscheine habe ergeben, dass in den Jahren 2017 und 2018 insgesamt 9,2 Tonnen Kunststoffe in die Kläranlage gelangten, erklärte Schoofs. Der weitaus größte Teil lagerte sich demnach im Klärschlamm ab. „Der kleinere Teil wird in die Schlei gelangt sein.“ In der Kläranlage fange man heute nur noch maximal einen halben Eimer pro Tag an Plastik auf. „Wir sind aus dem Gröbsten raus“, betonte Schoofs.

Hart ins Gericht ging der Geschäftsführer mit der Firma Refood. „Die Lieferscheine sind uns konsequent mit falschen Angaben zur Verfügung gestellt worden“, sagte er. Es beruhige ihn, so Schoofs, dass die Staatsanwaltschaft nicht nur gegen ihn ermittle, sondern auch gegen die drei Refood-Geschäftsführer.

Eine größere Diskussion blieb gestern im Werkausschuss aus, wohl auch deshalb, weil das 25 000 Euro teure Gutachten für Laien nicht leicht verständlich ist. Die Frage, warum es im Klärwerk nicht auffiel, dass die Plastikschnipsel in die Schlei gelangten, wurde gestern nicht erörtert. In der nächsten Sitzung des Gremiums soll Rosenkranz seine Studie noch einmal detailliert erläutern. Das Gutachten ist gleichwohl ab sofort auf der Internetseite www.aktion-schlei.de einsehbar.

Nachdem das Umweltministerium per Erlass verfügt hat, dass Gärsubstrate künftig fremdstofffrei sein müssen, will man im Klärwerk jetzt auch bei der Anlieferung von Fetten genauer hinschauen. „Seit über 20 Jahren nehmen wir Fette von Fettabscheidern an“, erläuterte Schoofs. Aktuell seien das 1900 Kubikmeter pro Jahr. Zu den Lieferanten gehöre zum Beispiel die Bundeswehr. Künftig nehme man solche Fette aber nur noch an, wenn eine Laboranalyse bescheinige, dass die Lieferung fremdstofffrei ist. Auch habe er seine Mitarbeiter angewiesen, dass von jedem Lkw eine Schüttprobe genommen wird, sagte Schoofs.

> So funktioniert die
Kläranlage: Seite 8

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