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Guido Knopp in Schleswig : Salbungsvolle Worte vom ZDF-Geschichtsguru

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Guido Knopp las in der Buchhandlung Liesegang aus seinen Büchern – und klang so bedeutungsschwanger wie im Fernsehen.

von
erstellt am 31.Okt.2014 | 07:11 Uhr

Als Leiter des Programmbereichs Zeitgeschichte im ZDF ist Guido Knopp seit anderthalb Jahren im Ruhestand. Doch nach wie vor ist er das Fernsehgesicht, wenn es Dokumentationen über die Weltkriege geht. So bescherte der 66-Jährige der Buchhandlung Liesegang ein volles Haus, als er am Donnerstagabend aus seinen Büchern „Der Erste Weltkrieg“ und „Der Zweite Weltkrieg“ las.

Und es war tatsächlich wie im Fernsehen: Das dichte graue Haar in dezentes Licht getaucht, trug er seine Merksätze vor wie „Der Erste Weltkrieg war das Schlangen-Ei des Zweiten“, „Versailles barg den Todeskeim der Republik“ oder „Hitlers Machtergreifung war in Wahrheit eine Machterschleichung nach einem Intrigenspiel um einen altersmüden Präsidenten“ und Hitlers Krieg im Osten ein „Haken-Kreuzzug“. Den salbungsvollen Tonfall behielt er auch dann bei, wenn er den Assistenten bat, er möge „jetzt bitte Bild 3“ anklicken.

Nach 40 Minuten hatte er seinen Abriss der deutschen Geschichte von 1914 bis 1945 beendet, und das Publikum durfte tun, was im Fernsehen nicht funktioniert: Fragen stellen. So erfuhr es, was Guido Knopp vom gebürtigen Schleswiger Ulrich von Brockdorff-Rantzau hält, dem Leiter der deutschen Delegation auf dem Friedenskongress von Versailles nach dem Ersten Weltkrieg: „Ein redlicher Mann, der keine Chance hatte, in den Verhandlungen etwas zu bewirken.“

Ins lockere Plaudern kam der Fernsehmann erst, als er nach seinen persönlichen Begegnungen mit Michail Gorbatschow gefragt wurde. Das bewegendste Treffen war das erste Anfang 1991. Damals ging es um eine gemeinsame Produktion des ZDF mit dem sowjetischen Fernsehen über den Zweiten Weltkrieg – mit denselben Bildern und dem gleichen Kommentar in der deutschen und der russischen Fassung. „Mit den Briten und den Franzosen wäre so etwas damals nicht möglich gewesen“, sagte Knopp. Und mit den Russen heute auch nicht mehr.

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